Alt-Landrat wird 80


Trotz aller Umtriebigkeit auch mal zu einem Späßchen aufge-
legt: Landrat Josef Werner Bauer auf einem "Schaukelpferd" bei
der Einweihung eines Möbelhauses.
Fotos: Erich Zwick
NEUMARKT. Zwei Neumarkter in München: Nach getaner Arbeit im Maximilianeum und in Ministerien schlendern sie gut gelaunt durch die Fußgängerzone und freuen sich über ihr erzieltes Ergebnis. Das Gespräch wird aber immer wieder unterbrochen, weil der eine ständig die entgegenkommenden Leute auf der Straße grüßt.

"Du, Josef-Werner, kennst du hier Gott und die Welt?". - "Also, das nicht, aber die mich." - "Wieso denn das", ist darauf der Fritz neugierig. - "Ja, also, wenn ich durch Neumarkt geh', sag' ich auch zu allen Leuten 'Grüß Gott'." - "Aber wir sind doch hier in München", erinnert der Fritz den Josef Werner. "Also, das hab' ich doch glatt vergessen", entschuldigt sich der Josef Werner.

Ob diese Anekdote so stimmt und wie sie geendet hat, lässt sich am Sonntag leicht hinterfragen. Denn dann begeht der erwähnte Josef Werner in einem Festakt im Vortragssaal des Landratsamtes seinen 80. Geburtstag. Der "dienstälteste Landrat der Welt", der es nach zum Teil spektakulären Wahlen auf 38 Jahre "Regentschaft" gebracht hat, heißt Josef Werner Bauer (wobei der "Josef" mit fortgeschrittenem Alter immer mehr in den Hintergrund getreten ist) und sein Münchner Gesprächspartner der Siebziger Jahre war der damalige Fraktionsvorsitzende der CSU im Kreistag und langjährige Neumarkter Stadtrat Fritz Schmid.

Es gibt wohl kaum eine Auszeichnung, die der Jubilar nicht schon sein eigen nennen kann, angefangen von der Landkreismedaille in Gold bis hin zum Bundesverdienstkreuz Erster Klasse. Deshalb ging er bereits bei seinem 75. Geburtstag mit zwei Karten für die Bayerische Staatsoper in München verhältnismäßig leer aus, und diesmal beschränken sich die "Geschenke" auf verbale Lobes- und Dankeshymnen in Form von Grußworten.


Erst als Ruheständler mehr Zeit - auch mal für ein
Tänzchen mit Gattin Siglinde.
Das ganz große Feiern war ohnehin nie die Welt des eher hemdsärmelig agierenden Josef Werner Bauer. Bei Feuerwehr-Jubiläen ging ihm das Herz auf, und als in den Siebziger Jahren der erste der inzwischen eingeschlafenen Pressebälle im damaligen Neumarkter Nightclub über die Bühne ging, rechneten es sich die Journalisten als besondere Wertschätzung an, dass ihnen der Kreischef mit Gattin Siglinde die Ehre seines Besuchs gab.

Ehe - wie es bei solchen "runden" Jubiläen üblich ist - ein bisschen im Lebenslauf geblättert wird, darf an das größte Husarenstück des ehemaligen CSU-Landrats erinnert werden: sein Alleingang gegen die eigene Partei, mit dem er seine Stellung erfolgreich verteidigte. Das war im Jahre 1972, als die Gebietsreform unter dem damaligen Innenminister Dr. Bruno Merk einen neuen Landkreis Neumarkt formte. Zu Neumarkt kamen weite Teile des Altlandkreises Parsberg und der Raum Berching und Dietfurt aus dem Altkreis Beilngries hinzu, während Neumarkt das Gebiet um Kastl nach Amberg abgeben musste.

So hatte die CSU für das neue Kreisgebilde drei Landräte anzubieten, von denen nur einer das Rennen machen konnte. In einer denkwürdigen Nominierungsversammlung im alten Neumarkter Kolpingsaal (heute Stadtmuseum) machte in einer Kampfabstimmung Alfred Spitzner (ein Onkel des Staatssekretärs Hans Spitzner) aus Parsberg das Rennen, nachdem im ersten Wahlgang der Beilngrieser Kandidat Pröll schon ausgeschieden war.

Mit Zornesröte im Gesicht verließ Bauer den Saal und schleuderte den ebenso überraschten Presseleuten noch den Satz hinterher: "Jetzt kandidiere ich gegen die CSU." Sprach's, tat's - und siegte. Maßgeblichen Anteil an diesem für die CSU niederschmetternden Wahlerfolg hatten ausgerechnet prominente Neumarkter CSU-Amtsträger, allen voran der damalige Oberbürgermeister Theo Betz, der für sein offenes Eintreten für Bauer ein Parteiausschlußverfahren riskierte. Aber "den Theo" blies selbst das Donnerwetter seines großen Vorsitzenden FJS nicht um. Er hätte wahrscheinlich an Bauers Stelle genau so gehandelt, aber er kam nicht mehr in die Verlegenheit; denn mit der Gebietsreform lief aus Altersgründen seine zu Kriegsende begonnene Amtszeit aus.

In ruhigerem Fahrwasser bewegte sich der Lebenslauf des Jubilars vor und nach vorerwähntem spektakulären Ereignis (übrigens kehrte am Allerheiligentag des Jahres 1972 der "Abtrünnige" in den Schoß der CSU zurück).


Jubilar Josef Werner Bauer mit seinem ehemaligen Mitarbeiter,
späteren Bürgermeister von Berching und seit 1996 Nachfolger
im Amt, Landrat Albert Löhner.
Geboren wurde Josef Werner Bauer am 15. Januar 1926 in Riedelberg im heutigen Landkreis Pirmasens. Im August gleichen Jahres siedelte er mit Familie nach Hamburg über, die es aber 1934 nach München zog. Dort besuchte der Knabe das Theresiengymnasium, wo der zweite Weltkrieg seiner unbeschwerten Jugend ein abruptes Ende bereitete. Kurz vor Kriegsende geriet Josef Werner Bauer noch in englische Gefangenschaft. Nach glücklicher Heimkehr nahm er an der Ludwig-Maximilian-Universität das Jurastudium auf, und nach dem zweiten juristischen Staatsexamen erhielt er am 1. September 1952 seine erste Anstellung als Referendar bei der Regierung von Oberbayern.

Nach einem kurzen "Gastspiel" als Regierungsassessor beim Landratsamt in Viechtach wurde er am 1. Mai 1954 an das Landratsamt Neumarkt versetzt, wo er in vier Jahren auf dem Gebiet der Verwaltung und Kommunalpolitik reiche Erfahrungen sammeln konnte. Das kam ihm zugute, als sein Vorgänger im Amt, Dr. Otto Schedl im Jahre 1958 den Stuhl des Landrats in Neumarkt gegen den Sessel des Wirtschaftsministers in München eintauschte und Bauer mit 86,6 Prozent der Wählerstimmen zum neuen Kreischef gekürt wurde. Dieses Amt hatte er 38 Jahre lang bis 1996 inne, bis Albert Löhner seine Nachfolge antrat (dessen Wahl erinnerte übrigens stark an die Vorgänge des Jahres 1972).

Die Lebensverhältnisse im einst steuerschwachen Landkreis Neumarkt, der die "reiche" kreisfreie Stadt Neumarkt umgab, zu verbessern, war von Anfang an das erklärte Ziel des damals jungen Landrats, was ihm in kurzer Zeit gelang. Durch weitschauende Verkehrsplanungen - Ausbau der Kreisstraßen - gelang eine günstige infrastrukturelle Entwicklung des Landkreises.

In die Amtszeit des Jubilars fiel auch der Bau der Autobahnen Nürnberg-Neumarkt-Regensburg und Nürnberg-Lauterhofen-Amberg. Beinahe wäre damals Neumarkt beim Autobahnbau leer ausgegangen, weil die ursprüngliche Route von Nürnberg nach Regensburg einen Schwenk über Kastl nach Pfraundorf genommen hätte und Neumarkt rechts (oder von Regensburg aus betrachtet: links) liegen geblieben wäre. Aber ein schlitzohriger Ludwig Rupp, damals rühriger Neumarkter Landtagsabgeordneter und wegen der Vielzahl seiner ins Parlament eingebrachten Anträge von den Journalisten als "Antrags-Lucki" apostrophiert, hat den Planern zwei Autobahnen abgerungen: die ohnehin vorgesehene nach Amberg und die "untergejubelte" über Neumarkt.

Die ersten Jahre von Bauers Wirkens waren auch vom raschen Ausbau der Trinkwasserversorgung geprägt: 26 zentrale Versorgungsanlagen und zehn Zweckverbände waren die erfreuliche Bilanz dieses Einsatzes. Ein weiterer wichtiger Schwerpunkt war der Bau bestmöglicher Lern- und Bildungsstätten wie die Errichtung und Erweiterung mehrerer Gymnasien und des bayernweit richtungweisenden Berufsschulzentrums.

Nicht nur die schulische, sondern auch die medizinische Versorgung der Kreisbevölkerung lag Landrat Bauer besonders am Herzen. "Unser Landkreis verfügt über ein leistungsfähiges Klinikum mit einer weit über dem Durchschnitt liegenden Belegung und einer medizinischen Leistung, die den Vergleich mit Universitätskliniken nicht zu scheuen braucht", lobte Nachfolger Albert Löhner bei anderer Gelegenheit seinen Vorgänger und ließ dabei die unter Bauer forcierte Entscheidung auf Umwandlung des Kreiskrankenhauses Parsberg in eine internistische Fachklinik und die Errichtung einer Reha-Klinik in Berching nicht unerwähnt.

Wollte man 38 Jahre segensreiches Wirken in Worte fassen, würden wohl 38 Zeitungsseiten nicht ausreichen. Deshalb noch zwei Stichworte: Das auf Bauers Initiative zurückgehende bayernweit bekannte "Neumarkter Modell" zum Bau von Kindergärten, was lange vor dem Kindergartengesetz griff, und das Engagement bei der Durchsetzung einer geordneten Abfallwirtschaft.

Trotz allen Lobes: Ein "bequemer" Landrat war er nie - ein menschlicher aber immer.
Erich Zwick
12.01.06
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ISSN 1614-2853
17. Jahrgang
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