Vorerst vor Pleite gerettet


Die Schlote rauchen bei Pfleiderer weiter
Fotos:Pfleiderer AG
NEUMARKT. Die Aktionäre des schwer angeschlagenen Pfleiderer-Konzerns haben am Donnerstagabend bei einer außerordentlichen Hauptversammlung mit überraschend großer Mehrheit den Sanierungsplänen zugestimmt.

Zuvor war es im Verlauf der tublenten Sitzung in einem Münchner Hotel zu heftigen Angriffen auf das Managment des Neumarkter Unternehmens und hier vor allem auf Vorstands-Chef Hans Overdiek gekommen.

Mit einer Zustimmungsrate von knapp 94 Prozent (genau 93,4 Prozent des "anwesenden Kapitals") haben die Aktionäre die notwendige Dreiviertel-Mehrheit unerwartet deutlich überschritten. Bei unter 75 Prozent Zustimmung wäre die Insolvenz praktisch kaum zu vermeiden gwesen. neumarktonline berichtete in einer Eil-Meldung.

Die hohe Zustimmungsrate wurde erreicht, weil Großaktionär One Equity Partners für die Pläne gestimmt hat. Bis zum Abend war unklar gewesen, wie sich der Finanzinvestor verhalten wird.

Pressemitteilung

Kurz nach Mitternacht traf eine offizielle Pressemittelung des Pfleiderer-Konzerns zur Hauptversammlung ein, die wir (leicht gekürzt) hier veröffentlichen.
Das Sagen haben bei Pfleider künftig klar die Banken und Hedgefonds, die Kredite aufkauften, auf rund 40 Prozent ihrer Forderungen verzichten und sogar frisches Kapital nachschießen. Den Altaktionären gehört künftig nur mehr weniger als ein Prozent.

Zuvor hatten die rund 5000 Pfleiderer-Mitarbeiter - darunter etwa 800 in Neumarkt - den ganzen Tag über zwischen Hoffen und Bangen geschwankt. Der für die Restaurierung zuständige Vorstand Hans-Joachim Ziems hatte sich zu Beginn der Hauptversammlung zuversichtlich gezeigt. Er könne sich nicht vorstellen, daß der FinanzinvestorOne Equity Partners als Großaktionär gegen die Restrukturierungspläne stimmen werde, sagte er (wir berichteten).

Der Optimismus schwand, als schon bald zu Beginn der Hauptversammlung Aktionäre ihrem Ärger gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden Luft machten (wir berichteten). Eine Vertreterin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz nannte die von ihr geforderte Entscheidung eine "wie zwischen Pest und Cholera".

Ein Sprecher des "Vereins zur Förderung der Aktionärsdemokratie" sagte, ein geordnetes Insolvenzverfahren sei selbst für die Pfleiderer-Mitarbeiter "besser als ein Vorgehen nach dem Willen der Heuschrecken". Er spielte dabei darauf an, daß nach dem Restrukturierungs-Plänen praktisch nur mehr die Banken und die sogenannten Hegdefonds bei dem Neumarkter Konzern das Sagen hätten.

Daß Pfleider rund 50 Millionen Euro für die Ausarbeitung der Sanierungsmaßnahmen ausgegeben haben soll, trug ebenfalls nicht zur Beruhigung der Aktionäre bei. Besonders hart angegriffen wurde Vorstandsvorsitzender Hans Overdiek, dem der Niedergang des Neumarkter Konzerns vor allem angekreidet wird.

Mehrmals wurde er in Redebeiträgen und mit Zwischenrufen ("Schämen Sie sich!") zum sofortigen Rücktritt aufgefordert. Ganz schlecht kam dabei bei den Aktionären an, daß Overdiek im letzten Jahr noch 320.000 Euro Prämie erhalten haben soll.

Der Vorstands-Chef entwortete, er klebe nicht an seinem Stuhl und stehe zu seiner Verantwortung. Die Süddeutsche Zeitung erkannte hier allerdings "Selbstkritik allenfalls in homöopathischen Dosen".

Ganz aus dem Schneider ist das Neumarkter Unternehmen noch nicht: Eine Anwaltskanzlei will gegen den Gläubiger-Beschluß vom Juni klagen (wir berichteten)
21.07.11
Neumarkt: Vorerst vor Pleite gerettet
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