Landrat ausgezeichnet


Landrat Albert Löhner als Hausherr begrüßt die hochkarätigen Veranstalter und Gäste: Minister Horst Seehofer, DVL-Vorsitzenden MdB Josef Göppel, EU-Kommmissionsdirektor Antonis Constantinou und eine weitere Tagungsteilnehmerin.
Fotos: Erich Zwick

Professor Dr. Hubert Weiger, der Landesvorsitzende des Bund
Naturschutz, mit erhobenem Zeigefinger. Offenbar ermahnt er,
was das Naserümpfen des Zuhörers rechts zu verraten scheint,
Minister Horst Seehofer in Sachen Gen-Manipulation Stärke an
den Tag zu legen.
NEUMARKT. "Landrat Albert Löhner engagiert sich nicht nur mit dem Verstand, sondern auch aus Leidenschaft für den Erhalt wertvoller Kulturlandschaften", nahm Horst Seehofer, der Bundesminister für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz schon einmal mit Worten vorweg, wofür der Angesprochene am Abend mit dem Deutschen Landschaftspflegepreis 2007 sichtbar ausgezeichnet wurde.

Das war der Höhepunkt am Donnerstag des zweitägigen Internationalen Kongresses unter dem Leitgedanken "Vom Wert der Landschaft – Natur als Motor der ländlichen Entwicklung" in der Aula des Landratsamtes, in der "noch nie zuvor eine Tagung dieser Qualität stattgefunden hat", wie Gastgeber Albert Löhner in seiner Begrüßung mit berechtigtem Stolz feststellte.


Im Gespräch: DVL-Vorsitzender Josef Göppel, MdB und der
hochkarätige griechische Experte, Kommissionsdirektor Antonis
Constantinou.
Das außergewöhnliche Treffen an einem hohen kirchlichen Feiertag führte Experten aus acht Staaten der Europäischen Union und Vertreter von OECD und EU zusammen. "Zugpferd" war zweifelsohne Bundesminister Horst Seehofer, der erst im vergangenen Monat zur Eröffnung der "Gartentage" in Neumarkt weilte, wovon er noch bei der Begrüßung durch Oberbürgermeister Thomas Thumann schwärmte.

Ursprünglich hätte auch die EU-Kommissarin für Landwirtschaft und ländliche Entwicklung, Mariann Fischer-Boel, zur Expertenrunde sprechen sollen, aber sie wurde beim G-8-Gipfel in Heiligendamm dringender gebraucht. Für sie sprang – nicht minder kompetent – EU-Kommissions-Direktor Antonis Constantnou in die Bresche.

In seiner Eröffnungsrede gab schon einmal der Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege (DVL), MdB Josef Göppel, die "Marschroute" vor, die auch Landrat Albert Löhner in seinem Grußwort beschritt, was Minister Seehofer zu der Bemerkung veranlasste: "Es ist schon alles gesagt", ehe er dann doch noch zu seiner Rede anhob.

"Das europäische Lebensmodell der Vielfalt braucht lebendige ländliche Räume", hatte Göppel gesagt und gleichzeitig "mehr Freiraum für gemeinsame Initiativen von Kommunalpolitik, Landwirtschaft und Naturschutz" gefordert. Alle bisherigen Erfahrungen hätten gezeigt, dass fachkundiges Regionalmanagement unabdingbar sei, um selbsttragende Prozesse in Gang zu bringen. "Das muss in den Vorgaben für die Mitgliedstaaten verbindlich verankert werden."


Die Internationalität in Neumarkt wurde durch zwei Tagungs-
sprachen – Deutsch und Englisch, jeweils simultan übersetzt –
unterstrichen.
Daher verlangte Göppel auf europäischer Ebene, die Mittel für ländliche Entwicklung deutlich anzuheben. Zehn Prozent des europäischen Haushalts für 70 Prozent der Fläche seien zu wenig. In diesem Zusammenhang forderte Landrat Albert Löhner, "die Leistungen der Bäuerlichkeit neu zu bewerten." Der Strukturwandel, der sich auch im Landkreis Neumarkt vollzogen habe, sei nicht abrupt geschehen, sondern gerade die Landwirte hätten die Region landschaftspflegerisch aufgewertet, so dass sie beispielsweise für den Tourismus interessant geworden sei.

Auch Minister Seehofer betonte in seiner Rede den Wert der Landschaft für die Entwicklung ländlicher Räume. Er appellierte dafür, wieder ganz bewusst den Wert von Natur und Landschaft wahrzunehmen und seine Bedeutung für die ländlichen Räume zu sehen.

"Wirtschaftliche Chancen" für die Landwirtschaft erblickte der Minister auch in den nachwachsenden Rohstoffen. Mit ihnen sei eine "grüne Revolution" eingeleitet worden, die aber auch ihre Gefahren berge. Noch würden nur 13 Prozent der deutschen Ackerfläche (das sind immerhin 1,6 Millionen Hektar) für nachwachsende Rohstoffe herangezogen. Jetzt sei es aber an der Zeit, sich der Fehler bei der Nahrungsmitttelerzeugung zu erinnern. Es müssten Ressourcen geschont werden, "weil es kein Wachstum auf Kosten der Natur geben darf." Ökologische Leistungen müssten daher stärker gefördert werden, was jetzt mit "Flächenprämien" eingeleitet worden sei. Obwohl die Politik "kein Wunschkonzert" sei, müsse man die "Kürzungs-Arie" nach unten stoppen und wieder nach oben fahren.

Aber nicht alle Blütenträume könnten in Erfüllung gehen, mahnte Horst Seehofer, wobei er das Stichwort "Bio-Diesel" nannte. Als Unsicherheitsfaktor nannte er die Besteuerung, die sich irgendwann dem Normalkraftstoff nähern könnte, wenn die Weltmarktpreise für Rohöl dramatisch sinken.

Ähnliche Bedenken äußerte der Minister beim Bio-Gas. Was nützt die schönste Anlage, wenn die Konzerne nicht in ihre Leitungen einspeisen lassen? Daher seien Überlegungen im Gange, Bio-Gasnetze zu fördern, wie es seit Menschengedenken beim Straßenbau oder beim Schienenverkehr gang und gäbe ist.

Zu einem "gemeinsamen Handeln der Akteure im ländlichen Raum zum Nutzen von Natur und hochwertigen Landwirtschaften" forderte Antonis Constantinou, der Direktor für ländliche Entwicklung bei der EU-Kommission auf. Das sei ein "klarer Motor" für die ländliche Entwicklung, um deren Förderung wir uns auch in Zukunft bemühen werden", fasste der Grieche seine Vorstellungen zusammen.

Nach weiteren Fachvorträgen und lebendigen Diskussionsrunden rückte der Gastgeber als "besonders engagierte Person" in den Mittelpunkt. Er erhielt nach Horst Möhring, dem ehemaligen Chef der Agrar-Holding Lenzen (Brandenburg) den Deutschen Landschaftspflegepreis 2007. Den Preis für "innovative Projekte" bekamen der "Riedelhof", Markneukirchen (Vogtlandkreis, Sachsen) und die Dachmarke "Birkenfelder Originale", Veitsrodt (Hunsrück, Rheinland-Pfalz).

In seiner Laudatio hob der Stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Verbandes für Landschaftspflege, Florian Meusel, das Engagement von Landrat Albert Löhner für den Erhalt der bäuerlichen Landwirtschaft hervor. Neben vielen Vermarktungsprojekten, dem BayernNetz Naturprojekt im Tal der Weißen Laaber, der Schule für Dorf- und Landesentwicklung brachte er die Umweltbildungsstation auf dem Habsberg auf den Weg, wo erstmals in Bayern ein Landschaftspflegeverband Träger einer solchen Einrichtung wird.

Die Tagung wird am Freitag fortgesetzt und endet am Nachmittag mit Exkursionen in die Öko-Brauerei Neumarkter Lammsbräu und zur Re-Etablierung einer Schafbeweidung mit Juradistel-Lamm auf dem Wolfstein.
Erich Zwick


Blick in die Aula des Landratsamtes, in der Vertreter aus acht EU-Ländern zwei Tage lang konferieren.
07.06.07
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