Vierjährige Wallfahrt


Die Statue des Heiligen Willibald hinter den Gläubigen im Eichstätter Dom.

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Gewiss sind es schon über 1250 Jahre her, dass der heilige Willibald, dessen Fest auf den 7. Juli fällt, unser Bistum Eichstätt gegründet hat. Doch hat dieser Heilige unsere Diözese grundlegend geprägt. "Ich bin mal weg", so lautet der Titel eines Buches eines modernen Autors, der sich auf den berühmten Jakobsweg nach Santigo de Compostella machte. In diesem Buch, das viele begeistert, erzählt er von den körperlichen Strapazen, aber auch von den Selbsterfahrungen und Grenzerfahrungen, die er unterwegs machte.

Da auch Oberpfälzer gerne wallfahren, können sie die Erfahrungen dieses Jakobspilgers durchaus nach empfingen. Doch was könnte uns nicht der heilige Willibald alles an Strapazen, Selbst- und Grenzerfahrungen berichten, die er bei seiner fast vierjährigen Wallfahrt ins heilige Land auf sich genommen hat?

Dennoch, er hat davon berichtet. Kurz vor seinem Tod am 7.7.87 diktierte er einer Nonne im Kloster Heidenheim seine bewegenden Erlebnisse. Er erzählt von seiner Kindheit in Sussex in Südengland und von einer schweren Krankheit als Kind. In seiner Lebensbeschreibung berichtet Willibald auch von seiner umfassenden Bildung im Kloster Waltham, von der Überfahrt nach Europa und von seinem Pilgerweg nach Rom, Konstantinopel und Jerusalem. Wenn selbst heute eine Israelreise ein besonderes Erlebnis ist, um wie viel mehr muss diesen jungen Mann und Mönch seine Pilgerfahrt auf den Spuren Jesu geprägt haben?

Geprägt wurde Willibald aber auch vom benediktinischen Mönchsideal, dem er schon sehr früh in England gefolgt ist und das nochmals 10 Jahre lang auf Monte Cassino in ihm gereift ist. So war dieser Mönch gut vorbereitet für eine weitere noch verantwortungsvollere Aufgabe: Im Auftrag des damaligen Papstes Gregors III. und auf Vermittlung des heiligen Bonifatius wurde er für die Mission in Germanien und auf das Eichstätter Missionsfeld bestellt. Bonifatius war so etwas wie der erste Architekt der Kirche in Deutschland und legte den Grundstock für die bayerischen Bistümer. Dazu konnte er seinen angelsächsischen Verwandten Willibald gut gebrauchen. Beide hielten sich um das Jahr 740 in Eichstätt auf, wo ihnen Graf Suitger einen Besitz schenkte. Dort wurde Willibald auch zum Priester geweiht. Seine Bischofsweihe erfolgte jedoch in Thüringen in Sulzebruggen, vermutlich zuerst für Erfurt, dann aber für Eichstätt.

Bei Domausgrabungen in den Jahren 1972 bis 75 hat man Mauerreste vom ersten kleinen steinernen Dom gefunden, den Willibald dort zusammen mit einem Benediktinerkloster gebaut hat. Zudem gründete der erste Bischof in Heidenheim am Hahnenkamm mit Unterstützung seiner Geschwister Wunibald und Walburga ein Benediktinerkloster, je eins für Männer und für Frauen. Klöster waren damals und auch oft noch Jahrhunderte lang die geistlichen und kulturellen Stützpunkte für die Missionierung und Kultivierung unserer Heimat.

So wurde das "Mal weg sein" Willibalds auch noch fern seiner angelsächsischen Heimat zum Segen für viele unserer Vorfahren. Sein Wagemut und sein starker Glaube, aber auch die Ideale seines Lebens sind auch vielen Gläubigen heute noch Maßstab und Richtschnur.
06.07.12
Neumarkt: Vierjährige Wallfahrt
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