40 Stunden beten

NEUMARKT. Das sogenannte 40stündige Gebet in der Neumarkter Hofkirche während der Höhepunke des Faschings gibt es schon seit 279 Jahren.

Viele Gläubige nehmen sich gerade in diesen Tagen Zeit für die Betstunden vor dem ausgesetzten Allerheiligsten, wenn stündlich eine Glocke der Hofkirche zum Gebet ruft und zwar am Faschingssonntag von 12 bis 18 Uhr, am Rosenmontag von 9 bis 18 Uhr und am Faschingsdienstag von 9 bis 15 Uhr. Dann beginnt eine feierliche Schlussandacht mit Predigt durch Prof. em. Dr. Antonellus Elsässer.

Die Tradition des 40stündigen Gebets geht zurück auf die Neumarkter Corpus Christi Bruderschaft und auf ihren damaligen Präfekten Dr. Dominikus Fasing. Auf seinem Grabstein bei der Johanneskirche stehen die Worte: "Seine Stiftung in der Hofkapelln ist ein Arznei für alle Seeln. Das Gebet zu vierzig Stunden heilet manche Seelenwunden".

Im Jahr 1733 gründete Dr. Fasing als damaliger Stadtphysikus dieses Gebet und bedachte es mit einer großzügigen Stiftung. Zudem stiftete er für die Hofkirche noch eine wertvolle Monstranz, einen Kreuzpartikel, barocke Evangelistenfiguren für den Fronleichnamshimmel und regte die Anbetung vor dem ausgesetzten Allerheiligsten auch am Allerseelensonntag an. Er war gleichsam der Motor dieser besonderen Verehrung der heiligen Eucharistie in der Stadt, er war aber auch ein Stadt- und Militärarzt in der damaligen Neumarkter Garnison und starb am 8. Dezember 1750.

Nach den großen religiösen Wirren und dem Ende der kalvinisten Herrschaft kam es zu einer neuen religiösen Blüte durch die katholische Gegenreformation. Es wurde die Eucharistie wieder geschätzt, eine intensive Glaubensunterweisung durch die Kapuziner gehalten, die Fronleichnamsprozession wieder eingeführt und die Gebets- und Gottesdiensttradition in der Stadt neu belebt. So kam es 1628 zur Gründung der Corpus Christi Bruderschaft, die sich dann später auch um die Pflege des 40stündigen Gebets annahm.

Die ursprüngliche Form dieses Betens entstand 1529 im Dom zu Mailand. Im Jahr 1674 kam es durch die Kapuziner nach Bayern. Doch schon seit dem 13. Jahrhundert gab es in Rom das 40stündige Gebet als "Wache am heiligen Grab Jesu" zwischen Gründonnerstag und Karsamstag. Das Gebet wurde jedoch vor den Beginn der Fastenzeit gelegt, da es dann mit einer größeren Feierlichkeit abgehalten werden konnte. So war noch im 19. Jahrhundert die Hofkirche an diesen drei Tagen mit Fahnen, Fichtenbäumen und Blumen festlich geschmückt.

Heute zählt die Corpus Christi Bruderschaft etwa 370 Mitglieder. Seit ihrer Gründung sorgte sich die Bruderschaft nicht nur um die Durchführung der Fronleichnamsprozession, sondern auch um die große Karfreitagsprozession in Neumarkt. Die Nachfolgerin ist heute das Passsionspiel, für das jedoch jetzt die Kolpingsfamilie verantwortlich ist.
18.02.12
Neumarkt: 40 Stunden beten
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