Gedanken zum Fronleichnamsfestvon Dekan Monsignore Richard Distler"Das Geheimnis lasst uns künden", so beginnt ein alter Fronleichnamshymnus, der vom heiligen Thomas von Aquin stammt. Thomas hat mehrere Hymnen zum Fronleichnamsfest geschrieben, das im Jahr 1264 durch Papst Urban IV. für die ganze Kirche eingeführt wurde. Thomas, dieser hochbegabte Theologe, der nahezu das gesamte Wissen der damaligen Zeit beherrschte, bekennt jedoch am Ende seines Lebens: "Was ich geschrieben habe, ist nur Spreu im Vergleich zu dem, was ich in der Hostie geschaut habe" Seine Hymnen zeugen von einer tiefen Frömmigkeit und Hingabe an Christus, den Herrn, der in der Eucharistie, im Zeichen von Brot und Wein unter uns gegenwärtig ist. Genau darum geht es am Fronleichnamsfest. Es ist das Fest vom Leib und Blut Christi. Es geht absolut nicht um eine äußere Schau oder um eine öffentliche Demonstration des Katholischen oder katholischer Verbände und Vereine. An Fronleichnam demonstrieren wir Katholiken vielmehr für den, der mitten in der Welt und mitten in seiner Kirche gegenwärtig ist. Wir zeigen der Welt den Christus, der zwar zur Rechten des Vaters sitzt und doch mitten unter uns lebt. Nach altem Brauch werden bei der Fronleichnamsprozession 4 Altäre besucht. Auch der Segen mit dem Leib Christi in der Monstranz wird in die 4 Himmelsrichtungen erteilt. Das bedeutet: Der Segen, der von Christus ausgeht, soll alle Straßen und Häuser in unseren Städten und Dörfern erreichen. So ist Fronleichnam ein Fest, das niemanden ausschließt, sondern jeden einbezieht und jeden, auch den Zögernden und Kritischen einlädt, nicht abseits zu stehen, sondern sich auf den Herrn der Welt einzulassen. Wer dies tut, der erfährt etwas völlig Neues. Ihm wird eine tiefe Christusbeziehung und Christusfreundschaft geschenkt. Solche Freundschaft befähigt uns dann, uns auch untereinander in eine tiefere Beziehung in Ehe, Familie oder Freundschaften einzulassen und in neuer Form miteinander Kirche zu sein. Wer dieses Geheimnis des Fronleichnamsfestes versteht und es anderen kündet – das Geheimnis lasst uns künden - der merkt plötzlich, dass sein Leben vom Geheimnis Gottes selbst erfasst und getragen wird. Der Ursprung des Fronleichnamsfestes liegt in der Vision einer begnadeten Frau. Es war die Ordensfrau Juliana von Lüttich. In einer nächtlichen Vision sah sie einen dunklen Fleck in der Mondscheibe. Der Mond symbolisiert den Jahreskreis. Sie deutete diese Vision als das Fehlen eines wichtigen Festes im Jahreslauf. Zunächst wurde das Fest nur in Lüttich gefeiert. Doch als der damalige Lütticher Bischof Papst wurde, übertrug er dieses Fest auf die ganze Christenheit. In seiner Bulle "Tansiturus" schreibt er: "Das Fest vom Herrenleib ist eine Vorahnung des Himmels. Dort wird dem zum Vater erhöhten Christus der höchste Lobpreis und die ewige Anbetung zuteil, die wir am Fronleichnamstags auf Erden schon vorwegnehmen dürfen". Darum singt die Kirche an diesem Tag den berühmten Hymnus von Thomas von Aquin: "Lauda Sion": "Lobe Zion deinen Hirten. Dem Erlöser der Verirrten stimme Dank und Jubel an. Lass dein Lob zum Himmel klingen, ihm zu singen hat, kein Mensch genug getan". |