175 Jahre Krankenhaus


Die St. Anna-Kirche und das "Siechenhaus" auf einem Stich aus dem Jahr 1837

NEUMARKT. Das Neumarkter Klinikum kann auf 175 erfolgreiche Jahre zum Wohle der Bevölkerung Neumarkts, des Landkreises und der Region zurückblicken. Zum Festakt am Freitag hat sich sogar Ministerpräsident Horst Seehofer als Gastredner angesagt.

Auch wenn man den 175. Geburtstg feiert: die wirkliche Geschichte reicht bis weit in das Mittelalter zurück. 1381 wurde in den Geschichtsbüchern Neumarkts erstmals ein Siechenhaus weit vor den Toren der Stadt erwähnt. Ein Siechenhaus war ein spezielles Haus, in dem man die "dahinsiechenden", kranken Menschen zur Isolierung verwahrte, um eine Ansteckung der Bevölkerung zu verhindern. Der Standort dieses Siechenhauses war 700 Meter außerhalb der Stadtmauern an der Straße nach Nürnberg, nur wenige Meter von der St.-Anna-Kirche entfernt. Das Siechenhaus war später auch der Grund für den Bau dieser in Neumarkt sehr populären Kirche. Heilung von ihren Leiden fanden in dem Siechenhaus allerdings wohl nur die Allerwenigsten.

Am 4.März 1831 beschloss der Magistrat der Stadt Neumarkt den Bau eines neuen Krankenhauses. Hintergrund war unter anderem auch der Bau des Ludwig-Donau-Main-Kanals. Schwere Arbeitsunfälle waren bei dieser gefährlichen Baustelle an der Tagesordnung. Um für die Arbeiter eine adäquate Versorgung sicher zu stellen, wurde unter anderem auch das Krankenhaus Neumarkt gebaut.

Am 15.Oktober 1837 wurde das zweigeschossige Gebäude entlang der Nürnberger Straße feierlich eingeweiht, heute beheimatet es unter anderem die EDV-Abteilung des Hauses. zwölf Krankenzimmer, zwei Küchen, ein Bad und einen Operationsraum umfasste das Haus, das bis zu 30 Patienten aufnehmen konnte. Das medizinische Equipment erinnert aus heutiger Sicht mehr an eine Folterkammer: Knochenbrechmaschine, Beinbruchbogen, Eisenhaken, Messingdrahtbogen und Scheren.

Die ärztliche Versorgung übernahmen Ärzte aus dem Stadtgebiet. Bis ins 20. Jahrhundert hinein war die Belegung mehr oder weniger großen Schwankungen überlassen. Starke Belegungen gab es während des Baus der Eisenbahnlinie Neumarkt – Regensburg - und natürlich während der Kriege.

Eine fast 150jährige Konstante in der Geschichte des Neumarkter Krankenhauses waren die barmherzigen Schwestern vom Orden des Heiligen Vinzenz-von-Paul. Seit der Einweihung 1837 – damals mit zwei Schwestern - waren sie für die pflegerische, geistige und sonstige Versorgung der Kranken zuständig. 1986 zogen sich schließlich die letzten Ordensschwestern aus Neumarkt zurück.

Jeweils nach den beiden Weltkriegen war das Neumarkter Krankenhaus an seine Kapazitätsgrenzen angelangt: 1926 wurde ein Anbau zwischen dem bestehenden Gebäude und der St.-Anna-Kirche errichtet, 1952 der sogenannte Rundbau.

Das Jahr 1954 war eine besondere Zäsur: Mit Chefarzt Dr. Hanns Koch wurde erstmals ein Arzt am Krankenhaus fest angestellt; es bedeutete die Umwandlung von einem Beleg- in ein chefärztlich geführtes Krankenhaus. Der Chirurg wirkte fast vier Jahrzehnte und wurde in dieser Zeit eine der prägendsten Personen in der Stadtgeschichte. Nur sechs Jahre später folgte eine Hauptabteilung für Innere Medizin mit Chefarzt Dr. Alfred Hoerauf.

Das zunehmende Bevölkerungswachstum in der Stadt und im Landkreis bedeutete in den 60er und 70er Jahren große bauliche Aktivitäten. Der sogenannte 60er und 70er-Bau prägt im Wesentlichen seit damals das Erscheinungsbild. Dem 70er Bau voraus ging ein Wechsel in der Trägerschaft. Von einem städtischen über einen Zweckverband zwischen Stadt und Landkreis bis hin zur alleinigen Trägerschaft durch den Landkreis Neumarkt.

In den 70er und 80er Jahren folgte eine weitere medizinische Spezialisierung. Die Chirurgie und Innere Medizin wurden in jeweils zwei Hauptabteilungen getrennt, mit der Gynäkologie, Anästhesie und Radiologie entstanden weitere Hauptabteilungen. Diese Weiterentwicklung gipfelte in der Anerkennung als Lehrkrankenhaus der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (1988) und schließlich der Höherstufung in ein Krankenhaus der Schwerpunktversorgung (1993).

Mit dieser Höherstufung ergab sich der Bedarf für die umfassenden Baumaßnahmen zwischen 1995 und 2008. In insgesamt fünf Bauabschnitten wurde mit einem Investitionsvolumen von etwa 85 Millionen Euro das Klinikum erweitert und saniert, um den immer größeren Patientenzahlen gerecht zu werden.

Die Umwandlung in eine kommunale Anstalt des öffentlichen Rechts zum 1.1.2005 bedeutete die rechtliche Verselbstständigung des Kommunalunternehmens. Moderne Leitungs-, Organisations- und Ablaufstrukturen haben seitdem Einzug gefunden. Auch die Etablierung weiterer Hauptabteilungen wurde seitdem forciert.

Im Jahr des 175jährigen Jubiläums blickt das Klinikum Neumarkt auf eine Erfolgsgeschichte zurück, hieß es wenige Tage vor dem Festakt. Aus den Anfängen mit zwei Schwestern und 30 Betten wurde der größte Arbeitgeber im Stadtgebiet mit über 1400 Angestellten. In 13 Hauptabteilungen, vier Organzentren, einer regionalen Stroke Unit, einem regionalen Traumazentrum, dem Muskuloskelettalen Zentrum, einer Belegabteilung, einer Tagesklinik für Schmerztherapie und zusammen mit mehreren Kooperationspartnern werden über 60.000 stationäre und ambulante Patienten jedes Jahr behandelt.

Festakt und Ausstellung

Das Jubiläum begeht das Klinikum Neumarkt mit einem Festakt und einer historischen Ausstellung. Zu dem Festakt für geladene Gäste am Abend des Freitags wird der Bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer als Gastredner erwartet.

Ab Montag nächster Woche wird dann im denkmalgeschützten Altbaubereich eine historische Ausstellung der Öffentlichkeit präsentiert. Zu sehen sein werden historische medizinische Geräte und die Darstellung von Untersuchungs- und Behandlungsmethoden.

Neben Stücken aus dem Klinikfundus haben dazu auch das Stadtarchiv und das Stadtmuseum der Stadt Neumarkt sowie das Burgmuseum Parsberg beigetragen. Alte Fotoaufnahmen, teilweise von ehemaligen Mitarbeitern zur Verfügung gestellt, erlauben Blicke in vergangene Zeiten. Die historische Ausstellung kann bis 18. November besucht werden.

Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 14 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag von 13 bis 17 Uhr.


Das Klinikum heute
29.10.12
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ISSN 1614-2853
17. Jahrgang
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