Keine "Dumping-Mieten"


Sprecher der Firmengruppe Max Bögl und des Projektentwicklers "Multi Development Germany" hatten zu einer "aktuellen Stunde" eingeladen. Am Tisch von links: "Multi Development"-Projektentwickler Gerhard Wittke, Bögl-Geschäftsführer Johann Braun und Bögl-Projektentwickler Christoph Meier


Das Modell des "Neuen Marktes" ist im Rathaus zu besichtigen
NEUMARKT. Die Firma Bögl hat bei einer Pressekonferenz zum "Neuen Markt" noch einmal die Ammenmärchen von "amerikanischen Finanzhaien", von "aggressiven Abwerbungsversuchen" und "Dumping-Mieten" entschieden zurückgewiesen. Außerdem wurden Spekulationen zu den Flächen gerade gerückt.

Zur heftig diskutierten Verkehrsanbindung des "Neuen Marktes" an die Altstadt hielt sich das Unternehmen zurück: Man halte eine "oberirdische Anbindung für Fußgänger und Radfahrer" für richtig. Wie die aber letztlich organisiert wird, ob mit oder ohne Straßentunnel, sei Sache der Stadt, hieß es am Freitag.

Vorwürfe, "Finanzhaie" würden Geld aus Neumarkt ziehen (wir berichteten) und Bögl sei nur ein "Strohmann", bezeichnete das Unternehmen noch einmal als "absurd". Die Unternehmensgruppe Max Bögl sei Bauherr und Investor, Multi Development reiner Dienstleister für Max Bögl. Multi habe weder direkt noch indirekt in das Projekt investiert und dies sei auch für die Zukunft nicht vorgesehen.

Als "ausdrücklich unwahr" wurden bei der Pressekonferenz Spekulationen bezeichnet, Max Bögl oder Multi würde Einzelhändler aus der Altstadt "aggressiv abwerben". Multi führe natürlich konkrete Gespräche mit potentiellen Mietern für die Ankermietflächen. Die werden mit den Sortimenten Unterhaltungselektronik und Lebensmittel belegt und machen etwa 45 Prozent der Gesamthandelsfläche aus - Sortimente also, die in der Altstadt nicht, oder nur unzureichend vorhanden sind.

Es werden zuerst die Ankerflächen mietvertraglich gebunden, anschließend die mittelgroßen und dann die kleineren Flächen, hieß es. Der Grund dafür sind die planerischen Abhängigkeiten, er liegt aber auch darin, dass die mittleren und kleineren Mietinteressenten ohne Kenntnis der frequenz-bringenden Ankermieter und damit auch der Sortimente und Qualitäten in der Regel auch gar nicht zum Vertragsabschluss bereit wären.

Interessenbekundungen liegen auch aus Neumarkt vor, hieß es am Freitag. Gespräche werden aber erst zu einem späteren Zeitpunkt geführt. Dabei werde darauf geachtet, die Philosophie des Vermietungskonzeptes – Ergänzung und Stärkung der Neumarkter Innenstadt – umzusetzen.

Wegen der bundesweiten Aktivitäten von Multi und des dadurch regelmäßigen Kontaktes mit den Expansionsleitern des filialisierenden Einzelhandels sei bei den aufgrund des Vermietungskonzeptes in Frage kommenden Einzelhändlern das Projekt "bekannt": "Die Resonanz ist ausgesprochen positiv".

Die Mär von aggressiven Abwerbungsversuchen entbehre jeder Grundlage. "Insoweit bedürfen auch Unterstellungen von mietfreien Zeiten von bis zu zwei Jahren und Dumping-Mieten keiner weiteren Kommentierung", hieß es am Freitag.

Keine Zweifel hat man an der Seriosität des BBE-Gutachtens. Die Innenstadt-Flächenproduktivität liege bei 4.200 Euro. Die besonders hohe Flächenproduktivität des Unterhaltungselektronikers mit etwa 22 Prozent Flächenanteil am "Neuen Markt" führe zu einer etwas höheren Flächenproduktivität von gemittelt 4.355Euro.

Auf Basis des von Max Bögl und Multi Development vorgelegten Nutzungskonzeptes zu den Einzelhandels- und Gastronomieflächen wurde das Vorhaben im Auftrag der Stadt Neumarkt gutachterlich untersucht, geprüft und bewertet. Die BBE-Handelsberatung, die in den zurückliegenden Jahren alle einzelhandelsrelevanten Untersuchungen für die Stadt Neumarkt erarbeitet hat, empfiehlt im Fazit zur raumordnerischen und städtebaulichen Verträglichkeit, "das Planvorhaben in der empfohlenen Struktur und Dimension zu genehmigen".

Sortimentsschwerpunkte werden Lebensmittel, Unterhaltungselektronik und Bekleidung sein. Dabei werde explizit auf eine Ergänzung der vorhandenen Handelsstrukturen gesetzt, hieß es. Ziel sei es, "Formate" zu etablieren, die in Neumarkt noch nicht vorhanden sind.

Etwa 45 Prozent der Verkaufsfläche sind für Ankermieter mit den Sortimenten Lebensmittel und Unterhaltungselektronik vorgesehen - das seien Sortimente, die in der Altstadt nicht oder deutlich unterrepräsentiert vorhanden seien und bislang zu Kaufverhalten außerhalb der Innenstadt führten. Weitere etwa 33 Prozent der Verkaufsflächen sind mittelgroßen Formaten mit Flächen bis 300 Quadratmetern vorbehalten, etwa 22 Prozent für kleinere Shops.

Max Bögl und Multi Development beabsichtigen, ausschließlich die – bereits der Verwaltung und dem Stadtrat der Stadt Neumarkt auch in ihrer Sortimentszusammensetzung offengelegte – Verkaufsfläche in einem Umfang von etwa 12.500 bis 13.000 Quadratmetern zu errichten. Eine Überschreitung dieser Größenordnung ist nicht vorgesehen. Die – trotz genauer Kenntnis des tatsächlichen Verkaufsflächenumfangs – "wiederholt durch eine Fraktion des Stadtrates" genannten anderslautenden Angaben zur geplanten Verkaufsfläche am "Neuen Markt" entbehren "jeglicher Grundlage und sind unwahr", hieß es am Freitag.

Nach der Konzeptüberarbeitung und der nunmehr vorgesehenen Split-Level-Bauweise konnte die überbaute Grundstücksfläche reduziert werden und damit die Abstandsflächen zu den benachbarten Grundstücken (im Bereich Schwarzachweg / Prälat-Buchner-Straße) wesentlich großzügiger gestaltet werden.

Gegenüber dem gültigen Baurecht für das Fachmarktzentrum Krause und dem ehemals auf dem östlichen Grundstücksteil vorgesehenen Dienstleistungszentrum sind nicht nur die Abstandsflächen deutlich größer, sondern auch die Gebäudehöhen erheblich niedriger ( bis 4,60 Meter, was einer vollen Geschoßhöhe entspricht).

Im Bereich des Schwarzachwegs liegt die Gebäudeaußenkante 15 bis 20 Meter entfernt vom heutigen Fahrbahnbereich, so dass an dieser Stelle ein großzügiger, mit begrünter Anböschung versehener Stadtraum entsteht. Durch die terrassenartige Höhenentwicklung des Gebäudekörpers liegen die Wohngebäude gegenüber der Gebäudeaußenkante im Unteren Erdgeschoss noch einmal um etwa 13 Meter zurückversetzt. Die Traufhöhe der Wohngebäude liege somit lediglich einen Meter höher gegenüber der Krauseplanung, jedoch um etwa 15 Meter zurückversetzt.

Zur Höhenentwicklung im Bereich der Nürnberger Straße wird derzeit durch das für den Städtebau verantwortlich zeichnende Architekturbüro T+T eine Konzeptüberarbeitung vorgenommen, zu der am vergangenen Mittwoch eine Besprechung mit der Verwaltung der Stadt Neumarkt stattgefunden hat. Im jetzigen Planungsstand liegt das oberste Vollgeschoss des Büro-/ Ärztehauses jedoch lediglich 2,90 Meter über der Planung für das Krause-Fachmarktzentrum, für das eine rechtsgültige Baugenehmigung vorliegt.

Im Bereich der Dammstraße wird der Gebäudekörper des Hotels – in Analogie zur Nürnberger Straße und Schwarzachweg – ebenfalls zurückversetzt errichtet, so dass auch hier die Gebäudehöhe sich nicht in einer durchgängigen vertikalen Achse entwickelt. Entgegen der "häufig verbreiteten Meinung" liege die Gesamthöhe des Gebäudekomplexes unterhalb der Oberkante des Hochhauses an der Mühlstraße. Die – für den Betrachter maßgebliche – Traufkante des Hotelgebäudes liegt sogar über sieben Meter niedriger als die Oberkante des Hochhauses.

Hotel

Ausgehend von konkreten Anfragen von Hotelbetreibern für den Standort Neumarkt wurde das Nutzungskonzept für den "Neuen Markt" schon im Zuge der ersten Planungen um das Thema Hotel ergänzt. Da die Planungs- und Vermietungsgespräche derzeit parallel mit verschiedenen potenziellen Betreibern geführt werden, sei eine abschließende Nennung von künftiger Klassifizierung und Zimmeranzahl noch nicht möglich. Die momentan geführten Gespräche gehen aber eher in Richtung von "4 Sternen", da dieses Marktsegment bis dato in Neumarkt noch nicht abgedeckt, die Nachfrage aber besonders im Bereich der größeren Unternehmen mit internationalem Kundenkontakt vorhanden sei.

Verkehrslösungen

Unabhängig vom "Neuen Markt" sei die Verkehrssituation an den beiden Knotenpunkten Unteres Tor und Lammsbräu seit längerem problematisch. Zu den werktäglichen Stoßzeiten sei hier eine große Anzahl an Schülern zu Fuß und mit dem Rad unterwegs, für die Autos entstünden Staus. All dieser vorhandene Verkehr müsste auch ohne "Neuen Markt" anders und besser geordnet werden.

"Uns als Investor und Projektentwickler ist bei der Neugestaltung der öffentlichen Verkehrsflächen am Unteren Tor wichtig, dass eine oberirdische Anbindung für Fußgänger und Radfahrer an die Altstadt erfolgt", hieß es am Freitag von Bögl. Dies heiße parallel auch die Händlerschaft in der Altstadt gut.

Der Fußgänger soll nicht durch eine dunkle Unterführung zwischen Unterem und "Neuem Markt" laufen müssen, noch dazu, wo andernorts wie zum Beispiel in der Ringstraße Unterführungen wieder geschlossen würden. Wie eine oberirdische Anbindung letztlich organisiert wird, ob mit oder ohne Straßentunnel, ist Sache der Stadt, hieß es.

Bei einem "wie auch immer gearteten" Umbau der öffentlichen Verkehrsflächen am Unteren Tor werde der "Neue Markt" keine "Geschenke von der Stadt erhalten, sondern wird wie jeder andere Anlieger auch, im Rahmen der städtischen Satzungen behandelt werden".

Ärztehaus

Nachdem die ersten Planungen der Öffentlichkeit vorgestellt waren, erreichten Bögl mehrere Anfragen für Arztpraxen, hieß es. Dies führte dazu, dass im Zuge der Weiterführung der Planungen die nachgefragten Praxisflächen in die Konzeption integriert wurden, so dass sich nun ein separater Gebäudeteil an der Nürnberger Straße mit eigenem Zugang für die Einmietung verschiedener Ärzte befindet.
26.11.10
Neumarkt: Keine "Dumping-Mieten"
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