An Grenzen stoßen

Von Dekan Monsignore Richard Distler

In jedem Leben gibt es Höhepunkte, aber auch Tiefpunkte, Glücksmomente und Sternstunden, aber auch Niederlagen. Solche Momente, wo man an Grenzen kennt stößt, kennt auch die Menschheitsgeschichte zur Genüge. Derzeit bildet die Frage nach der Nutzung der Atomenergie eine solche Grenze.

Doch die Grenze zwischen dem Menschmöglichen und dem Menschunmöglichen kann nur Gott überschreiten. Dies zeigt sich in der Menschwerdung Jesu Christi. Diese Grenzüberschreitung wird aber zu einem Glücksfall und zu einer Sternstunde für die ganze Menschheit: Es ist das Wunder der Menschwerdung Gottes im Schoß Mariens. Die Kirche hat diesen glücklichen Moment festgehalten für den 25.März, also genau neun Monate vor Weihnachten.

Dieses sogenannte "Fest der Verkündigung des Herrn" oder "Mariä Verkündigung" wird im Osten und in Rom bereits im 5. und 6. Jahrhundert gefeiert. Die biblische Grundlage ist die Verkündigung des Engels Gabriel an Maria:"Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären. Ihm sollst du den Namen Jesus geben". Mit ihrem berühmten Ja-wort hat Maria die Tür zum messianischen Zeitalter aufgestoßen. Sie ist bereit, die Mutter des Messias zu werden. Oder wie es im Johannesevangelium heißt: "Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt".

Unzählige Mal hat die Kunst diese Verkündigungsszene des Engels an Maria dargestellt, nahezu genial durch einen der Asam-Brüder auf dem Hochaltar der Pfarrkirche in Günching. Dort schreitet Gabriel, eingetaucht im hellleuchtenden göttlichen Licht, in die Kammer Mariens. Die aber weicht etwas scheu zurück, als ob sie das Unglaubliche und Unfassbare gar nicht wahrhaben könnte. Der Engel aber gibt die Antwort: "Denn für Gott ist nichts unmöglich!"

Hier geht es um die Grenzüberschreitung des Göttlichen auf das ganz und gar Menschliche hin und das Ganze nennt man "Offenbarung". Wer jedoch heute nur noch gelten lässt, was im Bereich der menschlichen Erfahrung liegt, verbarrikadiert sich selbst den Zugang zu dieser Sternstunde der Menschheit. Doch wer sich für das zwar dem Menschen Unmögliche und doch für Gott Mögliche der Menschwerdung Gottes öffnen kann, der macht wie Maria die Erfahrung, dass Gott in seiner schöpferischen Macht "groß und unbegreiflich" ist, wie es im Tagesgebet der Festmesse heißt.

So preist die Kirche an diesem Hochfest die Größe Gottes, aber auch die "Größe Mariens", der demütigen Magd des Herrn". Sie wird durch ihre freie Zustimmung zum ersten Tabernakel und zur ersten Christusträgerin der Menschheit. Diesen Lobpreis auf die Muttergottes hat die Kirche in jenes uralte Gebet gefasst, das schon jedes katholische Kind lernt zu beten: "Gegrüßet seist du Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir". Mehr noch: Seit dem 16. Jahrhundert liebt die katholische Christenheit das "Engel des Herrn" Gebet, das drei mal am Tag, am Morgen, um zwölf Uhr mittags und am Abend in Verbindung mit dem Ave-Läuten an diese Sternstunde der Menschheit erinnert.
24.03.11
Neumarkt: An Grenzen stoßen
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