Wichtige "Höhlenbäume"


Unterhalb der Mariahilfkirche wurden auch sogenannte "Höhlenbäume" gefällt


Rauhfußkauze in einer Baumhöhle
Foto: H.Zinnecker
NEUMARKT. Der Neumarkter Landesbund für Vogelschutz ruft die Waldbesitzer auf, die gesetzlichen Vorschriften zum Schutz von Höhlenbäumen zu beachten.

Höhlenbäume sind - zumeist ältere - Bäume, in denen Spechte Höhlen gezimmert haben, oder Höhlungen und Spalten auf andere Weise (zum Beispiel ausgefaulte Astlöcher) entstanden sind. Viele Vogelarten wie die Dohle, die Hohltaube, die meisten Eulenarten oder höhlenbrütende Singvogelarten seien auf diese Baumhöhlen als Brutplätze angewiesen. Das gleiche gelte für einige heimische Fledermausarten wie die Bechsteinfledermaus. Nistkästen könnten natürliche Baumhöhlen nur teilweise ersetzen.

Ohne Genehmigung der Naturschutzbehörde dürfen Höhlenbäume nämlich auch im Rahmen der üblichen forstwirtschaftlichen Nutzung nicht gefällt werden, wenn sich die lokale Population europarechtlich geschützter Arten dadurch verschlechtert. Europarechtlich geschützt sind zum Beispiel alle heimischen Fledermaus- und Vogelarten.

Ob sich eine lokale Population, das heißt der im betroffenen Waldgebiet vorhandene Bestand einer Vogel- oder Fledermausart, verschlechtert, ist eine Frage des Einzelfalles. Wenn ein größerer Baumbestand gefällt wird, in dem etliche Höhlenbäume vorhanden sind, kann sich dies auf die lokale Population einer Art auswirken, vor allem dann, wenn im Umfeld nicht in ausreichender Zahl weitere Höhlenbäume übrigbleiben, heißt es von den Neumarkter Vogelschützern.

Einen Grenzfall, der aus Sicht des LBV genehmigungspflichtig gewesen wäre, bildet die vor kurzem unterhalb der Mariahilfkirche durchgeführte Entnahme einer größeren Zahl von alten Buchen mit Schwarzspechthöhlen, die Brutplatz einer Dohlenkolonie waren. Durch die Entnahme wurden den Tiere ihr Brutplatz entzogen. Zwar seien in der näheren Umgebung noch einige Höhlenbäume verblieben, die aber nicht mehr für die Dohle geeignet sind.

Der LBV begrüßt andererseits, dass der betreffende Waldbesitzer gegenüber der Naturschutzbehörde zugesagt hat, in Absprache mit dem LBV den Verlust an Baumhöhlen durch das Anbringen von Nistkästen zumindestens abzumildern und noch bestehende Höhlenbäume zu markieren, damit diese zukünftig erhalten werden können

Dem LBV geht es aber nicht in erster Linie darum, den Waldbesitzern mit den Folgen eines Gesetzesverstoßes zu drohen. Vielmehr wäre es wichtig, dass die Waldbesitzer den ökologischen Wert von Höhlenbäumen erkennen und sich ihrer Verantwortung für den Schutz der Artenvielfalt bewusst werden. Höhlenbäume bei der Durchforstung stehen zu lassen, sei kein spürbarer finanzieller Verlust, fördere aber die biologische Vielfalt und damit letztlich auch die Gesundheit des Waldbestandes.

Zu solchen Quartierbäumen gehören aber nicht nur Bäume mit Spechthöhlen, sondern zum Beispiel auch Totholzbäume mit abstehender Rinde oder sonstigen Spaltenverstecken. Einige der heimischen Fledermausarten, wie zum Beispiel die Mopsfledermaus, seien fast vollständig auf solche Spaltenverstecke angewiesen.

Stehendes Totholz sei aber auch ganz wichtig für Spechte und andere Vogelarten. Sei keine ausreichendes Angebot an Quartierbäumen vorhanden, könnten diese Arten nicht überleben. Mindestens 50 Tierarten würden in den heimischen Wäldern um derartige Quartiere konkurrieren.

Deshalb wäre es notwendig, einen geeigneten Verbund von 25 bis 30 Bäumen je Hektar aufzubauen. Von solchen Werten ist man in den Forsten der Region allerdings noch sehr weit entfernt. Durch den ständig steigenden Holzbedarf würden geeignete Quartierbäume zudem immer seltener.

Deshalb appelierte der LBV an alle Waldbesitzer, ein ausreichendes Angebot an Spalten- und Höhlenbäumen in ihren Beständen zu erhalten: "Unsere heimischen Fledermaus- und Vogelarten werden es uns danken! Und wer bei einem Spaziergang in der Abenddämmerung den Waldkauz oder den Rauhfußkauz hat rufen hören, wird bestätigen, dass solche Naturerlebnisse nicht mit Geld aufzuwiegen sind", heißt es im Aufruf der Vogelschützer.
11.03.11
Neumarkt: Wichtige "Höhlenbäume"
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