"Mißtrauen gegen Ja-Sager"


Die Gruppe der Neumarkter Teilnehmer mit Dekan Richard Distler (2. v.r.)

NEUMARKT. (pde) - Den Wert demokratisch gewählter Gremien im kirchlichen Leben hat der Eichstätter Diözesanratsvorsitzende Dieter Salomon beim Neujahrsempfang des Diözesanrates unterstrichen.

Es gelte nicht in allen Bereichen die Aussage, auf einem Schiff könne es nur einen Kapitän geben. „Wir sind - das hat uns das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt - gemeinsam als Volk Gottes unterwegs“, sagte Salomon bei dem traditionellen Treffen im Spiegelsaal der ehemaligen fürstbischöflichen Residenz zu Eichstätt. Das berühre in keiner Weise die Pflicht zum Gehorsam im Glauben. Aber auch ein Bischof könne sein Amt nur in Solidarität mit anderen Bischöfen und im Dialog mit seinen Gläubigen ausüben.

Die Gläubigen seien zudem „gelernte Demokraten“ mit einem tiefen Misstrauen gegen ernannte Gremien, „da hier immer der Anfangsverdacht besteht, ‚Jasager’, ja ‚Speichellecker’ könnten in diesem Gremium sitzen“. Die Lösung, wie sie sich in den letzten Jahren seit dem Konzil und der Würzburger Synode durchgesetzt hat, „scheint uns nun einmal für unsere Situation die beste Lösung“. Nur so werde man auch für die kommenden Pfarrgemeinderatswahlen am 12. März die nötige Zahl von Kandidaten finden und die frohe Bereitschaft, in der Kirche mitzuarbeiten. „Es gibt so viele positive Beispiele einer allen Seiten Gewinn bringenden Zusammenarbeit, dass wir uns jetzt nicht verunsichern lassen sollten“, betonte Salomon.

Bei dem Empfang appellierte der Diözesanratsvorsitzende gerade angesichts notwendiger Einschränkungen und Sparmaßnahmen an das soziale Bewusstsein der Einzelnen: Die Gemeinden sollten wieder mehr den „Blick für die Not des Nächsten bekommen, der manchmal verloren gegangen zu sein scheint“. Bei aller Notwendigkeit institutionalisierter Hilfseinrichtungen dürfe man soziales Engagement nicht einfach nur „an Profis delegieren“. Zur Nächstenliebe sei jeder aufgefordert. Als Beispiele gelebter Caritas verwies Salomon auf das „Netzwerk Leben“ im Bistum Eichstätt und das Engagement der Sternsinger für die indische Partnerdiözese Poona.

In seiner zwölften Rede als Vorsitzender bei einem Neujahrsempfang des Diözesanrates kündigte Salomon an, dass er nicht mehr für das Amt des Diözesanratsvorsitzenden kandidieren werde und bei den Neuwahlen im Herbst diese Aufgabe einem Jüngeren oder einer Jüngeren übergeben werde.

Diözesanadministrator Dompropst Johann Limbacher hatte zuvor in seinem Grußwort die Bereitschaft zum Dienst und zum Dialog als unabdingbar wichtig für die Kirche und den Weg der Diözese Eichstätt in die Zukunft bezeichnet. Die Kirche verstehe ihre Aufgabe als Dienst, „als Dienst an den Menschen, als Dienst an der Gesellschaft, als Dienst an der Welt, letztlich aber als Dienst an der Ehre Gottes“. Ohne einen permanenten Dialog sei dieser Dienst der Kirche jedoch nicht leistbar.

Für die Bistumsleitung dankte der Eichstätter Diözesanadministrator allen, die bereit sind zu diesem Dienst aneinander und zu diesem Dialog: den haupt- und ehrenamtlichen Mitabeitern in den Pfarreien und kirchlichen Verbänden, in den Gruppierungen und Organisationen der Diözese, den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den Pfarrgemeinderäten und in den Kirchenverwaltungen. Er hoffe, dass sich bei den Pfarrgemeinderatswahlen im März wieder die notwendige Zahl von Engagierten finden lasse, die in dieser Funktion das pfarrliche Leben mitgestalten und mittragen.
22.01.06
Neumarkt: "Mißtrauen gegen Ja-Sager"
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