"Zeichen für den Frieden"


Trotz des unwirtlichen Wetters waren viele Bürger jeden Alters zu der Gedenkstunde an der Kriegsgräberstätte gekommen.

Mit einem Friedensgruß in ihrer Muttersprache ehrten die jun-
gen Musiker aus sechs Nationen ihre hier bestatteten Landsleute.
Fotos: Erich Zwick


Konsul Bartlomiej Rosik: "Tief ist die Trauer um die Toten, die
in den Gräbern von Neumarkt bestattet liegen."
NEUMARKT. Der herannahende Winter schickte einen ersten kalten Hauch über die von Fackeln spärlich beleuchtete Kriegsgräberstätte, ein junger polnischer Musiker intonierte astrein das "Il Silencio" in die Nacht und eine große Schar junger und schon betagterer Bürger hatte sich schweigend vor dem Mahnmal postiert, um den Tag "Allerheiligen" einmal ganz anders zu begehen.

Die Idee zu dieser außergewöhnlichen Gedenkfeier hatte Bürgermeister Arnold Graf, der Initiator der Internationalen Jugendbegegnungen, die in diesem Jahr zum sechsten Mal stattfinden. Als prominenter Redner war Konsul Bartlomiej Rosik vom Generalkonsulat der Republik Polen in München eingeladen, der in seiner Ansprache schonungslos die Verbrechen der SS-Einheiten anprangerte, aber gleichzeitig die Feierstunde als "ein Zeichen der Humanität und der Würde gegen die menschenverachtenden Verbrechen und gegen die erlittene Barbarei" wertete.

Der Konsul weiter wörtlich: "Weil durch Denkmalsetzungen wie hier in Neumarkt Orte geschaffen wurden, die dem kollektiven Gedächtnis Festigkeit verleihen sollten, weil es gelingt, die Würde der Toten wieder herzustellen und die vielen Ebenen der Geschichte der Leidenden von damals verstehbar werden, ist auch die Kriegsgräberstätte in Neumarkt ein erfolgreiches Beispiel der Erinnerungskultur der Gegenwart." In diesem Zusammenhang zitierte er den früheren Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker, der formulierte: "Erinnerung heißt, eines Geschehens so ehrlich und wahrhaftig zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Inneren wird. Das stellt große Anforderungen an unsere Wahrhaftigkeit."


Bürgermeister Arnold Graf, der Initiator der Internationalen Ju-
gendbegegnung: "Wir wollen unseren Nachkommen den Frie-
den weiterreichen."


Angehörige der Bundeswehr und der Krieger- und Soldatenka-
meradschaften setzten durch ihr Erscheinen ein "Zeichen des
Friedens".
Einen besonderen Gruß richtete der Gast aus München an die Schüler des Ostendorfergymnasiums und an die Teilnehmer der 6. Internationalen Jugendbegegnung aus Kroatien, Rumänien, Russland, Serbien, Tschechien, Ungarn, Polen - letzteren rief er in ihrer Muttersprache zu: "to Was szczegónie goraco witam, mlodzi goscie Z Polski" -und fuhr fort: "Eure aktive Teilnahme an diesem künstlerischen Projekt baut musikalische Brücken zwischen den einst verfeindeten Völkern des Kontinents und hilft durch die Schönheit Euerer Kunst, zueinander in unserem Europa der Vaterländer zu finden."

Konsul Rosik schloss mit einem Zitat aus einem Gespräch zwischen Premierminister Tadeusz Mauowiecki und dem damaligen Bundeskanzler Helmut Kohl im November 1989 in Warschau: "Deutschland und Polen sind sich ihrer besonderen Verantwortung für eine Politik des Friedens, der Verständigung und der Zusammenarbeit im Interesse der Menschen und der Völker in Europa bewusst."

Und wohl kaum herzlicher hätte er schließen können als mit den Worten: "Ich bin froh und stolz, hier und heute zu Ihnen gesprochen zu haben."

Zuvor hatte sich Initiator und Bürgermeister Arnold Graf bei den Bürgern, bei den Geistlichen Dekan Richard Distler und Pfarrer Ernst Herbert, bei den Vertretern der Soldaten- und Kriegerkameradschaften, bei den Angehörigen der Bundeswehr, bei Landrat Albert Löhner und Oberbürgermeister Thomas Thumann sowie den Stadträten und nicht zuletzt bei den "lieben Jugendlichen aus sieben europäischen Nationen" dafür bedankt, dass sie hier den Toten aus den ehemals verfeindeten Nationen "die Ehre erweisen und vielleicht auch ihre Ehre zurückgeben."

"Ich bedanke mich bei allen, die auf diese Weise bereit sind, Zeichen des Friedens und der Versöhnung zu setzen", sagte Graf. Als "Zeichen des Friedens" nannte er die Anwesenheit der vielen jungen Musiker aus sieben Nationen, das Spiel der polnischen Bläser bei der Gedenkfeier, die Bereitschaft der Vetaranen mit ihren Fahnen auf den Ausländerfriedhof zu kommen, das Mitdenken und Mitgedenken der vielen Neumarkter in dieser Woche der internationalen Jugendbegegnung, die seit 2001 zum sechsten Mal ohne Unterbrechung stattfindet und im nächsten Jahr in Tschenstochau eine Neuauflage erfährt.

"Lassen wir den Zeichen des Friedens Taten des Friedens und der Versöhnung in Europa folgen", rief er aus. "Wir dürfen diesen Frieden seit 60 Jahren genießén. Unseren Nachkommen wollen wir diesen Frieden weiterreichen", lautete seine Botschaft.

Mit dem gemeinsam gebeteten Vaterunser und der Niederlegung zweier Kränze durch den polnischen Konsul Barlomiej Rosik und Landrat Albert Löhner sowie durch Bürgermeister Arnold Graf und Oberbürgermeister Thomas Thumann ging die ergreifende Feier in der Nähe zu 5.049 für einen sinnlosen Krieg bestatteten Toten zu Ende.
Erich Zwick


Das Bläser-Ensemble aus Polen umrahmte die Feierstunde würdig - ein Solotrompeter spielte ergreifend "Il Silencio."
02.11.06
Neumarkt: "Zeichen für den Frieden"
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