Ungeliebtes Denkmal

NEUMARKT. Die alte Disko "Rustica" soll ein Baudenkmal sein - die Begeisterung im Rathaus hält sich in Grenzen.

Burgruine Wolfstein, Kirchen, Schreiberhaus - die Stadt Neumarkt ist stolz auf ihre Baudenkmäler. Jetzt soll in die Liste der Neumarkter Denkmäler ein bisher unverdächtiges Gebäude aufgenommen werden: Die Denkmalschützer haben bei der Untersuchung des Areals "Im Kloster" ein Auge auf das Gebäude geworfen, in dem zuletzt Teile der Disko "Rustica" und die Kneipe "Old Baily" untergebracht waren. Bei dem Haus handelt es sich nämlich um die ehemalige Klosterbrauerei.

Und die möchte die Stadt auf keinen Fall unter Denkmalschutz gestellt wissen - schließlich will man das Haus irgendwann schleifen und was Schickes, Neues bauen.

Die Mitarbeiter des Bayerischen Landesamtes für Denkmalschutz hatten das Areal zwischen "Im Kloster" und der Kapuzinerstraße untersucht und erwartungsgemäß die ehemalige Klosterkirche (und jetzige evangelische Christuskirche) und die Klosteranlage für schützenwert erkannt. Dann warfen sie aber auch noch einen Blick auf die frühere Klosterbrauerei und waren völlig unerwartet der Meinung, auch hier handele es sich um schützenswertes Kulturgut.

Und die Stadt kann nicht einmal groß schimpfen: schließlich hat sie indirekt selbst die Denkmalschützer geholt, als sie daran ging, das Gebiet "Im Kloster" in das Sanierungsgebiet mit aufnehmen (und Zuschüsse kassieren) zu können. Bereits 1998 wurden durch ein Nürnberger Büro vorbereitende Untersuchungen durchgeführt, bei denen natürlich auch schon der Wert von Kirche und Klosteranlage festgestellt wurde. Allerdings waren die Planer damals ganz selbstverständlioch vom Abbruch des "Rustica"-Gebäudes ausgegangen: Eine Sanierung sei wegen der "äußerst schlechten Bausubstanz kaum mehr möglich", hieß es damals.

Solche schnöde materielle Überlegungen lassen die Denkmalschützer kalt: In der ehemaligen Brauerei sei "trotz späterer Umnutzung die ehemaligen Funktionen des Gebäudes und seine baulichen Ausprägungen ablesbar geblieben". Bei der Bausenatssitzung am Dienstagabend meinte ein nicht sehr fröhlicher Stadtbaumeister Rudolf Müller-Tribbensee: "So hatten wir uns das nicht vorgestellt!"

Prompt wurde nun die Stadt wegen "Herstellung des Benehmens" angeschrieben und um "Äußerung" gebeten. Die kam im Bausenat in der Sitzung am Dienstagabend auch sofort: Die Stadt verweigere das "Benehmen zum Nachtrag der ehemaligen Klosterbrauerei in die Denkmalliste, weil man die Denkmaleigenschaften des Gebäudes für nicht gegeben hält", ließen die Stadträte den Denkmalschützern wissen.

Helfen wird die Verweigerung der städtischen Zustimmung vorerst allerdings nichts: In einer Stellungnahme könnten nur "fachlich begründete Hinweise berücksichtigt werden", hieß es schon im voraus vom Amt für Denkmalschutz.

Daß die Stadt einfach andere Pläne mit dem maroden Gebäude hat, lassen die Denkmalschützer vorerst noch nicht gelten. Erst in einem "Genehmigungs- oder denkmalrechtlichen Erlaubnisverfahren" können Einwendungen erhoben werden, die sich gegen die Folgen der Denkmalfestsetzung richten. Hier würden dann das "Erhaltungsinteresse der Allgemeinheit und die privaten Belange" gegeneinander abgewogen.
26.04.06
Neumarkt: Ungeliebtes Denkmal
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