Neumarkter besuchten Bischof


Eine große Delegation mit Landrat Löhner, MdB Karl und Bürgermeister Graf nahm am Neujahrs-
empfang in Eichstätt teil.
Fotos:pde

Bischof Gregor Maria Hanke und Regionalbischof Dr. Hans-Mar-
tin Weiss, Regensburg
NEUMARKT. "Der Ökumene verpflichtet" - Bischof Hanke forderte beim Neujahrsempfang der Diözese Eichstätt mehr staatliche Unterstützung für kirchliche Beratungsstellen. An dem Empfang nahm auch eine starke Delegation aus Neumarkt teil.

(pde) Mehr Anerkennung und staatliche Förderung für die kirchliche Beratung zugunsten des ungeborenen Lebens und der Frauen hat der Bischof von Eichstätt Gregor Maria Hanke angemahnt. Bischof Hanke bat die Christen, die im öffentlichen Leben Verantwortung tragen, sich dafür stark zu machen, dass in dieser Frage in der bayerischen Politik ein Umdenken einsetzt. Während in anderen Bundesländern kirchliche Beratungsstellen mit 80 Prozent bezuschusst würden, erhielten die Beratungsstellen der katholischen Kirche in Bayern bis vor kurzem nichts und neuerdings einen Betrag, mit dem lediglich 10 Prozent der Kosten gedeckt werden können. "Die Sorge für das Leben hat ein Recht auf die Unterstützung des Staates", sagte der Bischof beim Neujahrsempfang, zu dem der Diözesanrat der Katholiken im Bistum Eichstätt eingeladen hatte.

In seiner ersten Ansprache als Bischof bei dem Neujahrsempfang betonte Gregor Maria Hanke, wie sehr er sich dem Auftrag Christi zur Einheit im Glauben verpflichtet sehe. Zugleich bat er die Christen in den Pfarreien, Verbänden und Räten um ihr Engagement in der Ökumene. Dies gelte besonders in einem Bistum mit seiner Diasporasituation, in dem viele Gläubige in ihren Familien hautnah die schmerzliche Seite der Trennung der Kirchen erfahren.

Eine Säule der Ökumene müsse das Gebet sein, so Bischof Hanke: Mit gemeinsamem Beten könne man schon jetzt ein Stück weit die real vorhandenen Grenzen überschreiten. Für den ökumenischen Dialog sei es entscheidend, dass die Partner ihre Identität einbringen. Ohne das Wissen um die eigene Position könne ein echter Dialog nicht gelingen. Unschärfen in der eigenen Identität oder das Verschweigen von Positionen, die dem Gesprächspartner unangenehm sein könnten, verhinderten auf Dauer Früchte. Am Beginn eines jeden wirklichen Dialogs stehe die Kunst des Hörens und die Bereitschaft zur menschlichen Begegnung. "Die wechselseitige Wertschätzung für die individuelle Glaubensgeschichte und für den Weg der Gottsuche sind wir uns als Kinder des einen Vaters schuldig".

In den ökumenischen Bemühungen stoße man immer wieder an schmerzliche Grenzen, stellte der Bischof in seiner Rede fest. So sei mit den protestantischen Christen die gemeinsame Feier der Eucharistie bzw. des Abendmahls nicht möglich, da die Unterschiede in der Eucharistie- bzw. Abendmahlslehre zu gravierend sind. Ökumenische Arbeit verlange aber auch, Spannungen und Differenzen auszuhalten. Sich darüber hinwegzusetzen hieße, "jetzt schon feiern zu wollen, was in der Realität noch nicht gegeben ist". Einheit im Geist der Bitte Jesu wachse nicht "nach Art politischer Koalitionsverhandlungen, die letztlich auf Kompromissformeln basieren".

Der Bischof erinnerte auch daran, wie vielfältig bereits das gemeinsame Engagement katholischer und evangelischer Christen sei, um in gesellschaftliche Fragestellungen und Probleme christliche Aspekte einzubringen. So arbeiteten gerade im Bereich der Ökologie evangelische und katholische Christen seit langem zusammen. Kirchliche Einrichtungen und engagierte Christen gehörten zu den Vorreitern ökologischen Handelns, und viele dieser Initiativen würden in ökumenischer Verbundenheit durchgeführt.

Ökumene im eigentlichen Sinn dürfe den Blick auf das Ganze nicht vergessen. Ökumenische Bemühungen und Erfolge zwischen Katholiken und Protestanten könnten nicht vom theologischen Horizont des christlichen Ostens absehen. Vielleicht sei das gerade von evangelischer Seite noch mehr in den Blick zu nehmen, so der Bischof: Manche Hindernisse im ökumenischen Prozess, die da und dort auf eine vermeintliche Unbeweglichkeit der katholischen Kirche zurückgeführt werden, seien in Wirklichkeit Fragen, die die umfassende Ökumene betreffen.

Einen besonderen Dank sprach der Bischof den Ehrenamtlichen aus: Es sei überwältigend, welches Engagement die Laien in die Kirche einbringen, ob in Verbänden oder Gremien oder bei stillen und unscheinbaren Hintergrunddiensten in den Pfarreien. "Sie geben uns Priestern und allen pastoralen Mitarbeitern ein wichtiges Zeugnis, denn Sie weisen auf eine Wirklichkeit hin, die für jeden kirchlichen Dienst und für jedes kirchliche Amt von Bedeutung ist."

Für einen "Klimawandel" im umfassenden Sinn sprach sich der Vorsitzende des Eichstätter Diözesanrats, Christian Gärtner, beim Neujahrsempfang aus. Er erinnerte in seiner Ansprache daran, dass sich das Bistum Eichstätt bereits seit vier Jahren an dem bundesweiten ökumenischen Projekt des kirchlichen Umweltmanagements beteilige. Für Christen solle es selbstverständlich sein, sich von einem sparsamen und nachhaltigen Umgang "mit den Gaben der Schöpfung" leiten zu lassen.

Gärtner forderte aber auch einen Klimawandel in einem weiteren Sinn. So müsse der Wandel im "Konsumklima" oder "Geschäftsklima" dazu führen, dass dieser nicht an den über vier Millionen Arbeitslosen vorbei gehe. Auch für Familien mit Kindern müsse sich das Klima in der Gesellschaft grundlegend ändern Die Einführung des Elterngeldes sei in diesem Zusammenhang ein Schritt in die richtige Richtung. Es gebe aber unter dem Gesichtspunkt der "Familiengerechtigkeit" nach wie vor dringenden Reformbedarf im Bereich der Sozialpolitik. So müsse sich "unsere alternde Gesellschaft entscheiden, was ihr die Förderung der Familie wert ist, und worauf sie stattdessen zu verzichten bereit ist." Es könne deshalb nicht sein, dass Familien ihre Förderung durch Kürzungen an anderer Stelle selbst bezahlen sollen, wie das in der politischen Diskussion mit der Verknüpfung der Finanzierung von Kinderbetreuungsplätzen mit einer entsprechenden Kürzung beim Kindergeld vorgeschlagen wurde.

Gärtner nahm im weiteren Verlauf seiner Rede das jüngste Urteil des Bayerischen Verfassungsgerichtshofes zum Kopftuch-Verbot für muslimische Lehrerinnen an bayerischen Schulen zum Anlass, einen Klimawandel bezüglich des Zusammenlebens mit den muslimischen Zuwanderern in Deutschland einzufordern. Das Gericht habe richtig erkannt, dass dieses Kopftuch nicht "irgendein Kleidungsstück" sei, sondern ein Symbol der Unterdrückung im Namen des Islam. Allerdings dürfe man seine Energie nicht im Streit um Symbole verschwenden. Viel mehr müsse es darum gehen, die volle Integration muslimischer Schülerinnen in das gesamte schulische Leben sowie deren deutsche Sprachkompetenz zu fördern. Außerdem sei der islamische Religionsunterricht in deutscher Sprache eine "Herausforderung", die noch immer nicht gelöst sei.

Vor dem Neujahrsempfang in der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz – dem heutigen Landratsamt Eichstätt – war im Dom ein ökumenischer Gottesdienst mit Bischof Gregor Maria Hanke und dem evangelischen Regionalbischof Hans-Martin Weiss aus Regensburg gefeiert worden. Weiss warnte in seiner Predigt vor einem künstlichen Optimismus ebenso wie vor einer depressiven Weltuntergangsstimmung. Vielmehr sei es die von Gott kommende Wahrheit, die den Menschen frei mache, die Zukunft "ernst, aber nicht schwarz zugemalt zu sehen".
20.01.07
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