"Er ist kein Brandstifter !"


Am Morgen des 9. Dezember 2005: Von dem Sanitätshaus am Weichselsteiner Weg sind nur noch verkohlte Trümmer übrig geblieben.
Archivfoto: Susanne Weigl

Verteidiger Dr. Alois Kölbl bespricht sich mit seinem Mandanten
Martin S. vor Beginn der Hauptverhandlung.
Foto: Erich Zwick
NEUMARKT. Als am 8. Dezember des Jahres 2005 am Weichselsteiner Weg ein Sanitätshaus bis auf die Grundmauern niederbrannte und ein über den Daumen geschätzter Sachschaden von einer halben Million Euro entstanden war, konstatierten die Brandermittler: "Vorsätzliche Brandstiftung wird ausgeschlossen" (wir berichteten). 15 Monate später steht just wegen dieses Delikts der Geschäftsführer und Ehemann der Geschädigten vor der 12. Strafkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem 51 Jahre alten Martin S. vor, das im Eigentum seiner inzwischen von ihm getrennt lebenden Ehefrau Ottilie stehende Gebäude in Brand gesetzt zu haben, das an eine von ihm geführte GmbH vermietet war. Vor der Brandlegung - so die Anklageschrift - soll er in dem Gebäude noch mehrere Schrankfächer aufgebrochen und darin verwahrtes Bargeld entwendet haben, um einen Einbruch vorzutäuschen. Nach dem Brand soll er bei verschiedenen Versicherungen mehrere Geldleistungen zwischen 50.000 und 270.000 Euro kassiert haben.

Am ersten von vier Verhandlungstagen am Donnerstag ist das Zuhörer-Interesse eher gering. Und auf Anregung des Verteidigers Dr. Alois Kölbl schickt das Gericht noch zwei "Schlachtenbummler" vor die Tür, die möglicherweise noch als Zeugen gehört werden sollen. Einer der beiden hatte an den Angeklagten sein Sanitätshaus veräußert, was sich aus der Sicht des Beschuldigten und seiner Ehefrau als Fehlkauf erweisen sollte. Die Ehefrau des Angeklagten ließ sich später als Zeugin zu einer schlimmen Verdächtigung hinreißen, der das Gericht aber (vorerst?) keine Bedeutung beimaß.

Zunächst ließ sich das Gericht den Ablauf jenes 8. Dezember 2005 schildern, der in einem Flammeninferno enden sollte. Der Angeklagte konnte mit einem lückenlosen Alibi den ereignisreichen Tag nachzeichnen, angefangen von einer erfolgreichen Zertifizierung seines Betriebs am Vormittag, weiter über eine interne Feier, in der die frisch erworbene Urkunde "begosssen" wurde, bis hin zu einer Chorprobe in Woffenbach und einem häuslichen Treffen mit seiner in Nürnberg lebenden Tochter, die zu ihm nach Stauf zu Besuch kam, und zu jenem Telefonanruf, in dem ihm ein Nachbar den Brand schonend beibrachte.

Hatte bis dorthin der Angeklagte zwar aufgeregt, aber schlüssig seinen Tagesablauf geschildert, so war's bei der Erinnerung an das unglückselige Telefonat um seine Fassung geschehen. Geschüttelt von Weinkrämpfen konnte er nicht mehr weitersprechen, so dass der Vorsitzende Richter eine Unterbrechung der Sitzung für angebracht hielt. Die Tochter des Angeklagten im Zuhörerraum gab ihm die nötige Fassung zurück.

Seine von ihm mittlerweile getrennt lebende Ehefrau Ottilie (51) bestätigte als Zeugin weitgehend die von ihrem Ehemann gemachten Aussagen. "Unser Lebenswerk ist ruiniert", sei ihr erster Gedanke gewesen, als sie von dem Anruf des Nachbarn am Weichselsteiner Weg erfuhr, der schon einmal das Grundstück hätte kaufen wollen, aber man sich nicht über den Preis einigen konnte. "Als wir an den Brandort kamen, haben wir nur noch geweint und waren geschockt", erinnert sich die um ihre Existenz gebrachte Brandgeschädigte, die jetzt in einem Seniorenheim ihren Lebensunterhalt verdienen muss.

"Wo sind die 270.000 Euro Versicherungssumme dann geblieben?", wollte das Gericht wissen. "Davon habe ich keinen Cent gesehen", sagt die Zeugin, "die hat die Raiffeisenbank zur Deckung der Verbindlichkeiten geschluckt."

Diese Schuldenlast wollte das Paar nach und nach abtragen - ein Sanierer hatte ein erfolgversprechendes Konzept vorgelegt. Die Auftragslage sei gut gewesen, obwohl man mitunter bei der Begleichung von Lieferanten-Rechnungen und bei Lohnzahlungen im Rückstand war. "Aber es ist immer alles bezahlt worden", sagte die Zeugin fast ein wenig trotzig.

Ob ihr Mann zu Kurzschlusshandlungen fähig gewesen sei, wollte der Richter abschließend wissen. Auch diese Frage konnte die Frau kanalisieren: "Mein Mann war immer ein ruhiger, besonnener Mensch - mein Mann ist kein Brandstifter."

Die Verhandlung wird nach einer fast dreiwöchigen Pause am 17. April 2007 um 9.30 Uhr fortsetzt.
Erich Zwick
29.03.07
Neumarkt: "Er ist kein Brandstifter !"
Telefon Redaktion


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