Bio-Brauer protestieren


Lammsbräu-Chef Dr. Franz Ehrnsperger (rechts), hier zusammen
mit Hubert Weinzierl bei einer anderen Veranstaltung.
NEUMARKT. Die Neumarkter Lammsbräu ist durch einen ersten Freilandversuch mit gentechnisch veränderter Gerste alarmiert ! Bio-Brauer Dr. Franz Ehrnsperger protestiert "gegen jede genetische Manipulation an Pflanzen oder Tieren" und kritisiert die "Politik der Verharmlosung und Vertuschung".

Ende April wurde erstmals in Deutschland ein Freilandversuch mit gentechnisch veränderter Gerste gestartet. Die Universität Giessen hat 5000 Gerstenpflanzen auf zwölf Quadratmetern freigesetzt, um im Rahmen eines Projektes zur "Biologischen Sicherheit gentechnischer Pflanzen" den Einfluss auf nützliche Bodenpilze zu untersuchen. Die Initiatoren gehen davon aus, dass "durch den Anbau dieser gentechnisch veränderten Pflanzen der Pestizideinsatz bzw. Düngemitteleinsatz deutlich verringert werden kann" (so die Pressemitteilung der Uni Giessen). Darüber hinaus soll die gentechnische Veränderung dazu führen, "dass sich die Gerste bei der Futtermittelherstellung bzw. das Gerstenmalz beim Brauen besser verarbeiten lässt", so das für die Genehmigung zuständige Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit.

Die Neumarkter Lammsbräu, Deutschlands führende Biobierbrauerei, stellt sich mit aller Deutlichkeit gegen jede genetische Manipulation an Pflanzen oder Tieren, hieß es am Montag in einer Presse-Mitteilung der Brauerei. Gen-Mais wird seit 2006 erstmals in Deutschland kommerziell angebaut. Die Gen-Versuche mit Gerste alarmieren die Biobrauer aus der Oberpfalz nun in besonderem Maße. Gerste ist neben Wasser, Hopfen und Hefe der wichtigste Rohstoff zum Bierbrauen. Dr. Franz Ehrnsperger, Inhaber der Neumarkter Lammsbräu: "Die Gentechnik gefährdet den ökologischen Landbau. Darüber hinaus sind die Risiken und langfristigen Auswirkungen auf Mensch und Umwelt nicht untersucht. Und wir wissen aus den bisherigen Einsätzen von gentechnisch veränderten Pflanzen, dass Unkräuter Resistenzen bilden können und dass damit doch wieder mehr Pestizide eingesetzt werden. Schließlich lassen sich genetische Eingriffe nicht kontrollieren, die Folgen für Mensch und Natur sind nicht abschätzbar."

10 Argumente

  • Mit transgenen Pflanzen werden erstmals durch den Menschen neue Lebensformen geschaffen. Wie jede Pflanze haben auch diese den natürlichen Drang sich so weit wie möglich zu vermehren. Es gibt keinen Grenzen für die Ausbreitung!
  • Gentechnik gefährdet den ökologischen Landbau. So finden z.B. durch Pollenflug ungewollte Auskreuzungen statt.
  • Der Pestizideinsatz wird mittelfristig durch Gentechnik eher steigen als sinken! Der Grund: Die Unkräuter bilden Resistenzen, wie Beispiele aus den USA zeigen.
  • Wir können genetische Eingriffe nicht kontrollieren! Weder der Ort, wo das Gen eingebaut wird, noch die Anzahl der eingebauten Kopien noch die Wechselwirkungen mit anderen Genen können gezielt gesteuert werden.
  • GMO (gentechnisch veränderte Organismen) verfügen z.T. über ein für Insekten giftiges Protein. Damit können auch Nützlinge in der Landwirtschaft geschädigt werden.
  • Über Futtermais für Tiere und Enzyme nehmen wir bereits indirekt GMOs in uns auf. Den Einfluss von GMOs auf Organfunktionen bei Tieren hat man bereits nachgewiesen. Was das für den Menschen bedeutet, weiß niemand.
  • Weltweit kontrollieren nur ca. sechs Konzerne den GMO-Saatgutmarkt. Mit kurzfristigen "Erfolgen" und Knebelverträgen bringen diese die Landwirte in ihre Abhängigkeit. Die Bauern können z.B. nicht mehr selbst entscheiden, welches Saatgut sie aussäen.
  • Genechnik kann nicht den Welthunger stillen! Viel mehr werden ganze Agrarwirtschaften in Abhängigkeitsverhältnisse gebracht, gleichzeitig sterben heimische Sorten aus.
  • 70 Prozent der Bürger in Deutschland und der EU wollen keine Gentechnik auf ihrem Teller und ihrem Glas!
  • Und das vielleicht alle überragende Argument: Nur die Schöpfung selbst ist berechtigt, neue Lebensformen zu schaffen, nicht aber der Mensch.
Quelle: Neumarkter Lammsbräu
Bezeichnend sei der offensichtliche Widerspruch in den öffentlichen Stellungnahmen der beteiligten Institute und Behörden. Auf der einen Seite wird argumentiert, der Freilandversuch diene ausschließlich Forschungszwecken. Auf der anderen Seite wird von einer "besseren Verarbeitung des Gerstenmalz beim Brauen" gesprochen. Hier deute sich ein großflächiger Anbau transgener Gerste an. Sollte dieses Szenario Realität werden, erwartet die Neumarkter Lammsbräu nicht nur eine weitere Gefährdung der mittelständischen Brauwirtschaft, sondern auch eine Umwälzung der gesamten Landwirtschaft in Deutschland. "Über Jahrhunderte sind in Deutschland bäuerliche Strukturen gewachsen. Sie prägen unsere Kulturlandschaften von denen alle Menschen profitieren. Mit dem Einzug transgenen Getreides geraten auch unsere Bauern, so wie es in vielen anderen Ländern bereits zu beobachten ist, in die langfristige Abhängigkeit weniger Saatgut-Konzerne. Was über lange Zeit gewachsen ist, wird in kurzer Zeit zunichte gemacht."

Die Neumarkter Lammsbräu kritisiert darüber hinaus die "Politik der Verharmlosung bzw. Vertuschung, die von allen am Freilandversuch Beteiligten betrieben wird". So wird behauptet, genetisch veränderte Gerste "habe keine unerwünschten Auswirkungen auf Menschen und Umwelt". Allein der in der Geschichte der Evolution einmalige Vorgang, dass sich eine nicht von der Natur, sondern vom Menschen geschaffene neue Lebensform ausbreiten kann, stellt einen erheblichen Eingriff in die Umwelt dar. Die Folgen für den Menschen sind zum heutigen Zeitpunkt noch gar nicht abschätzbar.

Wenn darüber hinaus die ureigenste Beschreibung des ökologischen Landbaus - die Nachhaltigkeit - zur Beschreibung der möglichen positiven Auswirkungen der transgenen Gerste verwendet wird ("Die Giessener Gerste ist … besonders geeignet, um unter den Bedingungen einer nachhaltigen Bewirtschaftung … hervorragende agronomische Eigenschaften zu entfalten"), dann werde der Verbraucher "vollständig für dumm verkauft".

Seit über 25 Jahren bestehe zwischen rund 100 ökologischen landwirtschaftlichen Betrieben und der Neumarkter Lammsbräu eine enge Partnerschaft. Sie garantiere ökologische Rohstoffe auf höchstem Niveau bei gleichzeitigem Schutz der Umwelt und eine weitestgehenden wirtschaftlichen Sicherheit für die Bauern. Das sei Nachhaltigkeit. Auch in Zukunft werde es in den Biobieren der Neumarkter Lammsbräu keine gentechnisch veränderten Substanzen geben. Franz Ehrnsperger: "Es besteht nicht die geringste Notwendigkeit für gentechnisch veränderte Gerste. Die Natur liefert uns alles, was wir für ein hervorragendes Bier brauchen."

Die Neumarkter Lammsbräu unterstützt verschiedene regionale und bundesweite Initiativen zur Vermeidung einer Ausdehnung der gentechnisch veränderten Organismen (GVO). Dabei schließt sich die Lammsbräu auch der Kritik der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft an. Annemarie Volling, sie koordiniert die Gentechnikfreien Regionen in Deutschland, kritisiert: "Der Freisetzungsversuch von transgener Gerste trägt weniger die Handschrift der Biosicherheitsforschung, sondern vielmehr der Produktentwicklung. Hiervon werden allein multinationale Saatgut-Konzerne profitieren. Die begrenzten Steuermittel, die hierfür eingesetzt werden, sollten vielmehr praxisrelevanteren Fragestellungen wie der Langzeitbeobachtung bei bereits ausgesätem GV-Mais oder der toxikologischen Wirkung in Futtermitteluntersuchungen dienen.".

Es gäbe keine Notwendigkeit für gentechnisch verändertes Getreide. Der ökologische Landbau dagegen ist ein Erfolgsmodell, das sich einer immer größeren Nachfrage beim Verbraucher erfreut, nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, faßte Ehrnsperger zusammen. Die Neumarkter Lammsbräu trete deshalb ein
08.05.06
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