Rentner müssen jobben


Ebbe im Portemonnaie: Immer mehr Ältere werden künftig mit
Mini-Jobs ihre Rente aufbessern müssen, warnen die Gewerk-
schaften ver.di und NGG.
Foto: Philipp Schröppel
NEUMARKT. Rentner im Un-Ruhestand: Im Landkreis Neumarkt müssen immer mehr Rentner arbeiten, um über die Runden zu kommen.

Sie sind zum Jobben gezwungen, weil ihre Rente nicht reicht. Darauf haben die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di und die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aufmerksam gemacht. Sie sprechen von einer "alarmierenden Entwicklung" und nennen Fakten: In den vergangenen Jahren habe die Zahl der Rentner mit Mini-Jobs im Kreis Neumarkt um rund 15 Prozent zugenommen.

Schon 2003 verdienten 919 Rentner durch eine geringfügige Beschäftigung dazu. Vier Jahre später gab es bereits 1.052 Renten-Jobber – und damit rund 130 "Senioren-Arbeiter" mehr. Ver.di und NGG berufen sich dabei auf Zahlen der Bundesagentur für Arbeit.

Um diese Entwicklung zu stoppen, fordern die beiden Gewerkschaften die schnelle Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 7,50 Euro pro Stunde. Dieser müsse dann jedoch rasch auf 9 Euro steigen. Nur der Mindestlohn könne künftigen Rentnern ausreichende Altersbezüge sichern.

"Wer als Rentner arbeitet, der macht das in der Regel nicht aus Spaß. Es ist meistens die pure Not, die ältere Menschen dazu zwingt. Sie sind auf den Job neben der Rente schlichtweg angewiesen", sagt Regina Schleser. Die Geschäftsführerin der NGG-Region Nürnberg-Fürth befürchtet, dass die Zahl der Senioren, die von ihrer Rente allein nicht mehr leben können, in den kommenden Jahren drastisch zunehmen werde. "Wer heute schon zu wenig verdient, um über die Runden zu kommen, für den ist das leere Portemonnaie im Alter vorprogrammiert", so Schleser. Die Lohnarmut von heute sei die Altersarmut von morgen.

"Das größte Problem dabei sind Dumpinglöhne. Mit einem viel zu niedrigen Einkommen lässt sich keine existenzsichernde Rente aufbauen. Von einer privaten Altersvorsorge ganz zu schweigen", sagt Alexander Gröbner. Der Geschäftsführer vom ver.di-Bezirk Oberpfalz macht deutlich, dass Vollzeitbeschäftigte ein Einkommen benötigten, das ihnen später auch eine ausreichende Rente sichere.

"Genau deshalb brauchen wir einen gesetzlichen Mindestlohn", erklärt Regina Schleser. Auch eine Mehrheit der Bevölkerung halte einen gesetzlichen Mindestlohn für erforderlich. Dies könne die neue schwarz-gelbe Bundesregierung nicht ignorieren. Der Mindestlohn müsse ganz oben auf der politischen Tagesordnung stehen.

Ver.di und NGG fordern Beschäftigte mit einem Stundenlohn von unter sechs Euro auf, ihre Dumpinglöhne zu melden – per Internet unter: www.dumpinglohn.de.
08.10.09
Neumarkt: Rentner müssen jobben
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