Kripo wird 100 Jahre alt


"Datenspeicherung" einst und jetzt - vom Anzeigenbuch über
den Aktenordner bis zum Laptop - KD Albert Stürzer, PP Hans
Junker und Lt.PD Rudolf Kraus mit Ausstellungsstücken (v.l.)
NEUMARKT. Seit 1973 ist die Kripo Regensburg für den Landkreis Neumarkt zuständig. Doch die Kriminaler feiern schon den 100. Geburtstag.

"100 Jahre Kriminalpolizei in Regensburg" - ein Grund für die Verantwortlichen der Polizeidirektion (PD) Regensburg dieses Jubiläum angemessen zu würdigen. Deren Leiter, Leitender Polizeidirektor Rudolf Kraus und der Chef der Kripo Regensburg, Kriminaldirektor Albert Stürzer initiierten deshalb ein Pressegespräch, um an diese, in der lokalen Polizeihistorie nicht unwesentliche Begebenheit, zu erinnern. Der Einladung zu der Veranstaltung am Dienstag war auch Polizeipräsident Hans Junker gefolgt.

Dokumentationsmaterial in Schrift und Bild ergänzte und belebte die Präsentation der Ereignisse des zurückliegenden Jahrhunderts. Rudolf Kraus beschränkte sich auf einige Kerndaten der Geschichte, die personelle Fortentwicklung von einer "Handvoll" Beamter bis zum heutigen Stand und der Auflistung der verschiedenen Fachkommissariate mit ihren Aufgabenbereichen.


Das Büro der "Sitte" im Gebäude der "Alten Waag" am Haid-
platz (um 1920)
In seinen Grußworten betonte Polizeipräsident Hans Junker die Notwendigkeit der permanenten polizeilichen Anpassung an das jeweilige Gegenüber. Dies sei in einer Zeit des gesellschaftlichen Wandels unabdingbar. "Die Anpassung von Arbeitsweise, Ausrüstung, Personal, sowie Aus- und Fortbildung war und ist notwendig, um sich den neuen Kriminalitätsphänomenen zu stellen" so Junker. Albert Stürzer erinnerte neben der Aufzählung verschiedener herausragender Kriminalfälle der jüngeren Vergangenheit vor allem daran, dass trotz aller an die Hand gegebener technischer Hilfsmittel das Wichtigste für den Kriminalisten immer noch sein logisches und analytisches Denken seien.

Die Geschichte der Kriminalpolizei in Regensburg beginnt eigentlich schon zwei Jahre früher, finden sich doch schon 1903 im Schriftverkehr des Magistrats der Stadt Regensburg die ersten Niederschriften dazu - damals noch in "Sütterlin-Schrift". Danach sollte eine sogenannte "Kriminalschutzmannschaft" aufgebaut werden. Gedanken, Planung und Vollendung zogen sich aber doch bis zum Jahr 1905 hin, womit dieses Jahr als die "Geburtsstunde" der damals städtischen Einrichtung angesehen wird. Notwendigkeit und Effizienz bestätigten sich schnell, weshalb der damalige Kriminalinspektor Griffke bereits im darauffolgenden Jahr schriftlich darum ersuchte die "Personalmehrung um zwei bis drei Mann anheben zu wollen!".


Heute wird mit modernster Technik gearbeitet.
Aus heutiger Sicht nicht uninteressant, vielleicht auch zum Schmunzeln, erscheint die Formulierung eines Schreibens des Kriminalchefs an den Stadtmagistrat im Jahre 1907, worin "gütigst" um eine Personalmehrung gebeten wird. Aus dieser Zeit datiert auch ein "Circular an die fürstlich markgräflichen Leumunde", wonach in der Polizeischutzmannschaft der "Polizeivigilant" fortan als "Kriminalschutzmann" zu benennen ist. Wie wichtig die Arbeit der Kriminalpolizei zunehmend wurde, zeigt eine Dienstanweisung aus dem Jahr 1910. Der damalige Bürgermeister weist darin die uniformierte Polizei an, "in allen Fällen, in denen sie von einem Verbrechen im Sinne des Strafgesetzbuches erfahren, sofort, insbesondere auch zur Nachtzeit, den Kriminalinspektor und die Kriminalschutzmannschaft umgehend in Kenntnis zu setzen!".

So weit zu den Ursprüngen der Kriminalpolizei in Regensburg, die anfänglich, schon auf Grund ihrer engen Bindung, in den Gebäuden der uniformierten Polizeischutzmannschaft untergebracht war. Um 1908 bereits bezog die Regensburger Kriminalschutzmannschaft dann ihr erstes eigenes Domizil, in der damaligen "Alten Waag" am Haidplatz 1. Die Umbenennung in Kriminalpolizei fand etwa 1926 statt. Ein Jahr später arbeitete dann auch die erste Kriminalbeamtin in Regensburg, der man u.a. die Arbeitsbereiche der Sittenpolizei und der Kinderfürsorge übertragen hatte.

Die Verstaatlichung der gesamten Regensburger Polizei erfolgte 1929, was natürlich auch für die Kriminalpolizei, damals als "Polizeiamt 2" bezeichnet, galt. Jetzt taucht erstmals der Name "Polizeidirektion" auf. Schutz- und Kriminalpolizei blieben in den Räumen am Haidplatz. Der große Umzug kam 1938, als das von den Nationalsozialisten erbaute Polizeigebäude im Minoritenweg fertig gestellt war.

Mit einem "Hitlererlass" von 1936 erfolgte die "Verreichlichung" aller Polizeibeamten, die nun dem "Reichsführer der SS und Chef der deutschen Polizei" unterstanden. In den Hauptämtern für die Ordnungs- und die Sicherheitspolizei ging nun auch die Kripo auf. Unterlagen und Akten aus dem Zeitraum 1929 - 1945 sind nur mehr spärlich vorhanden. In den dazu bei der KPI Regensburg noch im Original befindlichen Unterlagen, insbesondere den Luftangriffen 1943 - 1945, wird als damaliger Leiter der "Kripostelle Regensburg" der SS-Hauptsturmführer und Kriminalrat Dr. Teichmann genannt.

Nach Kriegsende installierten sich dann sehr schnell Land- und Stadtpolizei, aber auch die Kriminalpolizei als separate Einheiten wieder. Letzterer Aufgabe lag vorrangig in der Bearbeitung von Diebstahls-, Sittlichkeits- und Wirtschaftsdelikten, aber natürlich auch von Gewaltverbrechen. Mit der Umstrukturierung einher ging auch die entsprechende Unterteilung der verschiedenen Kommissariate, die Ende der vierziger Jahre sechs Bereiche hatte - angefangen vom Kapitalverbrechen (Kommissariat 1) bis zum Fahndungswesen. (Kommissariat 6). Es gab damals noch Straftaten, wie "Wilderei und Plünderung", um die sich die Kriminaler zu kümmern hatten, Computerbetrug und Rauschgiftkonsum hingegen tauchten noch nicht auf.

Das Personal der Kriminalpolizei rekrutierte sich schon immer aus den Reihen der Schutzpolizei. Die Ausnahme hierzu bildete in früheren Jahren die weibliche Kriminalpolizei (WKP), deren Angehörige außerpolizeilich angeworben wurden. Überwiegend sind die Angehörigen der Kriminalpolizei indessen Beamte des gehobenen Dienstes. Ein geringer Prozentsatz ist im mittleren Dienst eingestuft.

Grundsätzlich verrichteten die Beamten Tagdienst, es sei denn sie wurden anlassbezogen außerhalb dieses Zeitraumes gerufen. Seit 1954 gab es den "Inspektor vom Wochendienst". Dieser "Oberbeamte" war außerhalb der Tagesdienstzeit erster Ansprechpartner und koordinierte dann das weitere Vorgehen. Dieser Modus hat sich zwischenzeitlich in Details geändert. Neben dem Tagdienst gibt es jetzt den Kriminaldauerdienst (KDD). Bis zu dessen Installierung im Oktober 1997 hatten Mitarbeiter der Fachkommissariate im wöchentlichen Turnus als "Rufbereitschaft" die Sachbearbeitungen außerhalb der Dienstzeit gewährleistet.

Im Lauf der Jahre erkannte man zunehmend die Wichtigkeit der Präventionsarbeit und installierte ab 1971 eine Stelle, die sich mit der kriminalpolizeilichen Fachberatung befasste. Dazu nutzte man die neuesten Erkenntnisse einschlägiger Industrieunternehmen und des Fachhandels. Zwischenzeitlich ist dieses Arbeitsfeld aus dem Gefüge der Kripo nicht mehr wegzudenken.

Neue Umstrukturierungen im Jahre 1972 brachten in Regensburg die Einrichtung einer Kriminalaußenstelle (KASt) mit sich, die unmittelbar der Polizeidirektion, dem heutigen Polizeipräsidium, nachgeordnet war. Mit der Verstaatlichung am 01.10.1973 gehörte die KASt der Vergangenheit an.

Nun erstreckte sich der Zuständigkeitsbereich der Kriminalpolizeiinspektion (KPI) Regensburg, wie sie jetzt hieß, auf die Stadt, sowie die Landkreise Regensburg, Neumarkt und Cham. Dies hat sich bis heute nicht geändert. Der Personalstand lag damals bei 77 Beamten. Innerhalb der KPI erfolgte die Unterteilung in Dezernate (Dez I, II, III) und nachgeordnete Fachkommissariate ( K 22 etc.).

Untergebracht war die Dienststelle im Gebäude am Minoritenweg. Aufgrund der fortschreitenden Personalexpansion, aber auch im Hinblick auf neu installierte Fachkommissariate (Rauschgift - 1978) waren verschiedentlich Teilbereiche in andere Gebäude, wie z.B. dem der jetzigen Verkehrspolizeiinspektion in der Kleiberstraße, ausgelagert. Einhergehend mit der sicherheitspolitischen, polizeirelevanten Fortentwicklung folgte die Installierung von Fachbereichen wie der von Verhandlungsgruppen (1976) oder der zur Bekämpfung der organisierten Kriminalität (1988), größtenteils aus den Reihen der Kripo Regensburg.

Der letzte große Schnitt in der Struktur der KPI stand im Jahr 2000 an. Nur mehr neun Kommissariate führten ab dem ersten Oktober zu einer Verschlankung der Personalstruktur. Im "K 1" (Verletzung höchstpersönlicher Rechtsgüter) fasste man nun "Mord und Totschlag - Brände und Explosionen sowie relevante Sittlichkeitsdelikte" zusammen. Die Dezernate wurden aufgelöst.

Das Gebäude am Minoritenweg war zunehmend zu klein geworden. So galt es sich für die annähernd 150 Bediensteten und ca. 150.000 Akten nach einem neuen Quartier umzusehen. Man fand es auf dem Areal der ehemaligen Raffler-Kaserne in der Bajuwarenstraße. Das Kommissariat für Wirtschaftsdelikte siedelte dann im Oktober 1996 als erstes in's neue Gebäude um. Im Juli 2004 hatte schließlich der letzte Kriminaler samt Akten und Habseligkeiten das Haus verlassen.

100 Jahre Kriminalpolizei beinhalten natürlich auch zahlreiche aufsehenerregende und oft auch tragische Straftaten. Auf dem Weg über die Jahrzehnte, von der städtischen zur bayerischen bis hin zur staatlichen und wieder zurück zur kommunalen Einrichtung verschwanden Akten, mussten vernichtet werden (Datenschutz) oder "schlummern" als zeitgeschichtliche Dokumente in Archiven.

Aus der jüngeren Vergangenheit sind natürlich entsprechende Fälle nach wie vor im Gedächtnis oder gar im Gespräch. Erinnert sei an den vierfachen Mord in Laaber mit seinen tragischen Folgen, die Tötungsdelikte eines Horst David, die Morde von Harting bei denen ein kleiner Junge zum Waisen wurde, aber auch der schon weiter zurückliegende Fall "Chopper".

Betrachtet man Fotos der Räume in der "Alten Waag" am Haidplatz mit den Labor- und Computerräumen der Gegenwart, so sind auch diese Dokumente ein Beleg für den kontinuierlichen Wandel. Im Vergleich mit anderen bayerischen Städten zeigt sich, dass die Landeshauptstadt München erst kurz vorher, nämlich im Februar 1899 mit der Errichtung der "Criminalabteilung" den Grundstein für die künftige Kriminalpolizei legte.

Was vor 100 Jahren, als der damalige Leiter "gütigst um zwei weitere Kriminalschutzmänner" bat, begann, ist mittlerweile zur personalstärksten Dienststelle im Schutzbereich geworden.
22.11.05
Neumarkt: Kripo wird 100 Jahre alt
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