Im nächsten Jahr "inklusiv"


Der Waldkindergarten soll inklusiv werden

NEUMARKT. Der Waldkindergarten bei Laaber in der Gemeinde Pilsach ist gut in seinen ersten Herbst gestartet. 16 Kinder tummeln sich bei jedem Wetter im Freien.

Künftig soll der Kindergarten inklusiv werden. Deshalb werden Familien gesucht, die sich vorstellen können, ihr Kind mit Handicap ab Herbst 2018 im Waldkindergarten betreuen zu lassen.

Der Kindergarten bei dem kleinen Wäldchen unweit von Laaber soll Kinder, wie jede andere Kindertagesstätte auch, auf die Schule und das Leben vorbereiten. Täglich gibt es von 7.30 bis 13 Programm. Nach dem Morgenkreis wird Brotzeit gemacht, im Anschluss beschäftigen sich die Kinder mit Naturmaterialien. Ihre Projekte können sie dabei selbst auswählen. So werden aktuell kleine Vogelhäuser gebaut.


Demokratie wird grundsätzlich groß geschrieben im Waldkindergarten. So gibt es beispielsweise auch Kinderkonferenzen. Dadurch sollen die Kinder zum aktiven Mitdenken angeregt werden.

Vor allem aber dürfen die Kinder nach Herzenslust im Freien spielen – und dabei auch schmutzig werden. Währenddessen kann man sogar das Rascheln von Laub hören. Denn im Gegensatz zu Gruppenräumen, in denen der Lärmpegel oft sehr hoch ist, verteilen sich im Waldkindergarten die Geräusche über ein großes Areal.

Wenn es doch einmal zu regnerisch oder zu stürmisch ist, nutzen die Kinder einen zum Gruppenraum umgebauten Container. Der sieht derzeit von außen noch ein wenig langweilig aus. Im Inneren jedoch sind die Räume gemütlich eingerichtet. Es gibt eine Garderobe und ein größeres Zimmer für Bastelaktionen und Vorschule, aber auch einfach zum Spielen und Ausruhen. Beheizt wird der Raum mit Gas, im Nebenraum befindet sich eine Komposttoilette. Geplant ist noch eine Solaranlage. Darüber hinaus erhält der Container demnächst eine hübsche Holzfassade.

Personell ist der Waldkindergarten, der von der Lebenshilfe Neumarkt getragen wird, nacheigenen Angaben überdurchschnittlich ausgestattet. Die Erfahrung aus anderen Waldkindergärten zeige, dass die Kinder dort nicht häufiger krank seien als in regulären Kindergärten, "eher im Gegenteil".

Für Bürgermeister Adolf Wolf ist der Waldkindergarten keine Konkurrenz, sondern eine Alternative zum Kindergarten in Pilsach, sagte er. Gerade weil Kinder heute mit Smartphones aufwüchsen und oft zu wenig Erfahrungen in der Natur machten, seien solche Einrichtungen wichtig. Im Waldkindergarten können die Kinder laut Wolf kreativ werden und sich selbst verwirklichen. Wolf zeigte sich erfreut, dass die Lebenshilfe als Träger mit eingestiegen sei.

Auch stellvertretende Bürgermeisterin Ulrike Nißlbeck lobte den Waldkindergarten als Bereicherung für die Gemeinde. „Hier erleben die Kinder ganz intensiv die Jahreszeiten.“

Der Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Neumarkt, Dr. Wilhelm Baur, freute sich darüber, dass der Kindergarten die ersten Wochen so gut gemeistert hat, obwohl das Wetter oft regnerisch war.

Ab Herbst 2018 sollen laut Dr. Baur auch Kinder mit Behinderung dabei sein. Bereits jetzt kooperiert der Waldkindergarten mit der TENE, der Tageseinrichtung der Lebenshilfe für Erwachsene nach dem Erwerbsleben. So besuchen sich Kinder und Senioren regelmäßig gegenseitig und haben viel Freude am generationenübergreifenden Kontakt.

Claudia Lachner ist begeistert, dass der Waldkindergarten nur ein Jahr, nachdem die Idee dazu entstanden war, Realität ist. Ihre erste Bilanz: „Eltern und Kinder sind glücklich – und wir sind es auch.“

Am 29. April nächsten Jahres soll der Waldkindergarten offiziell mit einem Fest eingeweiht werden.
20.11.17
Neumarkt: Im nächsten Jahr "inklusiv"

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