Ein "stiller Held"


Erster Justiz-Hauptwachtmeister Otto Paul zeigt Oberbürgermeister Thomas Thumann und Landtags- abgeordnetem Herbert Fischer die im Schreiberhaus eine Bleibe gefundenen Erinnerungsstücke an die Chevauxlegers-Zeit.
Foto: Susanne Weigl
NEUMARKT. Jeder Neumarkter kennt die Heldentat des Torschmieds Veit Jung, der im Jahre 1769 die Stadt unter Einsatz seines Lebens vor der Zerstörung durch österreichische Truppen bewahrte. Wer aber kennt schon Alois Schmid, der ähnlich heldenhaft sein Leben riskierte, um das von acht amerikanischen Kriegsgefangenen am Ende des Zweiten Weltkrieges zu retten?

Ersten Justiz-Hauptwachtmeister Otto Paul ist es zu verdanken, dass dieser "stille Held" nicht in Vergessenheit gerät.

Zur Vorgeschichte: Besagter Alois Schmid diente als Vizewachtmeister und Offiziersstellvertreter bei den Chevauxlegers in Augsburg und war ein hoch dekorierter Kriegsteilnehmer 1914/18. Später verschlug es ihn als Gefängnisoberwachtmeister nach Neumarkt, wo er das Neumarkter Gefängnis im Gebäude des heutigen Amtsgerichts zu betreuen hatte.

Als sich der Zweite Weltkrieg seinem Ende näherte, gehörten acht kriegsgefangene Amerikaner zu seinem "Klientel". Das bekamen Angehörige der Waffen-SS spitz und wollten die Feindesinsassen kurzerhand erschießen. "In meinem Gefängnis wird keiner erschossen", soll er den SS-Leuten mutig entgegengetreten sein. Ehe sie wieder kommen konnten, versteckte er kurzerhand die Gefangenen, bis er sie unversehrt den einmarschierenden US-Truppen übergeben konnte.

"Folgenden Offizieren und Männern hat er zur Flucht aus Deutschland verholfen. Wir möchten Entschädigung für ihn erbitten", schrieb einer der Offiziere, John J. Mc. Carthy, US Army 320 14428, einen Brief an seinen Retter, der auch von den übrigen befreiten GI's unterzeichnet ist. Mit "Entschädigung" hat er vermutlich "Belohnung" gemeint.

Das Dankschreiben im Originalwortlaut in der deutschen Übersetzung: "Ich, John J. Mc. Carthy, möchte, dass alle Amerikaner von der Tatsache in Kenntnis gesetzt werden, dass der Gefängnisverwalter Alois Schmid acht amerikanische Kriegsgefangene beherbergte. Er gab uns dreimal am Tage zu essen, er gewährte uns viele Vergünstigungen, er wagte sein Leben, wenn die Gestapo uns suchte. Wenn jeder, der mit Herrn Schmid zu tun hat, dies liest, so weiß ich, dass sie ihm gerne die größte Hochachtung, Höflichkeit und Güte gewähren. Hochachtungsvoll John J. C. Carthy, USA, 320 14428."

Dieses zu Herzen gehende Schriftstück war lange Zeit unbeachtet geblieben, und in den schwierigen Zeiten des Wiederaufbau mochte auch niemand mehr an die schrecklichen Kriegszeiten erinnert werden. Erst jetzt entdeckte Otto Paul in den Hinterlassenschaften des zwischenzeitlich verstorbenen Alois Schmid dessen Militärpapiere, diverse Orden und eben auch den erwähnten Brief.

Die hochbetagte Tochter des "stillen Helden" stellte die Erbstücke ihres Vaters dem Neumarkter Traditionsverein Chevauxlegers zur Verfügung. Dieser hat jetzt im Schreiberhaus einen Ausstellungsraum erhalten, wo historische Uniformen und Erinnerungsstücke an eine im Jahre 1912 in Neumarkt zu Ende gegangene Epoche der Nachwelt erhalten werden.
Susanne Weigl
15.10.07
Neumarkt: Ein "stiller Held"
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ISSN 1614-2853
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