Pflanzen aus der Bibel


Der Bibelgarten liegt malerisch an der alten Stadtmauer von
Berching. Herma Dess (r.) und Irmgard Eckart kommen regel-
mig zum Harken und Jten vorbei.
Fotos: pde
NEUMARKT. Was hier wchst, wurde schon in der Bibel erwhnt. Im Berchinger "Bibelgarten" wird nur Kraut geduldet, das auch im Alten oder Neuen Testament einen festen Platz hat. Das Projekt ist so erfolgreich, da sogar ein "Gesellschaft fr Bibelgrten" gegrndet werden soll.

(pde) Wie gut, dass es die Blume auf dem Feld gibt. Jesaja hat sie im Alten Testament erwhnt und der Prophet ermglicht es, dass auch Vergissmeinnicht und Kapuzinerkresse im Berchinger Bibelgarten wachsen drfen. Denn ansonsten gibt es eine strenge Regel: Hier kommen nur Pflanzen in die Erde, die einen festen Platz im Alten und Neuen Testament haben. Also zum Beispiel Zypresse, Bachweide und Ysop. Sie steckten einen Schwamm mit Essig auf einen Ysopzweig und hielten ihn an seinen Mund, so schildert der Evangelist Johannes den Tod Jesu. Als Jesus von dem Essig genommen hatte, sprach er: Es ist vollbracht! Und er neigte das Haupt und gab seinen Geist auf.

Der Garten, der einen ganz neuen Zugang zum Buch der Bcher erffnet, liegt idyllisch zwischen alter Stadtmauer und der Pfarrkirche Mari Himmelfahrt in Berching (Landkreis Neumarkt). Betreut wird er von einer Gruppe begeisterter Hobbygrtnerinnen. Er ist 50 Quadratmeter gro und bietet 35 Pflanzen Platz darunter Feigenbaum, Senfkorn, Tamariske und Olivenbaum. Anlass, den verwilderten Vorgarten vor dem Eine-Welt-Laden in ein blhendes Kleinod zu verwandeln, war das Jahr der Bibel 2003. Die Idee entstand im Kopf, nicht auf dem Papier, erlutert Agnes Kuhn, die 59jhrige Initiatorin des Projekts. Ohne schriftlichen Plan legten die Frauen einfach los.

Doch welche Pflanzen sollten aufgenommen werden? Gut war schon einmal, dass Agnes Kuhn von Beruf Pfarrhaushlterin ist und sich als durchaus bibelfest erwies. Wer sich in der Bibel auskennt, stt fast von selbst auf Palmzweige, Weinstock oder den brennenden Dornbusch. Als zustzliche Hilfe erwies sich ein Bibel-Pflanzenbuch, das die 59-Jhrige von einer Pilgerreise ins Heilige Land mitgebracht hatte.

Rund 230 Pflanzen werden im Alten und Neuem Testament erwhnt, nur ein Bruchteil davon konnte in Berching realisiert werden. Die Auswahl war schwierig, erlutert Irmgard Eckart, die zum Betreuungsteam gehrt. Die Frauen berlegten hin und her: Welche Pflanzen sind geeignet? Was wchst nicht nur im Heiligen Land, sondern auch in der Oberpfalz? Zwei Jahre lang habe ich nach einem Rohrkolben gesucht, erinnert sich Agnes Kuhn. Mehrmals sei sie hinausgefahren in die Prrie - vergeblich. Immer hab ich die falschen Wurzeln erwischt. Doch inzwischen wchst die Schilfpflanze in der kleinen Nasszone des Gartens und erinnert an die Aussage des Matthus-Evangeliums: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen und den glimmenden Docht nicht auslschen, bis er dem Recht zum Sieg verholfen hat. Auch bei der Beschaffung der anderen Gewchse bewiesen die Frauen Phantasie. Die Wegwarte wurde am Straenrand ausgegraben. Fr den Senf wurde zuhause das Gewrzregal geplndert; Senfkrner, die normalerweise einen Sauerbraten verfeinern, wurden kurzerhand ausgest mit Erfolg. Minze und Dill stammen aus den heimischen Grten.

Infos zum Thema

Der Garten ist jederzeit ffentlich zugnglich.
Als Ansprechpartnerin steht Agnes Kuhn unter der Telefonnummer (08462) 905595 zur Verfgung.
Infobltter mit den entsprechenden Bibelzitaten gibt es fr 50 Cent in der Kirche, im Eine-Welt-Laden oder im Tourismusbro.
Die Tour der Stadtfhrerin Herma Dess umfasst ein bis eineinhalb Stunden. Sie ist ber das Tourismusbro der Stadt Berching zu buchen, Telefon (08464) 20513, Fax (08464) 20544, E-Mail: tourismus@berching.de
Inzwischen gibt es durchaus auch andere Bibelgrten in Deutschland, doch damals, 2003, hatte das Berchinger Projekt Vorreiterfunktion. Viele Blumenfreunde holten sich Anregungen. Noch immer kommen Anfragen, etwa von der berhmten Wieskirche in Oberbayern, aus Landshut, sogar aus Amsterdam. Der Garten ist ein beliebtes Ausflugsziel von Pfarreien und Frauenkreisen. Stadtfhrerin Herma Dess ebenfalls im Team aktiv - hat eine Tour entwickelt, die nicht nur die beiden Kirchen des mittelalterlichen Stdtchens, sondern auch den Bibelgarten mit einbezieht. Die Leute sind durch die Bank begeistert, erzhlt die Stadtfhrerin. Sogar in die Doktorarbeit einer Berliner Wissenschaftlerin hat das Projekt Einzug gehalten, demnchst soll eine Gesellschaft fr Bibelgrten gegrndet werden.

Ob bei dieser Tagung eine Vertreterin aus Berching dabei sein wird, ist fraglich. Das Bibelgarten-Team werkelt nmlich viel lieber im Garten anstatt Konzepte zu diskutieren. Die Pflanzen mssen zurckgeschnitten, umgesetzt und gegossen werden. Erst vor kurzem war der Garten erweitert worden, die Arbeit hatte mehrere Monate in Anspruch genommen. Ein Apfelbaum bekannt nicht nur seit Adam und Eva, sondern auch durch das Hohe Lied wurde gepflanzt. Helfer legten rund um den Baum eine Sitzgruppe aus groen Jurasteinen an, so dass eine Ruhezone entstand. Aloe, Lorbeer und Malve kamen ebenfalls neu hinzu.

Eine neu gestaltete Broschre gibt Gsten, die nicht so bibelfest sind wie die Projektleiterin, die entsprechenden Zitate an die Hand. So erfhrt der Besucher, dass selbst einfache Grashalme in der Bibel gro rauskommen: Wenn aber Gott schon das Gras so prchtig kleidet, das heute auf dem Feld steht und morgen ins Feuer geworfen wird, wie viel mehr dann euch, ihr Kleinglubigen! So steht es bei Matthus 6,30. Man kann die Bibel mit neuen Augen sehen, wenn man die entsprechende Pflanze vor sich hat.
01.06.06
Neumarkt: Pflanzen aus der Bibel
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ISSN 1614-2853
15. Jahrgang
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