Heizkraftwerk wird gebaut

Professor Dr.-Ing Markus Brautsch informierte den Neumarkter Stadtrat
NEUMARKT. Mit 22 gegen elf Stimmen sprach sich am Mittwochabend der Neumarkter Stadtrat dafür aus, ein Biomasseheizkraftwerk am neuen Standort in Haberslehla zu bauen.
Der Kampfabstimmung waren eine stundenlange Diskussion und Vorträge von Experten vorausgegangen.
Schließlich beschloß die Mehrheit, die Stadtwerke mit den notwendigen Verfahrensschritten zur Errichtung der Anlage sowie eines Fernwärmenetzes zu beauftragen.
Der Grundsatzbeschluß war keine ganz leichte Geburt. Viele Stadträte hatten durchaus ihre Zweifel an der Wirtschaftlichkeit und löcherten die anwesenden Experten mit Detailfragen. Zuvor hatten fachkundige Rechtsberater und Professor Markus Brautsch die Planungen für die neuen Planungen bei Haberslehla in unmittelbarer Nähe zum Tchibo-Logistikzentrum vorgestellt.
Der Stadtwerke-Referent im Stadtrat, Karl-Heinz Brandenburger, machte von einer positiven Abstimmung zu der Anlage kaum verhüllt die Verwirklichung eines Ganzjahresbades abhängig. Optimal wäre es, wenn man mit den Gewinnen aus der Heizanlage die Defizite eines solchen Bades abdecken könne, sagte er.
Der neue Standort bei Haberslehla biete nach Ansicht von Professor Brautsch einige Vorteile: so ist das Grundstück bereits im Besitz der Stadt; die Brennstoffauswahl könne flexibel gehandhabt werden, die Stromvergütungen seien höher und zusätzlich habe man die Möglichkeit zur finanziell lukrativen Direktvermarktung.
Beim jetzt geplanten Heizkraftwerk würde nach dem neuen EEG-Gesetz der Erlös von 12,7 auf 16, 7 Cent pro Kilowattstunde steigen. Es bräuchte außerdem nicht 100 Prozent "Nawaro" (Nachwachsende Rohstoffe), sondern könnte mit einem Mix aus beispielsweise 40 Prozent Nawaro, 50 Prozent Landschaftspflegematerial und zehn Prozent Waldrestholz befeuert werden.
Außerdem stünde der Stadt auch die Direktvermarktung nach dem "Marktprämienmodell" offen - das bei bestimmten Voraussetzungen für den Betreiber einer Kraftwerksanlage noch lukrativer sein könnte.
Gegenüber der Planung von 2011 wird mit den neuesten Plänen etwas weniger Strom und dafür etwas mehr Wärme erzeugt. Die elektrische Leistung liegt demnach bei 3,1 MW (2011: 3,3 MW), die thermische Leistung bei 8,0 MW (7,9 MW), die Netto-Stromerzeugung wurde mit 17.968 (2011: 21.203) MWh pro Jahr, die Wärmekopplung mit 43.891 (39.988) MWh pro Jahr, der "Atro"-Brennstoffbedarf (abhängig vom Brennstofmix) mit 28.392 (23.369) Tonnen pro Jahr angegeben.
Der Nutzungsgrad läge dann im Endausbau bei 53,9 Prozent gegenüber 52,6 Prozent bei den Vorjahresplänen. Professor Markus Brautsch wies aber auf Nachfrage von OB Thomas Thumann ausdrücklich darauf hin, daß dieser Gesamtnutzungsgrad - zum Beispiel durch zusätzliche Wärmekunden - noch deutlich gesteigert werden könne. 80 Prozent seien durchaus möglich.
Rund 17 Millionen Euro wären an Investitionen für das Heizkraftwerk und über 11 Millionen für das Netz notwendig. Das ergäbe bei Kapitalkosten von 1,84 Millionen, verbrauchsgebunden Kosten von 2,86 Millionen, betriebsgebundenen Kosten von einer Million und andererseits Erlösen von 3,5 Millionen Euro Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro pro Jahr.
Die Wärmegestehungskosten am Kraftwerk lägen dann bei 25,4 Euro pro Megawattstunde. Zusammen mit 20,7 Euro Durchleitungskosten pro Megawattstunde ergäben sich Wärmegestehungskosten von insgesamt 46,1 Euro. Ein durchaus attraktiver Preis, wie Brautsch auf Nachfragen von Stadträten sagte.
Burgis und
Lammsbräu scheiden als Wärmekunde des Heizkrafterkes aus. Sie sollen "dezentral" eventuell mit einer Gasturbine versorgt werden - ob privat oder durch die Stadtwerke ist derzeit noch offen - hier würden noch Gespräche laufen, hieß es.
Risiken der Anlage wären bekanntermaßen Brennstoff-Verfügbarkeit und -Preise auf der einen und der Wärmeabsatz auf der anderen Seite. OB Thumann und Stadtwerkedirektor Manfred Tylla wiesen auf aktuelle Gespräche hin, wonach Waldbauern versichert hätten, daß entsprechende Rohstoffe in erreichbarer Nähe genügend vorhanden seien - da sei auch "Luft nach oben".
So habe auch ein Unternehmen aus Batzhausen seine Holzlieferungs-Absichtserklärung vom letzten Jahr erneuert, für die nächsten fünf Jahre 18.000 bis 20.000 "atro"-Tonnen pro Jahr mit einer Option auf weitere fünf oder zehn Jahre zu liefern.
Außerdem stehe man mit den Stadtwerken Landshut in Verbindung, die zusätzlich "landschaftspflegerisches Begleitmaterial" liefern könnten, sagte Tylla.
27.06.12
Neumarkt: Heizkraftwerk wird gebaut