Neumarkter wollen "Neuen Markt"


Große Mehrheit für das Ratsbegehren


Erhobene Daumen bei der Stadtspitze: Bürgermeisterin Ruth
Dorner (CSU), 2. Bürgermeister Franz Dürung (UPW) und Ober-
bürgermeister Thomas Thumann (UPW) am Sonntagabend
NEUMARKT. Das "sensationell gute Ergebnis" beim Ratsbegehren und der Flop des FLitZ-Bürgerbegehrens wurde am Sonntagabend im Rathaus gefeiert.

Die Neumarkt Bürger wollen mit sehr großer Mehrheit den "Neuen Markt": das Ratsbegehren wurde klar angenommen,der Bürgerentscheid ist klar gescheitert.

Das Votum der Neumarkter "bestätigt unsere engagierte Arbeit der letzten Jahre und ist Ansporn für die nächsten Aufgaben", sagte Oberbürgermeistr Thomas Thumann.

Auch Investor und Bauherr Johann Bögl zeigte sich über die Ergebnisse der Abstimmungen hocherfreut: "Wir haben heute Abend von den Neumarktern einen sehr deutlichen Auftrag für den Bau des Neuen Marktes bekommen". Bei einem Erfolg des FLitZ-Bürgerbegehrens wäre das Projekt vermutlich "gestorben" gewesen.

Mit Volldampf...

NEUMARKT. "Der Neue Markt wird die Innenstadt noch attraktiver machen, sowohl für die Neumarkter selbst als auch für das gesamte Umland", sagte Johann Bögl am Abend.

Das Projekt, das die Firmengruppe Max Bögl gemeinsam mit dem Duisburger Projektentwickler Multi Development plant, hat eine Verkaufsfläche von etwa 13.000 Quadratmeter. Das Nutzungskonzept sieht neben Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung auch eine Kinderkrippe, Wohnungen, Arztpraxen, Büroräume und ein Hotel vor. Darüber hinaus wird der "Neue Markt" über etwa 600 Parkplätze verfügen.

Christoph Meier, Projektleiter bei Max Bögl, und Gerhard Wittke, Projektleiter bei Multi Development: "Neumarkt bekommt mit dem Neuen Markt ein modernes, neues Stadtquartier, das den Handel in der Altstadt nicht gefährden, sondern ergänzen wird."

Der Wahlausgang bildet auch den Startschuss auf dem Weg zu den nächsten Projektmeilensteinen: "Wir können jetzt mit Volldampf ins Bauleitplan- und Baugenehmigungsverfahren einsteigen, so dass bis zum Frühjahr 2012 das Baurecht geschaffen sein könnte", zeigt sich Andrej Pomtow, Geschäftsführer bei Multi Development, zuversichtlich.

Die Eröffnung des "Neuen Marktes" ist für Herbst 2013 vorgesehen. Das Investitionsvolumen beträgt etwa 65 Millionen Euro.
neumarktonline hatte praktisch ohne Zeitverzögerung über die Ergebnisse aus den ersten Wahllokalen berichtet - und schon früh festgestellt, daß es am Erfolg des Ratsbegehrens und am Mißerfolg des Bürgerbegehrens kaum mehr Zweifel gibt (Bericht hier).

Mehr als ständig 3000 Leser gleichzeitig drängten sich zu dieser Zeit auf den Seiten von neumarktonline. Bis 21 Uhr wurden über 50.000 Leser gezählt - weit mehr als Neumarkt Einwohner hat.

In Neumarkt waren am Sonntag 30.600 Wahlberechtigte aufgerufen, über die zukünftige Entwicklung am so genannten "Unteren Tor" zu entscheiden. 14.892 Wähler nahmen an der Abstimmung teil, das ist eine Wahlbeteiligung von 48,67 Prozent.

Auf dem Gelände am Unteren Tor plant die Firma Max Bögl auf einer Fläche von rund 28.000 Quadratmetern ein Bebauungskonzept bestehend aus Wohnen, Dienstleistung, Einkaufszentrum und Hotel.

Eine Flitz-nahe Bürgerinitiative hatte Unterschriften gesammelt, um die Verkaufsflächen beim Einkaufszentrum und die Zahl der Hotelbetten zu begrenzen. Über dieses Bürgerbegehren "Die Altstadt darf nicht sterben" hatten die Neumarkter zu entscheiden.

Der Text dafür lautete "Sind Sie dafür, dass zur Erhaltung einer lebendigen Innenstadt die Bauleitplanung am Unteren Tor als Ziel vorsehen soll: die Verkaufsfläche unter 5.000 Quadratmetern zu beschränken und die Hotelzimmer unter 60 zu beschränken?"

Impressionen









Für dieses Bürgerbegehren stimmten laut dem vorläufigen amtlichen Endergebnis 2.569 der Wahlberechtigen (19,94 Prozent). Dagegen stimmten 10.316 Wahlberechtigte (80,06 Prozent), womit die "Nein-Stimmen" das "Quorum" von 6.100 leicht erreicht haben.

Die große Mehrheit des Stadtrates steht hinter dem Konzept der Firma Bögl zum "Neuen Markt" und hatte dazu mit sehr großer Mehrheit ein Ratsbegehren auf den Weg gebracht. Auch darüber mussten die Neumarkter entscheiden.

Das Ratsbegehren lief unter dem Titel "Ja zu einer attraktiven Einkaufsstadt", der Text der Abstimmung dafür lautete: "Sind Sie dafür, dass zur Stärkung der Innenstadt der mehrjährige Stillstand am Unteren Tor endlich beendet wird und dort das Konzept des "Neuen Marktes" mit den Elementen Einkaufen – Dienstleistung – Wohnen – Gesundheit – Parken sowie mit einem Hotel mit mehr als 60 Zimmern auf der Basis der bestehenden Baugenehmigung und Bauleitplanung umgesetzt wird?".

Für das Ratsbegehren und damit für den "Neuen Markt" stimmten 12.684 der Wahlberechtigten, das sind 88,94 Prozent der Wähler. Damit wurde auch das Quorum von 6.100 Stimmen leicht erreicht. Gegen das Ratsbegehren stimmten 1.578 Wahlberechtigte, das entspricht 11,06 Prozent der Wähler.

Wegen der eindeutigen Ergebnisse bei Ratsbegehren und Bürgerbegehren mit einem "Ja" für das Ratsbegehren und einem "Nein" für das Bürgerbegehren war die ebenfalls auf dem Stimmzettel enthaltene Stichfrage hinfällig. Diese wäre nur zum Tragen gekommen, wenn Ratsbegehren und Bürgerbegehren jeweils gleichlautend mit dem nötigen Quorum an "Ja-Stimmen" oder "Nein-Stimmen" beantwortet worden wären und so eine eindeutige Entscheidung, ob nun Ratsbegehren oder Bürgerbegehren gelten solle, nicht ersichtlich gewesen wäre.

Für Neumarkts Oberbürgermeister Thomas Thumann ist dies eine eindrucksvolle Bestätigung seiner Arbeit der letzten Jahre. Ihm war es in seiner Amtszeit gelungen, den Stillstand am sogenannten "Unteren Tor" zu beenden, hieß es in der Stellungnahme aus dem Rathaus.

Hatte doch bereits 2001, in der Amtszeit seines Vorgängers Alois Karl, ein Bürgerentscheid dazu geführt, dass die Pläne des damaligen Investors Krause für ein Einkaufszentrum nicht umgesetzt werden konnten. Die Stadt war allerdings an den Investor Krause mit einem Erbpachtvertrag gebunden, wobei die Rücktrittsfristen darin bereits verstrichen waren.

"Es war mein einziges Wahlversprechen bei der OB-Wahl 2005, den Stillstand am Unteren Tor zu beenden. Ich bin froh, dass es mir in meiner Amtszeit in guten Gesprächen mit Herrn Krause gelungen ist, mit ihm einen neuen Vertrag mit der Stadt abzuschließen. Und darin waren dann wieder neue Rücktrittsrechte und Rücktrittsfristen enthalten", so Oberbürgermeister Thumann am Sonntag. "Denn nur so war es uns dann letztlich möglich, nachdem bestimmte Rücktrittstatbestände eingetreten waren, im Einvernehmen mit dem Investor diesen Vertrag zu lösen".

Übrigens wurde dieser Vertrag ohne finanzielle Forderungen für die Stadt gelöst, auch das sei "eine sehr erfolgreiche Entwicklung". Dadurch sei die jetzige Entwicklung erst möglich geworden: der Verkauf dieses Areals und des danebenliegenden Grundstücks an die Firma Max Bögl, die nun das Konzept "Neuer Markt" präsentiert hat.

"Ich bin überzeugt, dass diese Bebauung uns als Stadt bereichern und weiterbringen wird, gerade auch unsere direkt angrenzende Altstadt zusätzlich beleben wird", sagte OB Thumann am Sonntagabend.



18.09.11
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