Gedanken zum Jahreswechsel

Von Monsignore Richard Distler, Dekan

"Die meisten Deutschen blicken optimistisch ins neue Jahr", so wurde vor kurzem gemeldet. Das Gleiche gelte auch für die Zukunftsperspektiven der deutschen Wirtschaft. Manche wundern sich vielleicht über soviel Optimismus, hat doch die Euro-, die Banken- und die Finanzkrise der letzten Jahre viele erschüttert. Ist der Mensch im Letzten vielleicht doch darauf ausgerichtet, dass all sein Bemühen gut hinausgehen wird und Erfolg hat? Steckt vielleicht in uns allen trotz so manch negativer Erfahrungen die Sehnsucht nach einem bleibenden Glück und nach einer endgültigen Erfüllung? Jeder von uns braucht wohl schon beim Aufstehen an jedem der kommenden 366 Tage ein Stück Optimismus. Denn eine positive Einstellung lässt den Tag eher gelingen und weckt neue Lebenskräfte und neue Ideen.

Ich denke, hinter dieser positiven Grundhaltung vieler Menschen steckt so etwas wie die Freude darüber, dass das Leben ein Geschenk ist und dass wir letztlich das Leben einem anderen, Gott selbst zu verdanken haben. Dennoch, auch wenn viele optimistisch in die Zukunft und ins neue Jahr blicken, keiner weiß, ob er dieses Jahr überlebt. Die Zukunft ist eben trotz optimistischer Einstellung unsicher und unberechenbar, sie ist doppelgesichtig wie ein Januskopf: Sie kann Frohes und Schönes bringen, aber auch da oder dort Unheilvolles. Letztlich ist alles Gnade und Geschenk, vor allem dann, wenn wir das Schöne und genauso gut das Schwere gelassen, gefasst und geduldig hinnehmen und annehmen.

Christen nennen das Gottvertrauen.

Ein Priester und Missionar, der im Nordosten von Argentinien bei den Mapuche-Indianern arbeitet, schrieb mir dieser Tage: "Ich bewundere die Ruhe und Gelassenheit unserer Leute, die nur von ihren Schafen und Ziegen leben. In diesem Jahr sind in den nahen Anden Vulkane ausgebrochen und haben die Weiden mit Asche bedeckt. Aber auch die Trockenheit, die schon ein paar Jahre andauert, hat die Nahrung und die Herden dezimiert. Dennoch leben unsere Indianer gewiss viel gelassener und vertrauensvoller als jene Finanzjongleure bei euch in Europa, die trotz langjähriger riesiger Gewinne keine Verluste erdulden können und sofort mit Panik reagieren".

Ich denke, wir könnten vom Gottvertrauen dieser sogenannten Naturvölker lernen. Eine gesunde Gelassenheit lässt das Leben gelingen und glücken, auch wenn wir mal weniger Geld in der Tasche haben oder die Zukunft ungewiss ist.

Hat uns davon nicht auch die Weihnachtsgeschichte erzählt? Da geht ein junger Mann mit seiner hochschwangeren Frau über hundert Kilometer nach Bethlehem, ohne zu wissen, was auf diese junge Familie zukommt und wo sie Herberge finden kann, letztlich nur in einem unbändigen Gottvertrauen. Solches Gottvertrauen, das vielleicht sogar mehr ist als nur eine optimistische Zukunftsperspektive wünsche ich uns allen für ein gutes und gelingendes neues Jahr 2012.
Von Pfarrer Martin Hermann

Silvester ist kein christlicher Feiertag. Der Name stammt von dem römischen Bischof und Papst Silvester, der am 31. Dezember 335 starb und später zum Heiligen erklärt worden ist. Trotz dieses kirchlichen Bezuges ist es eine gesellschaftliche "weltliche" Festlegung, das Jahr mit dem 31. Dezember enden und mit dem 1. Januar beginnen zu lassen.

Kirchlich gesehen hat das neue Jahr bereits mit dem 1. Advent begonnen und es endet mit dem Ewigkeitssonntag bzw. Totensonntag.

Ebenso beginnt beispielweise auch das jüdische Neujahr viel früher (im September) mit dem "Rosch ha-Schana". Nur wenige wissen, dass der Wunsch nach einem "guten Rutsch" ins Neue Jahr hier seine Wurzeln hat. Der Sprachgebrauch kommt aus dem jiddischen und meint einen "guten Rosch", also einen guten Anfang – und nicht etwa ein unfallfreies Rutschen wo auch immer.

Für uns als Christen ist Silvester eine willkommene Gelegenheit, innezuhalten und Bilanz zu ziehen: Zurückzuschauen auf das vergangene Jahr, sich erinnern an schöne oder auch weniger schöne Ereignisse und persönliche Erlebnisse.

Das Jahresende bietet zudem Anlass, darüber nachzudenken, Vieles nicht als selbstverständlich zu nehmen: Dass wir überhaupt leben, dass wir (meistens) gesund sind, dass wir Menschen haben, die uns lieben und die wir lieben.

Ich persönlich bin für Vieles dankbar: Für Begegnungen und Gespräche, für Verständnis, für erlebte Gemeinschaft, für mache Korrektur. Vor allem aber bin ich Gott dankbar, dass er da war, dass er mich vor Schlimmem bewahrt hat.

Andererseits frage ich mich auch kritisch, was ich mit der mir anvertrauten Zeit gemacht habe – immerhin waren es 365 Tage. Wie viele davon habe ich sinnvoll genutzt, wie viel Zeit habe ich vertrödelt? Wo habe ich Menschen enttäuscht oder gar verletzt? Was kann ich im nächsten Jahr besser machen, was kann ich mir realistisch vornehmen, ohne mich zu überfordern?

Die an Silvester angebotenen Gottesdienste (z.B. 16 Uhr in der Schlosskapelle Woffenbach oder 17.30 Uhr in der Christuskirche Neumarkt) bieten viel Raum, solche oder auch andere Fragen vor Gott zu bedenken, gemeinsam das Abendmahl zu feiern und sich den Segen Gottes auch für die kommende Zeit zusprechen zu lassen.

Zudem findet in der Christuskirche das traditionelle Orgelkonzert in der Silvesternacht um 22 Uhr statt. An der Eule-Orgel spielt Dekanatskantorin Beatrice Höhn weihnachtliche und festliche Weisen sowie besinnliche und heitere Orgelmusik. Auf dem Programm stehen Werke von Johann Sebastian Bach, Zoltàn Gardonyi und Arvo Pärt. Zum Abschluss des Konzertes erklingt Georg Friedrich Händels berühmte "Feuerwerksmusik". Dazwischen werden passende Texte vorgetragen. Das Konzert bei Kerzenschein dauert eine Stunde, der Eintritt ist frei.
30.12.11
Neumarkt: Gedanken zum Jahreswechsel
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