Schule will Namen ändern

NEUMARKT. Die Erwin-Lesch-Schule will ihren Namen ändern, nachdem der Namensgeber offenbar "stark mit den Nationalsozialisten kooperierte".

Das beschloß jetzt das Schulforum des Sonderpädagogisches Förderzentrums. Man will über den Sachaufwandsträger bei der Regierung der Oberpfalz eine Namensänderung für die Schule beantragen, erklärte Schulleiter Christian Schwab.

Bis ein neuer Name gefunden ist, soll die Schule nur die amtliche Bezeichnung "Sonderpädagogisches Förderzentrum Neumarkt" führen.

Erwin Lesch war seit den 20er Jahren "Hilfsschullehrer" in München. Neben seiner Arbeit als Lehrer und Schulleiter hat er sich wissenschaftlich engagiert und war in der Aus- und Fortbildung von Lehrern aktiv. Im Jahre 1975 wurde der Schule auf Antrag der damaligen Schulleitung der Name Erwin-Lesch-Schule verliehen.

Im Frühjahr 2013 erhielt die Schule einen Vorabdruck eines Fachartikels von Prof. Dr. Ulrich Heimlich (LMU München – Departement für Pädagogik und Rehabilitation) mit dem Titel: Sonderpädagogik in der Nazizeit in Bayern – dargestellt am Beispiel des Münchner Hilfsschullehrers Erwin Lesch. Nach Angaben des Autors wird der Artikel voraussichtlich im Herbst 2013 in der Zeitschrift "Spuren – Sonderpädagogik in Bayern" erscheinen, heißt es in einer Presse-Erklärung der Neumarkter Schule.

Aus dem Fachartikel gehe hervor, dass Erwin Lesch offensichtlich stark mit den Nationalsozialisten kooperierte. So war er an der Abfassung der "Richtlinien für Erziehung und Unterricht in der Hilfsschule" von 1942 beteiligt. An anderer Stelle heißt es, dass Lesch die "Behindertenpolitik der Nazis mitgetragen und dabei geholfen (hat), deren Inhalte öffentlich zu vertreten und an die Hilfsschulkräfte weiterzugeben." So hat er bei den Ausbildungskursen für Hilfsschullehrer, die unter seiner Leitung in den 30er und 40er Jahren stattfanden, den Ausbildungsteil "Allgemeine Erblehre" selbst verantwortet. Die Konsequenzen der Behindertenpolitik der Nazis "in Richtung Zwangssterilisation und Euthanasie" seien Lesch bekannt gewesen.

Die neuen Forschungsergebnisse rücken die bisher bekannten Fakten über die Arbeit Erwin Leschs in ein neues Licht. Die neuen Fakten über Leschs Wirken während der Nazizeit haben die Lehrerschaft des Sonderpädagogischen Förderzentrums Neumarkt stark erschüttert, heißt es in der Mitteilung der Schule.

Die Schulleitung hat unverzüglich den Elternbeirat und den Sachaufwandsträger informiert und im Auftrag der Lehrerschaft eigene Recherchen über die Arbeit Erwin Leschs während der Nazizeit angestellt. Diese Nachforschungen haben die Ergebnisse des Fachartikels von Prof. Dr. Heimlich bestätigt. Darüber hinaus wurden keine Hinweise gefunden, die Erwin Lesch in irgendeiner Weise rehabilitieren könnten.

"Aufgrund der neuen Erkenntnisse über den Namensgeber unserer Schule haben der Elternbeirat, die Lehrerkonferenz und nun auch das Schulforum beschlossen, den Namen Erwin-Lesch-Schule abzulegen", hieß es.

Am 9. Juli wird in einer Sitzung des Kreistagsausschusses der Antrag der Schule beraten.
02.07.13
Neumarkt: Schule will Namen ändern
Telefon Redaktion


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