BÜCHER

Neuerscheinungen und Lese-Tipps



"Wir sehen rot"

NEUMARKT. Ein rotes Büchermeer empfängt die Besucher der Stadtbibliothek im Monat April - Einbände von zartem Rosa bis zu kräftigem Rot dominieren den aktuellen Thementisch. Alles nur Effekthascherei? Von wegen! Der Inhalt der Bücher hält, was der Einband verspricht.
  • Das bestätigt schon der erste Titel: In „Rot für Rache“ von Jari Järvelä nimmt die finnische Sprayerin Metro die Spur des profitgierigen Russen auf, der aus dem von ihr bewohnten Abbruchhaus ein Wandbild des Street Art-Künstlers Banksy gestohlen und dabei zwei ihrer Freunde ermordet hat. Das Buch führt in eine weitgehend unbekannte, illegale Szene, die moralisch nachvollziehbar – und äußerst spannend – beschrieben wird. Auch der vorangegangene Titel „Weiß für Wut“ liegt vor.
  • Rot sehen nicht nur Vegetarier bei dem Titel „Richtig Tiere essen?!“ von Louise Gray. Würden wir Fleisch verzehren, wenn wir die Tiere selbst töten müssten? Das hat sich die britische Umweltjournalistin gefragt und einen konsequenten Selbstversuch unternommen. Das Ergebnis: Traumatisiert hat sie ihren Fleischkonsum danach drastisch eingeschränkt.
  • Auch andersfarbige Einbände durchbrechen die Phalanx, wenn die Thematik passt. Das gilt für „Das Seelenleben der Tiere“ („Spiegel“-Bestseller!) von Peter Wohlleben. Der Förster aus Leidenschaft lädt zu einer packenden Entdeckungsreise durch die Gefühlswelt der heimischen Tierwelt ein. Empfinden auch Tiere Glück, Mitleid, Kummer? Seine Antworten verknüpfen persönliche Erfahrungen mit aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen und sprechen jedem Naturfreund aus dem Herzen.
  • Die rote Karte zücken möchte mancher Macho sicher bei dem Titel „Das Ende der Männer und der Aufstieg der Frauen“ von Hanna Rosin. Aber die Autorin dokumentiert nach Interviews in Schulen, Universitäten, Firmen und Gemeinden und dem Auswerten von Literatur, Medien und der aktuelle Kultur tatsächlich nicht weniger als „das Todesröcheln eines Zeitalters, das im Verschwinden begriffen ist“. Damit meint sie den langsamen sozialen Wandel hin zu einem amerikanischen Matriarchat, begünstigt vor allem durch die halt- und orientierungslosen jungen Männer.
  • Mit Herzblut geschrieben ist „Mehr Feminismus“ von der jungen Bestsellerautorin Chimamanda Ngozi Adichie. Das Buch basiert auf dem legendären TED-Talk „We Should All Be Feminists“ und enthält als Ergänzung vier neue Storys, erzählt von Schuld, Scham und Sexualität, von Liebe, Heimat und eben mehr Feminismus.
  • Alarmstufe rot löst Jürgen Roth mit seinem Titel „Schmutzige Demokratie“ aus. Immer mehr Bürger wenden sich desillusioniert rechtspopulistischen Gruppierungen zu, warnt er, begegnen allem Fremden, insbesondere Flüchtlingen, aggressiv. Die Ursache sieht er in politischen Skandalen, den Angriffen der „politischen Mafia“ auf den liberalen und sozialen Rechtsstaat.
  • Alle roten Linien überschritten sehen mehrere Autoren in der Entwicklung der Türkei. Jürgen Gottschlich beschreibt in „Türkei – Erdogans Griff nach der Alleinherrschaft“ die Islamisierung des ehemals laizistisch-kemalistischen Staates, den Konflikt mit der kurdischen Minderheit und die Säuberungsaktionen nach dem gescheiterten Militärputsch. Eine Mischung aus sachlicher Information und persönlicher Erfahrung bietet der Grünen-Politiker Cem Özdemir unter dem Titel „Die Türkei“. Wie die Polarisierung der türkischen Gesellschaft in Deutschland vorangetrieben wird und wie sich die deutsch-türkischen Beziehungen daraufhin entwickelt haben (Nazi-Vergleiche, Böhmermann-Affäre), das thematisiert Hülya Ökzan mit ihrem Buch „In Erdogans Visier“.
  • Die Zornesröte ins Gesicht treibt Jack Ewing das Verhalten der Automobilindustrie, das er mit dem Titel „Wachstum über alles – Der VW-Skandal“ geißelt. Ein wahrer Wirtschaftskrimi, wie VW die Weltmarktführerschaft um jeden Preis erobern wollte.
  • Warum sehen viele Menschen so schnell rot? Warum kommt es im privaten wie im gesellschaftlichen Leben überhaupt zu Aggression und schwerer Gewalt? Diesen Fragen geht Hans-Peter Nolting in seiner „Psychologie der Aggression“ nach. Der Autor analysiert nicht nur Ursachen, sondern zeigt auch Möglichkeiten zum Gegensteuern auf, sei es in der Kindererziehung, beim Mobbing in der Schule oder bei Konflikten zwischen Gruppen.
  • In „Der kleine Ärger und die große Wut“ setzt sich auch das Duo Baer und Frick-Baer mit aggressiven Gefühlen wie Ärger, Wut und Zorn auseinander und zeigt auf, wie wir uns in dieser „Landschaft aggressiver Gefühle“ besser zurechtfinden können.

Zwischen Himmel und Erde

NEUMARKT. Hape Kerkelings Erlebnisbericht „Ich bin dann mal weg“ hat bestätigt, was viele schon vor ihm empfanden: Pilgern ist wie Wandern zwischen Himmel und Erde. Aber ist es der einzige Weg, um zu sich selbst zu finden? Natürlich nicht, sagt die Stadtbibliothek und hat weitere Wegweiser in den Mittelpunkt ihrer Medienausstellung im März gestellt.
  • „Meditation mit inneren Bildern“ auf der Basis der Archetypenlehre C. G. Jungs und des tibetischen Buddhismus – das empfiehlt Gaby Rossbach in Buchform und als CD als heilende Kraft für das emotionale Gleichgewicht. Die von ihr zusammengestellten Meditationen arbeiten mit einfachen Bildsymbolen und helfen, innere Blockaden und negative Bewertungen aufzulösen, innere Klarheit und Freiheit zu erlangen.
  • Die DVD „Der große Trip – Wild“ auf der Grundlage des Buches von Cheryl Strayed erzählt die Geschichte einer am Tiefpunkt angekommenen Frau, die sich spontan und ohne Vorbereitung auf eine 1600 km lange Wanderung begibt. Der gefühlvolle Film war 2015 für zwei der wichtigsten „Oskars“ nominiert und ist mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ ausgezeichnet.
  • Unter dem Titel „Aufbruch zur Achtsamkeit“ nimmt Franz Alt seine Leser mit auf den Olavsweg vom norwegischen Hamar nach Trondheim, den er gemeinsam mit einem Pastor und einem Fotografen erwandert hat. Er schildert, wie diese Pilgerreise half, die persönliche Spiritualität zu vertiefen und welche intensiven Naturerfahrungen auf die Gruppe warteten.
  • Reich ist das Angebot an weiteren Wegbegleitern. „Pilgern mitten im Leben: Wie deine Seele laufen lernt“ von Michael Kaminski macht allen Mut, die sich in der Mitte des Lebens neu orientieren wollen. „Pilgern auf den Jakobswegen“ von Raimund Joos beantwortet alle Fragen zur sportlichen, mentalen und praktischen Vorbereitung. „Pilgern in Bayern“ von Eva-Maria Troidl und Stefan Lenz verdeutlicht, dass man gerade in den beschaulichen Landschaften Frankens, Schwabens und Oberbayerns Besinnung finden kann. Noch näher liegen uns „Heilige Berge – Heilige Quellen“ von Günter Moser und Bernhard Setzwein, denn dieser Prachtband konzentriert sich auf die Oberpfalz.
  • „Das kleine Buch vom achtsamen Leben“ von Patrizia Collard zeigt auf, wie man schon in zehn Minuten täglich aus dem Gedankenkarussel herauskommen und Gelassenheit und Ruhe gewinnen kann. Der Ratgeber „Anleitung zur Achtsamkeit“ von Mike Annesley widmet sich ebenfalls Meditationen und Übungen, die sich leicht in den Alltag integrieren lassen.
  • „Altes Wissen für eine neue Zeit“ hat Geseko von Lüpke in Interviews mit Weisheitslehrern aus aller Welt zusammengetragen. Eine neuseeländische Maori-Schamanin, ein ostasiatischer Tuwa-Schamane, eine europäische Kulturwissenschaftlerin – ihre Antworten beweisen sie als „Kulturnomaden“, die sich in beiden Welten bewegen und in der Lage sind, aus uralter indigener Kultur heraus Impulse für die moderne Zivilisation zu geben.
  • „Urlaub im Kloster“ ist das Werk einer kompetenten Autorengruppe von Miriam Kauko bis Anselm Grün, die die 50 schönsten Klöster in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorstellt. Unterschiedlich ist die Angebotspalette, gemeinsam ist die Chance, sich in einer Auszeit vom hektischen Alltag auf das Wesentliche zu besinnen.
  • „Himmel, Herrgott, Sakrament“ – nicht nur mit dem Titel findet der durch unkonventionelle Verkündigungsmethoden bekannt gewordene Priester Rainer Maria Schießler klare Worte zu den Problemen der katholischen Kirche. Mut zu Veränderungen legt er den (nicht nur christlichen) Lesern und „seiner“ Kirche ans Herz.
  • „Über Himmel und Erde“ ist Titel der Aufzeichnung eines Gesprächs mit besonderem Tiefgang und ungewöhnlichen Partnern: Papst Franziskus und Rabbiner Abraham Skorka. Es geht um so unterschiedliche Themen wie Gott, Fundamentalismus, Atheismus, Tod und Holocaust, aber auch Geld, Kapitalismus und Globalisierung.
  • Die DVD „Im Himmel, unter der Erde“ von Britta Wauer (Regie) und Kaspar Köpke (Kamera) führt auf den größten Jüdischen Friedhof Europas, versteckt hinter Bäumen, Rhododendron und Efeu in Berlin Weißensee. Fast ein Wunder, dass er nie zerstört wurde und auch sein Archiv erhalten blieb. Mit seinen mehr als 115 000 Grabstätten, darunter die von Mies van der Rohe, Stefan Heym, Kaufhausgründer Jandorf (KaDeWe) und Hermann Tietz (Hertie), erzählt er Geschichten vom Leben, das endet, und doch die Zeit überdauert.
  • Sind Feiertage noch heute Tage der Besinnung? Das Buch „Feiertag!“ lädt zumindest dazu ein. Der Theologe, Sänger, Moderator und Schauspieler Julian Sengelmann hat alles über Geschichte, Herleitung der Namen, Bibelstellen, Legenden und Bräuche von 19 katholischen und evangelischen Feiertagen zusammengetragen.

Das Leben ist bunt...

NEUMARKT. Das Leben ist bunt, und das nicht nur zur Faschingszeit. Deshalb überrascht die Stadtbibliothek bei ihrer Themen-Ausstellung im Februar zwar mit originellen Ideen zur fünften Jahreszeit, lenkt das Augenmerk jedoch vor allem auf unsere gesellschaftliche Situation, die sich ebenfalls farbig, wenn auch nicht immer farbenfroh präsentiert.
  • „Samstags bin ich Sushi“, unter diesem Titel lädt Senta Best dazu ein, mit verrückten Kostümen dem Fasching neuen Pep zu geben. Als leibhaftiges Facebook, als Teebeutel, als Sushi über die Tanzfläche rollen? Alles machbar mit diesen Do-it-yourself-Anleitungen.
  • „Feen, Drachen, Könige: Fantasievolle Kostüme für die Kleinen zum Nähen“ sind das Angebot von Juliane Bleckmann und Valerie Dumont. Die Illustrationen und Schnittbögen zeigen, wie sich aus einfachen Materialien märchenhafte Gewänder schneidern und basteln lassen.
  • Die „Schminkfibel“ ist das Standardwerk, das Laien und Profis, Faschingsfreunden und Theaterschauspielern Schmink- und Maskentipps verrät, mit denen das eigene Kostüm erst richtig zur Geltung kommt. Das Rüstzeug für das perfekte Auftragen von Gesichtsschminke vermittelt auch „Extreme Facepainting“ von Brian Wolfe und Nick Wolfe, die seit zwölf Jahren als professionelle Facepainter beim Film tätig sind.
  • Schluss mit lustig: „Gegen Vorurteile“ wendet sich Nina Horaczeck in ihrem Jugendsachbuch. Nehmen uns Ausländer die Arbeitsplätze weg? Ist das Kopftuch ein politisches Symbol? Ist die EU undemokratisch? War bei den Nazis doch nicht alles schlecht? Die Antworten basieren auf aktuellen Studien aus Deutschland und Österreich.
  • „Du bleibst, was du bist“ von Marco Maurer weist auf den nach wie vor (zu) engen Zusammenhang zwischen Bildung und sozialer Herkunft hin. Als Gründe nennt der Autor die Hindernisse, die sich begabten Kindern aus bildungsfernen Familien auftun, dazu das unausgesprochene Bestreben des Bürgertums, diese beizubehalten.
  • „Die kleinste Familie der Welt“ hat Bernadette Conrad in ihrem Zuhause besucht, Alleinerziehende in Deutschland, England, Finnland und den USA. Alleinsein ist nicht nur Last, ist ihr Credo, sondern schenkt auch die Freiheit, allein handeln zu dürfen. Ganz wichtig erscheint ihr das Knüpfen von Netzwerken, der Kontakt zu Menschen in ähnlicher Lage.
  • „Und plötzlich war ich zu sechst“ stellt Felicitas von Lovenberg fest, die selbst schon Mutter war, als sie einen Vater von zwei Kindern heiratete. Eindringlich beschreibt sie, wie unterschiedliche Interessen, Bedürfnisse und Ängste das Leben einer Patchwork-Familie erschweren – und wie diese Familienform gelingt, wenn alle mitmachen.
  • „Grau ist bunt“ hat der langjährige Bremer Bürgermeister und Ministerpräsident Henning Scherf sein Buch über das Älterwerden getauft. Lebendig berichtet er von der Alters-Wohngemeinschaft, die ihm und seiner Frau zur Heimat geworden ist, gibt Auskunft über persönliche Freiheiten und Aktivitäten, aber auch über Loslassen und Abschiednehmen.
  • „Schattenspringer“ ist das mit viel Humor und Selbstironie geschriebene Tagebuch, in dem Daniela Schreiter Einblick in die Welt einer Asperger-Autistin gewährt. Offen spricht sie aus, wie es ist, „anders“ zu sein, und springt damit wirklich über ihren Schatten. Von der Kindheit bis zur aktuellen Situation schildert sie ihr autistisches Erleben, ihre Probleme – und die ihrer Mitmenschen im Umgang mit ungewöhnlichen Menschen.
  • Auch in Benjamin Ludwigs Roman „Ginny Moon hat einen Plan“ begegnet dem Leser eine Autistin, aber wichtiger ist deren Rolle als Adoptivkind. Nach langer Zeit der Verwahrlosung und Gewalt lebt sie liebevoll umsorgt bei ihren Pflegeeltern. Trotzdem muss sie ihre leibliche Mutter finden und sie nach der Babypuppe fragen, die sie nicht mitnehmen konnte, als sie vor fünf Jahren von der Polizei aus der Wohnung geholt wurde.
  • „Das Regenbogen-Experiment“ von Katja Irle spiegelt die politische und gesellschaftliche Diskussion um gleichgeschlechtliche Paare wider. Sind Lesben und Schwule schlechtere Eltern? Oder zeigen uns gerade homosexuelle Eltern den Weg zu einer modernen Familienstruktur? Mit solchen Fragen ist die Autorin „Normalverbrauchern“, Politikern, Kirchenleuten und Wissenschaftlern auf die Pelle gerückt.
  • „Blau ist eine warme Farbe“ heißt die DVD über ein Mädchen, das mit 15 Jahren erkennt, dass sie „anders“ ist und sich unsterblich in eine (blauhaarige) Künstlerin verliebt. Als Buch, Hörbuch und DVD legt Andreas Steinhöfel seinen Entwicklungsroman „Die Mitte der Welt“ vor, in dem ein 17-Jähriger seine Homosexualität entdeckt.
  • Mit „Anleitung zum Schwarz sein“ spricht die TV-Moderatorin Anne Chebu vor allem schwarze Jugendliche an, die auf der Suche nach Zugehörigkeit in einer mehrheitlich weißen Gesellschaft sind. Gleichzeitig eröffnet ihr Buch weißen Deutschen einen Blick auf das, was dunkelhäutige Menschen erleben, denken und fühlen.
  • In „Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben, ohne zu ermüden“ skizziert Dany Laferriere sehr offenherzig das Leben zweier schwarzer Migranten in Montreal, von denen einer versucht, einen Roman zu schreiben. Der Inhalt: die sich beinahe täglich wiederholenden Ereignisse beider Männer, nämlich Sex mit hübschen, weißen, gebildeten Frauen. Es geht sowohl um die körperlichen Anziehungskräfte der Geschlechter als auch um die Beziehung zwischen Schwarz und Weiß.

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17. Jahrgang