Aus zehn Nationen


Die Jugendlichen beim Friedenskonzert der 7. internationalen Jugendbegegnung in der Philharmonie von Tschenstochau.
Foto:Archiv

Das Plakat der Internationalen Jugendbegegnung.
Von Arnold Graf

NEUMARKT. Die 9. Internationale Jugendbegegnung 2009 der Stadt Neumarkt wurde in Makarska an der kroatischen Riviera mit zehn teilnehmenden Nationen zur bisher größten Jugendbegegnung.

Wer eine Freizeitveranstaltung vermutet, liegt ziemlich daneben. Wer dabei war, hat dies erlebt. Wer nicht dabei sein konnte, dem mögen einige Fakten und Zahlen über die Neumarkter Gruppe und die gesamte Veranstaltung als Grundinformation dienen.

Etwa 35 Stunden verbrachten die 16 Mitglieder der Camerata des OG plus eine Gruppe betreuender und verantwortlicher Erwachsener zusammen mit der siebenköpfigen Delegation aus St. Petersburg und der fünfköpfigen Delegation aus Prag im sehr komfortablen Reiseomnibus, aber eben doch 35 Stunden. Noch einmal 35 Stunden arbeiteten die insgesamt etwa 75 jugendlichen Musiker aus 10 Nationen am musikalischen Programm, auf das sich die meisten zu Hause schon intensiv vorbereitet hatten und das in Einzelteilen und Einzelinstrumenten auch außerhalb der offiziellen Probenarbeit überall im Hause wieder erklang.

Der kroatische Dirigent mit seinem italienischen Namen Tomislav Facini und seine musikalischen Helfer aus den anderen Nationen leisteten hervorragende musikalische Arbeit. Das abschließende Friedenskonzert wurde zu einem musikalischen Höhepunkt mit politischer Aussagekraft, zu einem Erlebnis für Teilnehmer und Gäste.

Der Leiter der Musikschule Makarska, Zeljho Vlaho, hatte klug ein attraktives, freilich auch sehr anspruchsvolles Programm ausgewählt. Der Konzertabend begann – für uns alle etwas ungewöhnlich aber nicht unangenehm – bereits um 19.00 Uhr, und er fand – wiederum ungewöhnlich aber sehr angenehm - als open air statt. Mit dem ersten Stück "Eros onoga svijeta" des kroatischen Komponisten Jakov Gotovac konnte das Orchester, verstärkt durch einen großen Chor und eine folkloristische kroatische Tanzgruppe das sitzende und stehende Publikum bereits für sich gewinnen. Die Zuhörer waren kaum noch auf ihren Plätzen zu halten.

Mit dem Konzert in G für Cembalo und Mandolinen von Antonio Vivaldi schlug das Orchester ganz andere Seiten an und öffnete eine ganz andere Seite der kroatischen Seele. Die zarten Töne des verkleinerten Orchesters mit den erwähnten Solisten erreichten trotz Kindergeschrei und Vogelgezwitscher und gelegentlich vorbeifahrender Autos die Ohren und Herzen der Kroaten wie der natürlich auch anwesenden Touristen.

Der absolute Höhepunkt des Konzerts und zugleich die absolute Herausforderung an das jugendliche und sehr vielfältig gemischte Orchester war freilich Antonin Dvorak mit seiner IX. Sinfonie "Aus der Neuen Welt". Dirigent und Musiker liefen gleichsam zur Höchstform auf und lösten bei den Zuhörern Begeisterungsstürme aus. Der Dirigent strahlte nach der sehr harten Arbeit während der vorausgegangenen Woche, die Jugendlichen genossen zu Recht den nicht enden wollenden Beifall. Eine Zugabe war nicht zu vermeiden. Und mit gutem Sinn für die Situation entschied sich der Dirigent für die Wiederholung des kroatischen Stücks Eros, diesmal ohne Tanzgruppe. Nun war auch das Publikum nicht mehr zu halten und klatschte begeistert zu den Rhythmen mit. Die Stimmung war perfekt.

Wo blieb die politische Komponente der Woche?
Was hatte dies noch mit den Themen "Begegnung der Jugendlichen und Friedensinitiative für die Zukunft Europas" zu tun?
Die Begegnung hat stattgefunden: bei der harten Arbeit, in den lockeren Pausen, beim Schwimmen im noch warmen Meer und sicher auch bei den Umarmungen und mit den Tränen beim Abschied.

Die politische Botschaft schlich sich gleichsam mit der Musik in die Herzen und Gedanken der wohl etwa 500 Zuhörer. Die Musikschule begrüßte die Gäste aus zehn Nationen, der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Makarska, Iwan Iwanda, freute sich über die große Teilnahme und betonte die Bedeutung dieser Initiative in Europa und in seiner Heimatstadt. Stadtrat und Kulturreferent Arnold Graf nutzte die Zeit zwischen Gotovac und Vivaldi zu grundsätzlichen Aussagen.

Er berichtete von den 128.000 Menschen, die während des Krieges vom Neumarkter Lager aus in die Zwangs-Arbeit verteilt wurden. Er schilderte die fast totale Zerstörung der Stadt Neumarkt kurz vor dem Ende des 2. Weltkrieges. Er erzählte von den 38 Baracken, die während des Krieges für osteuropäische Zwangsarbeiter und nach dem Krieg für deutsche Flüchtlinge zur Wohnstätte wurden. Er erinnerte an die 5000 Toten, die in der Kriegsgräberstätte ihre letzte Ruhe gefunden haben. Und er machte mit seinem Schlusswort den Menschen bewusst, dass die Stadt Neumarkt mit dieser Initiative in Neumarkt und in ganz Europa für eine friedliche Zukunft arbeiten wolle.

"Die Musik wird zur Sprache der Verständigung über alle Schmerzen und Grenzen und Vorurteile hinweg werden. Das müssen wir in Europa schaffen. Ich bedanke mich für Ihr Mitwirken und hoffe, dass neben der guten Musik diese politische Absicht nicht untergeht und die jungen Menschen eine friedliche Zukunft in Europa gestalten."

Die in Deutsch gehaltene und von Nada Beuc ins Kroatische übersetzte kurze Rede hat ihre Wirkung nicht verfehlt. Es war absolute Stille auf dem Platz, und in den Gesprächen haben viele ihre Betroffenheit ausgedrückt. Ganz offensichtlich waren die persönlichen Erfahrungen und Erinnerungen an den Krieg in den ehemaligen jugoslawischen Ländern noch sehr lebendig. Und ganz sicher hat das Konzert mit dem kroatisch-nationalen Start, der leisen italienischen Mitte und dem gewaltigen tschechischen Ende "Aus der Neuen Welt" einen guten Rahmen gebildet.

Nun gilt es, die 10. Internationale Jugendbegegnung in Neumarkt vorzubereiten. Sie könnte zu einem großen internationalen, abschließenden Höhepunkt des Jubeljahres 2010 werden.
08.10.09
Neumarkt: Aus zehn Nationen
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