Rapper packt aus


Der 29jährige Rapper legte ein erstes
Geständnis ab
im NEUMARKT. Einer der Angeklagten im Prozeß um den Überfall auf einen Neumarkter Goldtransport hat am Montag ein Geständnis abgelegt.

Die "überraschende Wende", wie eine Nachrichtenagentur schrieb, war so überraschend nicht: neumarktonline berichtete bereits am Freitag (Bericht hier), daß Geständnisse unmittelbar bevorstehen.

Mindestens drei der fünf Angeklagten denken nach unseren Informationen darüber nach, durch Geständnisse mildere Urteile zu erhalten.

Bisher hatten die fünf Männer vor der 19. Großen Strafkammer beim Landgericht Stuttgart zu den Vorwürfen und dem Verbleib der Beute eisern geschwiegen.

Nun hat es aber zwischen Richter, Staatsanwalt und Verteidigern Gespräche gegeben, bei denen es mit Sicherheit um die Höhe der Strafe bei Geständnissen ging. Der Vorsitzende Richter soll dabei einem Zeitungsbericht zufolge den Angeklagten Haft zwischen sieben und acht Jahren in Aussicht gestellt haben.

Da ihnen Untersuchungshaft und die Haft bei ihrer Festnahme in Irak - diese sogar vierfach - angerechnet und bei entsprechender Kooperation etwa ein Drittel der Strafe erlassen würde, könnt zum Beispiel der als Rapper bekannte Angeklagte schon nach vier Jahren wieder in Freiheit sein.

Am Montag begann der 29jährige Musiker prompt zu "plaudern". Dabei belastete er den vermeintlichen Drahtzieher, der wegen Krankheit nicht verhandlungsfähig ist. Er habe mitgemacht, um Geld für sein neues Album zu erhalten. Von der Beute habe er nur 25.000 Euro kassiert. Wo die übrige Beute geblieben ist, wisse er nicht.

Der Staatsanwalt wird bei einem solchen "Handel" allerdings darauf bestehen, daß die Angeklagten auch Auskunft über den Verbleib der nach wie vor verschwundenen Beute geben. Eine vom Verteidiger des Musikers ins Spiel gebrachte "Wiedergutmachungszahlung" von 75.000 Euro für den Neumarkter Goldhändler und jeweils 10.000 an die beiden damals überfallenen Fahrer nannte der Anklagevertreter einen "Witz".

Einer der Verteidiger bezeichnete den Wert der nach wie vor verschwundenen Gold-Beute als "hypothetisch". Die immer wieder genannten 1,8 Millionen Euro hätte wohl die Pforzheimer Scheideanstalt - das Ziel des Neumarkter Goldtransports - bezahlt. Tatsächlich habe der Neumarkter Goldhändler für das Gold selbst aber lediglich 300.000 Euro ausgegeben. Und von einem kriminellen Hehler hätte man für die "heiße Ware" sicherlich nur einen Bruchteil des tatsächlichen Werts bekommen.

Zur Erinnerung:

Zwei Angestellte eines Schmuck- und Goldhandelsunternehmens mit Sitz in Neumarkt und Nürnberg, die mit dem Neumarkter Firmeninhaber verwandt sind, befanden sich am Dienstag, 15.Dezember 2009, auf dem Weg von Nürnberg nach Pforzheim und transportieren Schmuck sowie Zahngold im Wert von rund 1,8 Millionen Euro, das zur Einschmelzung in einer Scheideanstalt vorgesehen war. Sie waren unterwegs mit einem silber-grauen Daimler Chrysler vom Typ Sprinter mit dem Neumarkter Kennzeichen NM-RH 818 und mit der Aufschrift "Antik- und Schmuckmärkte - Neumarkt". Fahrtbeginn war gegen 8.30 Uhr am Ladengeschäft in der Allersberger Straße in Nürnberg, wo unmittelbar vor Fahrtbeginn – zwischen 8 und 08.15 Uhr – das Fahrzeug beladen wurde.

Auf der BAB 81, zwischen den Anschlussstellen Pleidelsheim und Ludwigsburg-Nord, wurden sie von einem mit drei Männern besetzten, dunklen 3er oder 5er BMW mit Nürnberger Behördenkennzeichen überholt Im Bereich des Armaturenbretts war ein Blaulicht in Betrieb, im Bereich der Heckscheibe eine rote Leuchtschrift "Bitte folgen". Die Geschädigten folgten diesem BMW über die Ausfahrt Ludwigsburg-Nord auf die B27, Fahrtrichtung Ludwigsburg und wurden unter der dortigen Autobahnbrücke gegen 10 Uhr gestoppt.

Sie wurden von den Tätern, die sich als Steuerfahnder ausgaben, zum Verlassen des Fahrzeugs aufgefordert mit dem Hinweis, dass sie aufgrund von Steuerhinterziehung verhaftet seien. Außerdem sei ihr Fahrzeug beschlagnahmt. Zeitgleich finde eine Durchsuchung der Firma in Nürnberg statt.

Unmittelbar darauf wurden ihnen Handschließen angelegt und sie wurden in den BMW gebracht. Sämtliche Täter waren mit grünen Oberteilen und schwarzen Westen mit der Aufschrift "Polizei" bekleidet. Die Opfer sahen bei den Tätern allerdings keine Waffen. Zeitgleich hielt hinter dem Fahrzeug der Geschädigten ein roter VW-Bus mit abgedunkelten Scheiben, Typ 4 oder Typ 5, mit dem Kennzeichen SÜW-? oder SU-W an, aus dem ein vierter Täter ausstieg.

Der BMW mit den beiden Opfern und das Neumarkter Fahrzeug wurden anschließend wieder auf die BAB 81, Fahrtrichtung Heilbronn, gelenkt. In einem Waldstück zwischen der Strecke Neuenstadt – Bad Friedrichshall und Oedheim wurden die beiden Männer auf einem Waldweg gefesselt ausgesetzt. Den Männern, die nicht verletzt wurden, gelang es wenig später, zur Straße zurückzukehren und Fahrzeuge anzuhalten, deren Insassen die Polizei verständigten.

Der gestohlene Sprinter wurde am Abend in Ortsnähe von Mundelsheim, im Bereich der dortigen Autobahnausfahrt, auf einem Wanderparkplatz aufgefunden. Bei der Kriminalpolizei Ludwigsburg wurde zur Klärung der Tat noch am Tattag die Ermittlungsgruppe "Gold" eingerichtet.

Im Februar 2010 wurden dann die ersten vier der mutmaßlichen Täter festgenommen (wir berichteten).
09.05.11
Neumarkt: Rapper packt aus

Telefon Redaktion


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