Insel der Seligen ?


Bei der Kripo-Pressekonferenz: POR Thomas Schöniger, PP Hans Junker, KD Alfons Raith und Ltd. PD Josef Heisl.


Die "Häufigkeitszahl" liegt im Landkreis Neumarkt bei 34 - Die
Stadt Regensburg leidet gleichzeitig unter 105 Straftaten pro
1000 Einwohner.
NEUMARKT. Im Raum Neumarkt kamen im letzten Jahr 34 Straftaten auf 1000 Einwohner - weit weniger als in Bayern.

Eine "Insel der Seligen" ist der Landkreis damit zwar nicht unbedingt, doch bei der Präsentation der Kriminalstatistik im Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern/Oberpfalz leuchtete der Raum Neumarkt doch hell auf der Landkarte: Nur der Landkreis Regensburg und der Landkreis Amberg-Sulzbach haben eine geringere Kriminalitätsrate - aber dieser Vergleich hinkt, da die kreisfreien Städte nicht eingerechnet sind.

Die Zahl der im Jahr 2007 im Bereich des Polizeipräsidiums Niederbayern/Oberpfalz erfassten Straftaten ist gegenüber dem Vorjahr auf gleichem Niveau geblieben. Insgesamt wurden 106.235 Straftaten (ohne Verkehrsdelikte) registriert. Dies bedeutet eine geringe Zunahme um 0,1 Prozent oder 67 Fälle gegenüber dem Vorjahr. Im Vergleich ist für Bayern ein Rückgang von 1,0 Prozent zu verzeichnen. Die Fallzahlen haben damit nach dem Wert von 2006 den niedrigsten Stand der letzten zehn Jahre erreicht.

Im Regierungsbezirk Oberpfalz betrug die Zunahme 1,9 Prozent oder 980 Fälle, während die Straftaten im Regierungsbezirk Niederbayern um 679 Fälle (-1,3 Prozent) zurückgingen.

Wie in den Vorjahren beinhalten die statistischen Zahlen auch die von den ehemaligen Grenzpolizeiinspektionen an der Grenze zu Tschechien bearbeiteten Fälle.

Die Kriminalitätsbelastung im Präsidialbereich ist im Jahr 2007 auf 4.584 Straftaten pro 100.000 Einwohner geringfügig gestiegen. Sie liegt aber weiterhin deutlich unter der für Bayern errechneten Häufigkeitszahl von 5.338 Straftaten pro 100.000 Einwohner.

Von den 106.235 erfassten Straftaten konnten 71.561 geklärt werden. Dies entspricht einer Aufklärungsquote von 67,4 Prozent und liegt damit über dem bayerischen Durchschnitt von 64,3 Prozent.

Diebstahl

Insgesamt 31,2 Prozent, also knapp ein Drittel der Gesamtstraftaten, sind dem Diebstahlsbereich zuzuordnen. Hier ist ein geringer Anstieg um 0,2 Prozent (61 Fälle) von 33.085 Fällen im Vorjahr auf 33.146 im Jahr 2007 zu verzeichnen. Bei den einzelnen Deliktsgruppen des Diebstahlsbereiches haben sich keine bedeutsamen Veränderungen ergeben.

Beachtlich ist aber, dass die Ladendiebstähle erneut zurückgegangen sind. So wurden im Jahr 2007 6.579 (-7,1 Prozent) Fälle registriert, im Vorjahr noch 7.081.

Gewaltkriminalität

Die Gewaltkriminalität stagniert seit dem Anstieg im Jahr 2002 auf einem gleichbleibend hohen Niveau. Auch im Vergleich zum Vorjahr ist die Situation nahezu unverändert.

Die Aufklärungsquote im Bereich der Gewaltkriminalität konnte leicht gesteigert werden und liegt mit 85,7 Prozent (Vorjahr 85,1 Prozent). nach wie vor sehr hoch.

Das Segment der Gewaltkriminalität ist geprägt von den gefährlichen und schweren Körperverletzungen. Diese Delikte nehmen etwa vier Fünftel der Gewaltkriminalität ein. Im Vergleich zum Vorjahr ist ein Anstieg um 1,4 Prozent (35 Straftaten) festzustellen. Fast 44 Prozent der Täter gefährlicher und schwerer Körperverletzungen sind unter 21 Jahre alt, wobei männliche Tatverdächtige (über 86 Prozent) dieses Deliktsfeld deutlich dominieren.

Bei den vorsätzlichen Tötungsdelikten wie auch bei den Vergewaltigungs- und Raubdelikten ist ein teilweise deutlicher Rückgang festzustellen.

Straßenkriminalität

Die Straßenkriminalität (also Delikte im öffentlichen Raum) ist 2007 erstmals seit Jahren wieder angestiegen. Die Zahl der Straftaten in diesem Segment mit 20.344 liegt damit auf dem Niveau der Jahre 2001 bis 2004.
Zahlenmäßig schlägt vor allem der Bereich "Sonstige Sachbeschädigung auf Straßen und Plätzen" (Anstieg um 884 Fälle von 2.872 auf 3.756), also der Vandalismus, und "Sachbeschädigung an Kfz" (Anstieg um 429 von 4.854 auf 5.283) zu Buche.

Rauschgiftkriminalität

Nach dem kontinuierlichen Anstieg bis zum Jahr 2005 sank auch im vergangenen Jahr, wie bereits 2006, weiterhin die Zahl der festgestellten Fälle. Im Vergleich zum Jahr 2006 fiel 2007 die Zahl der festgestellten Rauschgiftverstöße um 307 auf 5.966 Fälle, was einem Minus von 4,9 Prozent entspricht. Der Wert liegt damit unter dem des Jahres 2002 (5.991).

Die Veränderung der Altersstruktur der letzten Jahre zeigt ein interessantes Bild. Der Anteil der erwachsenen Tatverdächtigen stieg seit dem Jahr 2003 von 58,6 Prozent auf mittlerweile 73,3 Prozent an. Im selben Vergleichszeitraum verringerte sich dagegen der Anteil der Unter-21-Jährigen von 41,4 Prozent auf 26,7 Prozent.

Die Zahl der Drogentoten hat sich mit 57 Personen (Vorjahr 49) um 16,3 Prozent gegen über dem Vorjahr erhöht und liegt damit über dem Negativrekord des Jahres 1998. Die Statistik des Jahres 2002 wies mit 29 Todesopfern den niedrigsten Wert im Zehn-Jahres-Vergleich aus. Die zahlenmäßige Zunahme bei den Drogentoten von 2006 auf 2007 entspricht tendenziell der Entwicklung in Bayern (+26,7 Prozent) und auf Bundesebene (+7,3 Prozent).

Das Durchschnittsalter der Drogenopfer in Ostbayern lag im Berichtszeitraum bei 30 Jahren bei einer Altersspanne von 19 bis 54 Jahren.

Betrugs- und Wirtschaftskriminalität

Die Statistik 2007 weist in der Wirtschaftskriminalität 2.147 Delikte aus. Dies bedeutet eine deutliche Steigerung um 520 Fälle oder 32,0 Prozent gegenüber dem Jahr 2006.
Neben einer Abnahme bei den Urkundenfälschungen mit -14,7 Prozent (417 Fälle) ist auch ein Rückgang bei den Betrugsstraftaten um 2,7 Prozent (384 Fälle) zu verzeichnen.

Der stärkste Anstieg ist neben der Computerkriminalität mit 12,6 Prozent (88 Fälle) bei den Insolvenzstraftaten mit 41,8 Prozent (41 Fälle) festzustellen.

Kinder- und Jugendkriminalität

Im zurückliegenden Jahr 2007 wurden im Präsidialbereich von den insgesamt 51.986 ermittelten Tatverdächtigen 2.105 (4,0 Prozent) Kinder, 5.710 (11,0 Prozent) Jugendliche und 5.433 (10,5 Prozent) Heranwachsende festgestellt.

Die Unter-21-Jährigen nahmen damit insgesamt einen Anteil von 25,5 Prozent (Vorjahr: 24,4 Prozent) der Gesamttatverdächtigen ein, der höchste Anteil in den letzten 10 Jahren.

Bei den tatverdächtigen Kindern wurde im vergangenen Jahr entgegen dem in den zurückliegenden Jahren festgestellten Abwärtstrend erstmals eine Steigerung um 190 Fälle (9,9 Prozent) festgestellt. Auch bei den Jugendlichen stieg die Tatverdächtigenzahl um 251 (4,6 Prozent). Dagegen konnte bei den heranwachsenden Tatverdächtigen ein Rückgang um 272 (-4,8 Prozent) festgestellt werden, der niedrigste Stand seit 10 Jahren.

Politisch motivierte Straftaten

Innerhalb der politisch motivierten Straftaten nahmen die Delikte im rechtsextremistischen Spektrum ab. Im Bereich der politisch motivierten Straftaten - links - musste eine leichte Zunahme registriert werden.
Im rechtsextremistischen Deliktsbereich wurden 405 Straftaten zur Anzeige gebracht. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang um 19 Fälle (-4,5 Prozent) dar. 276 der 405 Straftaten sind so genannte Propagandadelikte, worunter z. B. das Verwenden des Hakenkreuzes fällt. Der restliche Anteil setzt sich aus 114 sonstigen Straftaten (z.B. Sachbeschädigung, Beleidigung, Nötigung) und 15 Gewaltdelikten zusammen.
Insgesamt konnten 254 der 405 Taten geklärt werden. Dies entspricht einer Aufklärungsquote von 62,7 Prozent.

Eine leichte Zunahme ist bei den Straftaten des linksextremistischen Spektrums auf insgesamt 50 Delikte zu verzeichnen (6 Fälle/+13,6 Prozent). Im Einzelnen setzt sich diese Summe aus 5 Propagandadelikten, 4 Gewaltdelikten und 41 sonstigen Delikten (davon 22 Sachbeschädigungen) zusammen. Die Aufklärungsquote liegt bei 42 Prozent (21 Fälle).

Spektakuläre Fälle

Im vergangenem Jahr war der Aufsehen erregendste Fall das Tötungsdelikt einer 21jährigen Studentin in Passau (wir berichteten). Das Opfer wurde in ihrer Wohnung tot in der Badewanne mit zahlreichen Stichverletzungen im Bauch-, Brust- und Halsbereich aufgefunden. Zwei Bekannte der jungen Frau stachen mit einem Küchenmesser auf sie ein und flüchteten anschließend ins europäische Ausland. In Spanien konnten die 19- und 29-jährigen Männer schließlich festgenommen werden. Zwischenzeitlich wurden die Täter vom Landgericht Passau zu einer neuneinhalbjährigen Jugendstrafe bzw. zu lebenslanger Haft verurteilt.
27.02.08
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