Pflegeschnitt für Kopfweiden


Am Montag wurden die Arbeiten an den Kopfweiden in Sulzkirchen vorgestellt

NEUMARKT. Der Landschaftspflegeverband organisierte den Rückschnitt von zehn uralten Kopfweiden in Sulzkirchen - und stellte nun das Ergebnis vor.

Kopfweiden gehören zur Kulturlandschaft, finden sich im Landkreis Neumarkt aber nur noch an wenigen Stellen. Besonders herrliche alte Exemplare gibt es mitten in der Ortschaft Sulzkirchen: Zehn uralte Kopfweiden stehen hier aneinandergereiht entlang einer feuchten Senke auf einer kommunalen Fläche. Diese mächtigen Bäume drohten aufgrund fehlender Rückschnittmaßnahmen fast schon auseinanderzubrechen.

Der Landschaftspflegeverband organisierte hier nun im vergangenen Winter den Rückschnitt im Rahmen der Landschaftspflege. Landwirte aus Sulzkirchen, denen der Erhalt dieser markanten Baumreihe ebenfalls ein Anliegen war, übernahmen die Pflegearbeiten.

Was heute durch die Landschaftspflege erledigt wird, das geschah früher durch die vielfältige Nutzung dieser Kopfweiden. Weiden sind besonders ausschlagkräftige Gehölze und das Heranziehen von Kopfweiden und die regelmäßige Nutzung gehörtn mit zur bäuerlichen Kultur. Der namensgebende "Kopf" entsteht dabei durch Absägen des Stammes in etwa zwei Metern Höhe; unterhalb der Schnittstelle treibt die Weide dann aus vielen Knospen wieder aus. Diese Schnittstelle verdickt sich dann durch wiederholtes Rückschneiden zum sogenannten "Kopf".

Die besonders biegsamen Neuaustriebe nach einem Rückschnitt waren sehr begehrt für die Korbflechterei. Und in Sulzkirchen sind sie es heute noch, denn mit Michael Hußendörfer gibt es dort einen der letzten Korbflechter im Landkreis. Im ganzen ausgehenden Winter ist er unterwegs und schneidet sich sein Flechtmaterial, aus dem er dann Körbe in alter Handwerkstradition herstellt.

Die Stücke sind sehr begehrt und überhaupt erlebte das Flechten mit Weidenruten in den letzten Jahren eine Renaissance. Die Flechtkurse bei Hußendörfer und auch im Umweltbildungszentrum am Habsberg sind immer restlos ausgebucht und bei den Landschaftspflegemaßnahmen schauen immer wieder Leute vorbei und suchen sich aus dem Schnittmaterial geeignetes Flechtmaterial fürs Hobby zu Hause aus.

Auch im näheren Umfeld von Sulzkirchen bei Oberndorf sowie bei Höfen und Schmellnricht wurden im vergangenen Winter alte Kopfweiden zurückgeschnitten.

Der Landschaftspflegeverband organisiert diese Maßnahmen in enger Abstimmung mit der Höheren und Unteren Naturschutzbehörde. Für die Maßnahmen gibt es Fördergelder vom Freistaat Bayern und von der Europäischen Union, da die Erhaltung der Kopfweiden ein großes Anliegen des Naturschutzes ist. Die alten, dickstämmigen Weiden, wie hier in Sulzkirchen, gehören zu den insektenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas – weit über 100 Käferarten können auf ihnen leben. Die Höhlen in den Kopfweiden haben große Bedeutung für höhlenbrütende Vogelarten, zum Beispiel den Steinkauz. Auch Fledermäuse können in diesen Hohlräumen leben.

Der Landschaftspflegeverband kümmert sich nicht nur um die Pflege der alten Bäume, sondern setzt sich stark für die Neupflanzung ein. Das Besondere dabei ist, dass das Pflanzmaterial direkt von den noch bestehenden alten Kopfweiden gewonnen wird. Von den Kopfweiden werden etwa zwei- bis dreijährige Ruten geschnitten; diese werden dann als sogenannte Setzstangen möglichst tief in den Boden gesteckt. In den ersten Jahren müssen die neugesetzten Pflanzen regelmäßig "aufgeastet" werden, bis sie dann etwa im fünften Jahr erstmals "geköpft" werden.

Wie man neue Kopfweiden heranzieht, ist heute kaum noch bekannt. Ein Spezialist hierfür ist Franz Waldmüller aus Schmellnricht, der zusammen mit dem Landschaftspflegeverband in den letzten Jahren wieder etliche neue Kopfweidenreihen angelegt hat. So wachsen neue Kopfweidenzum Beispiel an den Renaturierungsabschnitten an Sulz und Lach, am neuen Überleitgraben bei der Fuchsmühle oder bei Bachhausen heran.
26.03.12
Neumarkt: Pflegeschnitt für Kopfweiden
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