"Glauben und Leben lernen"
Von Pfarrer Martin Hermann
85 junge Menschen konfirmieren in diesem Jahr in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Neumarkt. Das heißt, sie bekräftigen bzw. befestigen ihren christlichen Glauben. Das bedeutet nämlich das aus dem Lateinischen kommende Wort "confirmatio".
In vier verschiedenen Gruppen haben sie sich seit einem dreiviertel Jahr einmal wöchentlich getroffen um sich auf ihren großen Tag vorbereiten. Begonnen hatte das Ganze mit einem erlebnisreichen Konfi-Camp in Münchsteinach im Juli 2010.
Ziel dabei ist es, die Jugendlichen nicht nur für den Tag der Konfirmation fitt zu machen, sondern ihnen viele Hilfestellungen fürs Leben zu geben.
Die Konfirmation ist ein schönes Fest für die Familie, auch über Geschenke freuen sich die Konfirmierten. Wesentlich jedoch ist, was am Vormittag im Gottesdienst geschieht: Die Jugendlichen werden einzeln mit Handauflegung gesegnet, nachdem sie vorher ihre Taufe bestätigt und versprochen haben, als Christen leben zu wollen. Auch die Teilnahme am Abendmahl spielt an diesem Tag eine bedeutende Rolle. Wer konfirmiert ist, darf in Zukunft Pate werden, den Kirchenvorstand mit wählen und verschiedene Ehrenämter und Aufgaben in der Gemeinde übernehmen.
Wie geschieht die Vorbereitung der meist 14-jährigen Jugendlichen für die Konfirmation? Ich denke, früher war ein ausschlaggebender Schwerpunkt das Lernen. Vor allem viele Passagen des Kathechismus standen im Mittelpunkt der Konfirmandenzeit. Heute geht es daneben auch darum, den Glauben ganz praktisch im Leben zu verankern.
Neben Kennenlernen der Gemeinde und des Gottesdienstes gehören z.B. Taufe, Glaubensbekenntnis, Schuld und Vergebung, Abendmahl sowie die 10 Gebote zum festen Bestand des Konfirmandenkurses.
Der wöchentliche Konfirmandenunterricht wird ergänzt durch verschiedene Gemeinde- und Gottesdienst-Praktikas: Kennenlernen der Diakonie vor Ort, Mitarbeit bei der Kinderbibelwoche oder in verschiedenen Kinder- und Jugendgruppen. Auch das Vorbereiten und Mitmachen in Gottesdiensten gehört dazu. Das Konfi-Wochenende in Grafenbuch oder am Habsberg sowie einzelne Konfi-Tage helfen, thematisch in die Tiefe zu gehen, aber auch Gemeinschaft zu erleben, wo Spiel, Spaß und Freude zum Christsein dazugehören. Spezielle Angebote der Gemeindejugend fördern die Begegnung und den Zugang zur jugendlichen Gemeindearbeit.
"Glauben und Leben lernen" heißt auch, sich bewusst machen, dass der christliche Glaube immer mit dem Leben zu tun hat. Mein Glaube macht mich sensibel auch für die Mitmenschen, hat immer auch eine sozial-diakonische Komponente. Es ist für mich ein ganz wichtiger Aspekt in der Begleitung von Jugendlichen, diesen Zusammenhang zu vermitteln.
Ich will niemanden zum Glauben zwingen, aber ich kann den Glauben "meinen" Konfirmandinnen und Konfirmanden schmackhaft machen. Dazu gehört erst einmal Vertrauen untereinander aufzubauen - in einem pubertären Lebensabschnitt besonders wichtig! Dazu gehört auch das Stärken ihres Selbstvertrauens; weil der Wert ihres Lebens nicht von dem abhängt wer sie sind und was sie alles können, sondern weil sie in erster Linie von Gott gewollt und geliebt sind. Ich bin immer wieder erstaunt, wie offen Jugendliche sind, wenn sie merken, sie werden wahrgenommen und ernst genommen so wie sie sind – auch mit ihren Zweifeln und Fragen. Und es freut mich immer wieder, wenn ich sehe, wie sie sich einlassen auf den Konfi-Unterricht und (meist) gerne kommen um "Glauben und Leben zu lernen".
21.05.11
Neumarkt: "Glauben und Leben lernen"