"Neumarkter verdienen es..."


So soll es einmal werden. Diese Grafik stellte die Pressestelle der Stadt zur Verfgung
(Diezinger Architekten GmbH, Adler & Olesch Landschaftsarchitekten GmbH)
NEUMARKT. berraschend deutlich mit 33 zu vier Stimmen entschlo sich am Donnerstagabend der Neumarkter Stadtrat, das Ganzjahresbad zu bauen.

"Weil es die Neumarkter verdienen", hie es von den Befrwortern. Einer der wenigen Gegner malte dagegen ein finanzielles Desaster mit 60 Millionen Baukosten und 3,5 Millionen jhrlichem Defizit an die Wand.

Die von den Experten errechneten Baukosten sollen bei rund 40 Millionen, das jhrliche Defizit nach den gleichen Berechnungen bei etwa 700.000 Euro liegen.


Die heftigste Kritik kam erwartungsgem von Flitz-Stadtrat Johann Gloner, der wenige Tage vor der Stadtratssitzung wegen des geplanten Ganzjahresbades eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen OB Thumann gestellt hatte (wir berichteten).

Er mitraute den vorgelegten Zahlen, sprach von "Verschleierung" und stellte Baukosten in Hhe von 50 bis 60 Millionen Euro sowie jhrliche Defizite von 2,5 bis 3,5 Millionen Euro in den Raum. Die Brger der Stadt mten sich schon einmal auf Gebhrenerhhungen einrichten, meinte er: so knnten die Grundsteuern steigen und Bchereigebhren eingefhrt werden.

UPW-Stadtrtin Pedra Wittmann sprach sich dagegen leidenschaftlich fr das Ganzjahresbad aus, das "genau das richtige Bad am richtigen Ort" sei. Ihrem Stadtrats-Kollegen Gloner unterstellte sie, da er den Neumarktern das Bad nicht gnne. Sie jedenfalls glaube den Experten und konnte fr ihre Fraktion sagen, da die UPW geschlossen dafr stimmen werde - was die dann auch tat.

Vier Gegenstimmen

Neben Gloner stimmten schlielich zwei Stadtrte der CSU und einer der SPD gegen das Ganzjahresbad.

SPD-Stadtrat Gnther Stagat sagte, da er zu den vorgelegten Zahlen "nein" sagen wrde, wenn es sich "um mein eigenes Geld handelt". Er wolle das Projekt "nicht zu Tode reden", aber msse vor einer Entscheidung "im Detail wissen, was fr Kosten auf uns zukommen".

Dr. Johann Prbster (CSU) strte die Grenordnung des Projekt, obwohl er nichts gegen ein Ganzjahresbad habe. Auerdem werde man entgegen der Versprechungen des Oberbrgermeisters "Parkplatzprobleme bekommen".

CSU-Stadtrat Helmut Jawurek outete sich als "groer Fan" eines Ganzjahresbades, hielt aber den Standort fr falsch. Er gab schriftlich eine Erklrung fr seine Ablehnung zur Protokoll, wollte sie aber wegen der fortgeschrittenen Zeit im Stadtrat nicht vorlesen.

33 Stimmen dafr

Alle anderen Stadtrte sprachen sich - manche trotz Bedenken - fr das Millionenprojekt aus.

Karlheinz Brandenburger (SPD) fragte, ob der Oberbrgermeister und der Stadtwerke-Chef ihm "persnlich versichern" knnten, da die vorgelegten Zahlen zu den Baukosten verlsslich sind - "nicht, da es dann 60 Millionen werdn!" Auch das genannte Defizit drfe nicht stark steigen. "Wenn man mir das zusichert, dann stimme ich zu, sonst lehne ich ab", sagte der SPD-Stadtrat. Er stimmte schlielich fr das Projekt.

SPD-Brgermeisterin Gertrud Helinger brach eine Lanze fr das Ganzjahresbad, auch wenn "es mir nicht leicht fllt, wenn wir 40 Millionen ausgeben". Die Investition sei jedoch fr die Stadt zu schultern. Das Problem seien die Betriebskosten - und die seien nach Angaben der Experten in einem akzeptablen Bereich.

UPW-Sprecher Dr. Werner Mmmler warf seinem Flitz-Kollegen Gloner vor, mit dessen Blockade-Einstellung befnde sich die Stadt noch auf dem Stand von 1990. Mmmler sprach sich klar fr das Projekt aus: "Die Neumarkter warten darauf, da wir hier sagen: wir bauen das Bad!"

Johanna Stehrenberg von den Grnen sagte fr sich und ihre Partei-Kollegen, da man den Plnen sehr positiv gegenberstehe. Das Projekt sei zu schultern und komme mit Sicherheit "mehr Neumarktern zugute, als es eine Stadthalle je getan htte"

"Dort sind drei Experten und wir sind 40 Laien", sagte CSU-Fraktionssprecher Markus Ochsenkhn. Er kndigte an, da die Mehrheit der CSU den Plnen zustimmen werde. Die Entscheidung sei berfllig - "wenn nicht heute, werden wir in den nchsten zehn oder 20 Jahren kein vernnftiges Bad bekommen". Allerdings merkte er auch an, da er OB Thumann bei seinem Versprechen beim Wort nehmen werde, als dieser sagte, es werde keine Park-Probleme geben.

SPD-Sprecherin Ursula Plankermann wollte ebenfalls "nicht in die "Kassandra-Rufe" der Projekt-Gegner einstimmen: "Wir verdienen das Ganzjahresbad und ich glaube auch den Zahlen!"

Es sei jetzt einfach Zeit, sich zu entscheiden, sagte auch CSU-Stadtrat Werner Thumann. Er freute sich, da in den jngeren Plnen wieder eine Rutsche aufgetaucht ist, die die CSU immer gefordert habe - "soviel Rechthaberei mu sein".

Das von den Planern vorgestellte Modell eines Ganzjahresbades enthlt Wasserflchen mit einem Umfang von rund 1.276 Quadratmetern. Sie verteilen sich im Erdgeschoss auf ein Familienbecken mit 266 Quadratmetern, darin enthalten eine Grotte, Hantelgriffe, Massagedsen, Bodensprudler, Sprudelliegen, Nackenduschen, ein Strmungskanal, eine Schaukelbucht und Unterwasserscheinwerfer. Ein bergang fhrt in das 100 Quadratmeter groe Sole-Auenbecken. Im Inneren ist im Anschluss an das Familienbecken ein Planschbecken von 50 Quadratmetern Flche mit einer Wassertiefe von 20 bis 40 Zentimetern vorgesehen.

Im weiteren Verlauf folgt im Erdgeschoss ein Kursbecken mit den Ausmaen 12,5 Mal 10 Metern und einem Hubboden zum Verstellen der Wassertiefe. Akustisch abgetrennt schliet sich daran im Erdgeschossbereich ein Sportbecken mit acht Bahnen und einer Lnge von 25 Metern an und die ebenfalls beschlossene 80-Meter-Reifenrutsche, die in einem eigenen Bereich untergebracht ist.

Im Erdgeschoss und im ersten Stock sind Umkleiderume, Verwaltungsrume, Rume fr Vereine und eine Ruhegalerie. Die Saunawelt wird im zweiten Obergeschoss eingerichtet und besteht aus einem Dampfbad, einer Panoramasauna, einer Biosauna, einer Aufgusseventsauna, einer Kelosauna, einem Infinity-Pool, Ruherumen, einer Ruhe- und Kaminlounge sowie einer Terrasse. Auch die Gastronomie fr Sauna und Bad ist im zweiten Geschoss mit untergebracht.


Oberbrgermeister Thomas Thumann, Stadtwerkeleiter Dominique Kinzkofer und Thomas Meier prsentierten bereits im Vorfeld der Stadtratssitzung ein Modell
Foto: Archiv/Franz Janka
25.02.16
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