Großes Theater auf kleiner Bühne


Die Marionettenausstellung im Stadtmuseum ist noch bis Jahresende zu sehen.


Aus Holz – und doch voller Leben
NEUMARKT. Sie sind stumm, aus Holz, Pappe, Textil oder Glas – und doch voller Leben: Marionetten. Noch bis zum 31. Januar sind diese faszinierenden Puppen im Stadtmuseum in Neumarkt als Beispiel böhmischer Marionettenkunst zu besichtigen.

Die dortige Ausstellung zeigt mehr als 200 historische Marionetten sowie Originalbühnen und Requisiten aus der Sammlung von Anita und Hartmut Naefe. In der Zeit zwischen 1850 und 1950 entstanden beweisen die bis zu 80 Zentimeter großen Puppen und die kompletten kleinen Theaterbühnen die Vielseitigkeit der böhmischen Marionettenkunst. An einigen der Marionetten können sich die Kinder selber als Puppenspieler probieren.

Die Öffnungszeiten des Stadtmuseums sind von Mittwoch bis Freitag und am Sonntag jeweils von 14 bis 17 Uhr. Auch am 2. Weihnachtsfeiertag ist das Stadtmuseum geöffnet.

Die magische Ausstrahlung des Marionettenspiels fesselt sei je her alle, Kinder und Erwachsene gleichermaßen. Die traditionsreiche Geschichte des Marionettenspiels ist in Böhmen bis heute lebendig erhalten geblieben und wird in dieser facettenreichen Sonderschau zu einem außergewöhnlichen Erlebnis. Dabei reicht die Tradition der wandernden Puppenspieler in Böhmen bis ins ausgehende Mittelalter zurück. Seit dem 17. Jahrhundert hat sie zunehmend an Popularität gewonnen. Zunächst zogen die Puppentheater-Gesellschaften aus Deutschland, aus England und Italien von Dorf zu Dorf, doch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts tauchten zunehmend auch in tschechischer Sprache auftretende Wanderpuppenspieler auf.

Die fahrenden Künstler spielten in erster Linie für Erwachsene und ihr Repertoire setzte sich aus dramatischen Stoffen zusammen, die ursprünglich für menschliche Schauspieler geschrieben worden waren. Als Quelle dienten die Klassiker der Literatur und der Oper sowie der Commedia del Arte. Zu den ältesten und beliebtesten Stücken zählen: "Dr. Faustus" und "Don Juan".

Der Besuch von Marionettentheatern gehörte als fester Bestandteil bei Jahrmärkten und Volksfesten dazu. Nicht selten geriet das Spiel sogar zum sozialkritischen Spott gegen die Herrschenden, wobei man die Lebensweise des einfachen Volkes der Arroganz und Dekadenz der führenden Schichten gegenüberstellte. Märchenstoffe wurden in der Frühzeit des Puppentheaters noch verschmäht.

Das Repertoire an Figuren umfasste daher die klassischen Charaktere wie Königin, König, Großvater und Großmutter, aber auch mystische Figuren wie Tod, Teufel und Zauberer. Das böhmische Puppentheater hatte schon bald seine Serienhelden. Zum einen den Kasperl (tschechisch: Kašpárek), der sich alleine durch sein loses Mundwerk von den übrigen Figuren absetzte. Daneben gab es noch den Vater Spejbl und Sohn Hurvinek, beide Erfindungen des Puppenspielers Josef Skupa, die dann klassische Generationenkonflikte miteinander austrugen.

Erst im ausgehenden 19. Jahrhundert wandelte sich das Puppentheater und das Programm richtete sich zunehmend an jüngere Zuschauer. Der Kasperl wurde vom grotesken Spaßmacher zum lieben, etwas vorlauten kleinen Jungen. Die Ausstellung im Neumarkter Stadtmuseum repräsentiert hinsichtlich der Figuren und der Darstellungen diese Geschichte der Marionettentheater und zeigt gleichzeitig, welches Können und welche Fantasie Puppenbauer und Puppenspieler in ihre Arbeit gelegt haben.
21.12.07
Neumarkt: Großes Theater auf kleiner Bühne
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