"Gedanken zum Advent"

Von Dekan Richard Distler

"Aufschauen und im Dunkel der Nacht den Stern unseres Lebens entdecken". So las ich es vor kurzem auf einer Weihnachtskarte. Der Advent ist die Zeit des Aufschauens. Oft zieht es uns nach unten. Manchmal sehen wir nur noch schwarz. Wir starren dann nur noch ins Dunkle und Undurchschaubare.

Aber kommen wir so weiter? Aufschauen -- Tiere haben ihren Blick meist auf den Boden gerichtet. Der Mensch aber ist dazu berufen, seinen Blick zu erheben und nach vorne und nach oben zu schauen. Schon vom Blick her ist der Mensch ein Zukunftswesen, ein Wesen, das auf das Neue ausgerichtet ist, auf die Erwartung. Wenn also der Advent die Zeit des Aufschauens ist, worauf warten wir dann? Wen oder was können wir für die Zukunft erwarten?

Viele sehen auch für die Zukunft düster und schwarz. Ist das nicht verständlich für einen, der ziemlich krank ist, der ein Leiden hat oder für solche, die es wirtschaftlich oder beruflich nach unten zieht, bei denen sich Misserfolge und Niederlagen häufen ohne dass ein Ende in Sicht ist?

Unser Spruch auf dieser Weihnachtskarte meint: "Dennoch aufschauen und im Dunkel der Nacht den Stern unseres Lebens entdecken". Es sind Worte voller Hoffnung und Erwartung. Genau darin könnte die Botschaft des Advents stecken. Denn der Advent lädt uns ein, trotz allem Dunkel im eigenen Leben, in unserer Umwelt und in der großen Welt auf das große Licht zu schauen, auf den Stern unseres Lebens. Aber wer ist dieser Stern? Ist es Gott, ist es Christus, ist es der Glaube oder sind es Menschen neben uns? Aber sind nicht auch diese Sterne manchmal dunkel für uns, wenn man sich untereinander nicht versteht oder wenn Gott dunkel oder der Glaube leer geworden ist?

Dennoch: Im Advent wieder neu aufschauen und im Dunkel unserer Nacht ausschauen nach dem großen Stern und nach dem neuen Licht. Keine Angst, das Licht ist da, sagt der Glaube, auch wenn wir es nicht immer sehen. Der Stern steht über uns, sagt der Glaube, auch wenn er nicht immer klar und hell scheint. Aber was ist dann das Entscheidende? Nicht aufgeben, aufbrechen und weitersuchen. Denn oft gibt uns Gott, der große Stern unseres Lebens, ganz kleine Zeichen. Er gibt uns ganz kleine Sterne in die Hand, Sterne, die uns Kraft geben, einen Stern, der uns Mut macht, einen Stern , der uns Hoffnung gibt, einen Stern, der uns die Liebe leben lässt, einen Stern, der uns durch das Dunkel hindurch einen neuen Weg zeigt und der diesen Weg in Jesus sogar mit uns geht.

Ob uns schon einmal solche Sterne geschenkt wurden? Wäre es da nicht gut, manchmal tiefer darüber nachzudenken, zum Beispiel "Am Ende des Tages, wenn die Nacht beginnt", wie es in einem modernen Lied heißt, "denkst du an Menschen, die dir wichtig sind und siehst in deinem Herzen eine Schatztruhe mit Namen von Leuten, die dir wirklich was bedeuten, am Ende des Tages". Wäre das nicht die neue Blickrichtung des Advents: Mal tiefer in uns selbst hineinzuschauen und in uns selbst hineinzuhorchen, auch mit Hilfe von Gebet, Bibel, Glaube und Gottesdienst? Dann aber nicht bei uns selber stehen bleiben, nicht ewig ins Dunkel starren, sondern "aufschauen und im Dunkel der Nacht den Stern unseres Lebens entdecken".
27.11.10
Neumarkt: "Gedanken zum Advent"
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