Nürnbergs Knut hieß damals "Twenty"...


Bürgermeister Franz Haas (Mitte) empfängt "Twenty" im Rathaus. Gleich wird er sich auf dem Schreibtisch "verewigen".
Fotos: Erich Zwick

Tierpfleger Kaspar Walz reicht dem kleinen Eisbären "Twenty"
das Fläschchen.
NÜRNBERG. Beinahe hätte man glauben können, ein kleiner Eisbär namens "Knut" sei so etwas wie ein achtes Weltwunder. Zumindest die Medienwelt riss sich um das drollige Tierchen aus dem Berliner Zoo als hätte es nichts Wichtigeres zu berichten gegeben.

Nun, da der Rummel etwas abgeebt ist, wollen wir in aller Bescheidenheit darauf hinweisen, dass Eisbären-Babys im Nürnberger Tiergarten etwas ganz Alltägliches waren und sicherlich auch wieder einmal sind.

Eine kleine Ausnahme bildete da "Twenty", der seinen Namen deshalb bekam, weil er der zwanzigste Eisbär war, der seit der Eröffnung des Tiergartens im Jahre 1939 am Schmausenbuck geboren wurde.

Das liegt allerdings schon lange zurück: Eisbären-Mama "Dora" schenkte ihrem "Twenty" am 24. November 1961 das Leben. "Dora" war vorher schon viermal Mutter geworden, die Artgenossinnen "Centa" dreimal und "Alma" gleich ein Dutzend Mal. Das ergibt zusammen 20 kleine Knuddel-Bärchen.

Der erste Zuchterfolg im neuen Tiergarten hatte sich im Jahre 1948 eingestellt. Binnen neun Jahre gesellten sich 18 weitere Eisbären-Kinder hinzu - das letzte im Jahre 1957. Dann war bis 1961 Baby-Pause, bis "Twenty" als zwanzigstes die "Kinderstube" wieder mit Leben erfüllte. Auf "Twenty" folgten noch sechs "Nachzügler", während "Twenty" mit einem halben Jahr verkauft wurde.

In den ersten Monaten musste "Twenty" von seinem Tier-"Papa" Kaspar Walz fünfmal am Tag gefüttert werden, weil man das Junge seiner Mutter "Dora" wegen Milchmangels wegnehmen musste. Die erste Mahlzeit bekam "Twenty" in aller Herrgottsfrüh um 4 Uhr; die letzte zwischen 22 und 23 Uhr. Sie bestand aus Milch, Reisschleim, Traubenzucker, Kalk und Vitaminen.

Dank der guten Pflege kam "Twenty" rasch zu Kräften. In den ersten Februartagen des Jahres 1962 durfte er sogar einen Ausflug ins Rathaus unternehmen, wo ihn der damalige Bürgermeister Franz Haas empfing. Der Kleine zeigte aber wenig Respekt vor dem Stadt-Vize: Er hinterließ auf dem bürgermeisterlichen Schreibtisch einen kleinen See.

Damit sorgte er für einen bescheidenen Presse-Rummel: Lediglich vier Nürnberger Tageszeitungen und dpa berichteten darüber - weit und breit kein Fernsehen, kein Hörfunk. Die einzige länger anhaltende Erinnerung an "Twenty": er durfte Modell stehen für ein stilisiertes Jubiläumswappen für "50 Jahre Tiergarten" und er war Vorlage für einen offiziellen Briefstempel.
Erich Zwick
07.04.07
neumarktonline: Nürnbergs Knut hieß damals "Twenty"...

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ISSN 1614-2853
18. Jahrgang
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