"Aufrechter Demokrat"


Otto Wels
NEUMARKT. Im Landkreis sollten Straßen nach dem großen Sozialdemokraten Otto Wels benannt werden, hieß es von der SPD-Kreistagsfraktion.

Nachdem erst vor einigen Tagen von der SPD der Stadt Neumarkt der Vorschlag kam, die einem Nazi-Maler gewidmete Albert-Reich-Straße künftig nach dem Neumarkter Sozialdemokraten und Nazi-Verfolgten Josef Geiß zu benennen (wir berichteten), kam jetzt von der Kreistagsfraktion eine ähnliche Forderung.

Der Berger Bürgermeister und Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion Helmut Himmler schlug in der Fraktionssitzung im Rathaus des Marktes Pyrbaum vor, Straßen in den Städten und Gemeinden im Landkreis Neumarkt nach Otto Wels zu benennen.

Ursprünglich hatte SPD-Kreisrat Erwin Jung die Benennung des Gymnasiums Parsberg nach dem Vorsitzenden der SPD-Fraktion im Berliner Reichstag angeregt, der im Namen seiner Reichstagsfraktion vor nunmehr 75 Jahren am 23. März 1933 die Ablehnung des Nationalsozialismus und des "Gesetzes zur Behebung der Not von Volk und Reich" , des sogenannten "Ermächtigungsgesetzes", begründete. Der aufrechte Sozialdemokrat tat dies damals buchstäblich unter Lebensgefahr - vor wartenden SA-Männern.

Otto Wels wurde 1873 in Berlin geboren und starb 1939 im Exil in Paris. Er war zeitweise in Regensburg als Tapezierer tätig.

Da die Benennung einer Schule stets der Anregung und Unterstützung durch Schulleitung, Lehrerschaft sowie von Eltern und Schülern bedarf, ist die Benennung einer Bildungseinrichtung nach Wels eher unwahrscheinlich, hieß es von der SPD-Fraktion. Daher wollen sich die SPD-Kommunalpolitiker auf die Benennung von Straßen, Plätzen oder Gebäuden in den Städten, Gemeinden und Marktgemeinden konzentrieren.

"...die Ehre nicht"

"Freiheit und Leben kann man uns nehmen, die Ehre nicht.

Kein Ermächtigungsgesetz gibt Ihnen die Macht, Ideen, die ewig und unzerstörbar sind, zu vernichten."
Otto Wels
Der 23. März 1933 gilt als der schwärzeste Tag des deutschen Parlamentarismus, denn mit Ausnahme der SPD haben alle anderen Reichstagsfraktionen dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt und damit die Demokratie zerstört. "Die Parteien der Weimarer Republik sind deshalb nach dem Zusammenbruch des NS-Regimes in der Bundesrepublik mit geänderten Namen aufgetreten, während die SPD ungebrochen zu ihrer Geschichte stehen konnte", erklärte Himmler.

Otto Wels und seine noch im Reichstag verbliebenen 93 Fraktionskollegen - mehr als zwei Dutzend Abgeordnete der SPD waren bereits von den Nazi-Schergen festgenommen worden oder wurden an der Teilnahme der denkwürdigen Reichstagssitzung in der Kroll-Oper gehindert - widersetzten sich der Selbstenthauptung des Reichstags und damit der Ermächtigung der Nationalsozialisten zur Einführung der Diktatur.

Auch die gesamte kommunistische Fraktion konnte an der Abstimmung nicht mehr teilnehmen.

Kreisvorsitzende Carolin Braun nannte die Rede von Otto Wels "die mutigste, die je in einem deutschen Parlament gehalten wurde, denn er wusste, dass seine Worte für ihn Lebensgefahr bedeuteten."

Es sei nach 75 Jahren selbstverständliche Verpflichtung, mit Otto Wels einem großen und mutigen Demokraten auch im Landkreis Neumarkt Orte des Erinnerns und Gedenkens zu geben, hieß es von der Fraktion.
09.06.08
Neumarkt: "Aufrechter Demokrat"
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