Kneipenbühne Oberweiling

Reels und Jigs


Joan Croker
NEUMARKT. Die Band Greenfield aus dem Großraum Nürnberg/Erlangen hat sich der traditionellen irischen Musik verschrieben.

Am Samstag tritt das Sextett (seit 1982 zum zwölften Mal) in der Kneipenbühne Oberweiling in neuer Besetzung auf: neben den altbekannten Kräften ist der Flötist Yann Ecorchard zum ersten Mal dabei – man darf sich natürlich auch auf die Sängerin Joan Croker freuen, die erst unlängst in einem Solokonzert ihr Kneipenbühnen-Publikum begeistern konnte (wir berichteten).

Wer einmal den Zauber der Grünen Insel erlebt hat, diese Mischung aus wilder Lebensfreude und tiefer Melancholie, den lässt er nicht mehr los. Reels, Jigs, Hornpipes und Polkas sind die traditionellen Tänze, die heute noch genauso jung sind wie vor hundert Jahren. Daneben spielt die Band auch Lieder von Liebe und Heimweh, von alltäglichen und ungewöhnlichen Begebenheiten.

Aus dem reichen Fundus der irischen Musik pickt sich Greenfield bewusst die zu unrecht unbekannten Stücke heraus. Der Kontakt zum Publikum gehört bei Greenfield genauso dazu wie die Möglichkeit, dass Tanzbein zu schwingen, wenn es in den Füßen juckt. Sechs Saiteninstrumente, Fiddle, Akkordeon, Bodhran, verschiedene Flöten und die Keltische Harfe prägen den Sound von Greenfield.
11.12.08

Zarter Schmelz

NEUMARKT. Zarter musikalischer Schmelz lag am Samstag über Oberweiling, als Janet M. Christel mit ihrer Band ihr Debüt gab.

Mit eindrucksvollen, zumeist eigenen Songs in unverkennbar schottischer Befindlichkeit, mit Liedern voller Sehnsucht und voll tiefer Gefühle eroberte die Sängerin/Songwriterin in der Kneipenbühne die Herzen ihrer Zuhörer im Sturm. Nein, da wurde keineswegs irgendein Vorweihnachtsprogramm oder gar folkloristischer Kitsch geboten, vielmehr stand die sympathische Sängerin und Erzählerin souverän über Gemütsirritationen und zog in oft bildreichen Stories durchwegs (selbst)ironische Resümees. Zwischen den wunderschönen Songs las sie Witziges und Metaphorisches, eine hinreißende Glühweingeschichte etwa, oder "Die Deutschen irren sich: die Sonne ist ganz entschieden ein Mann!" des schottischen Schriftstellers Alasdair Gray.

Janet zur Seite stand der in Australien aufgewachsene Jerry Röschmann, ein präziser Kontrabassist, der mit großem Ton ganz wesentlich zur dichten Atmosphäre beitrug. Neben ihm – mit allen musikalischen Wassern gewaschen und immer wieder für eine Überraschung gut – der Multiinstrumentalist Udo Schwendler, der an Sopransaxophon, Tin Whistles, Querflöte, Cajon und etwas zusätzlicher Perkussion, Akkordeon und chromatischer Mundharmonika nicht nur Farbtupfer und Akzente setzte, sondern virtuos brillierte. Janets, Jerrys und Udos dreistimmig gesungene Refrains wirkten traumhaft sicher und waren gänsehauttreibend schön. Peter Hirsch (ex Mercury Blues Band) schließlich, das vierte Rad am Luxuswagen - als Ersatz für den verhinderten Ralf Trautner eingesetzt - schuf auf der Gitarre eine solide harmonische Basis, glänzte auch mit dem einen und anderen Solo.

Janet M. Christel und Band: in der laufenden Saison ein weiterer Höhepunkt für die verwöhnten Oberweilinger Ohren.
08.12.08

Spannungsreiche Kombination


"Janet M. Christel and Band"

NEUMARKT. Sehnsucht, Lust und . . . ja, vor allem die Liebe haben Vorrang beim Programm von "Janet M. Christel and Band", natürlich mit schottischem Touch, da Janet aus Glasgow stammt: Am Samstag gibt die sympathische Schottin ihr Debüt in der Kneipenbühne Oberweiling.

Das Repertoire der in Franken lebenden Singer-Songwriterin und Rezitatorin stammt zum größten Teil aus eigener Feder, zum Teil aber auch aus dem traditionellen schottischen Liedgut - eine spannungsreiche Kombination aus alt und neu, aus europäischen und keltischen Elementen. In ihren Liedern sowie in der einen oder anderen Geschichte lässt Janet ihre Liebe zur Musik und zum geschriebenen Wort beinahe körperlich spüren. Ihre kraftvolle und klare Stimme, ihre ausdrucksstarke Mimik und Gestik, ihre gesamte Ausstrahlung machen Janets Auftritte stets zu einem besonderen Vergnügen.

Und die Männer an ihrer Seite? Jerry Röschmann spielt elektrischen Kontrabass und singt. Nach seiner Kindheit in Australien ließ er sich zum Zupfinstrumentenmacher in Mittenwald ausbilden. Udo Schwendler singt, spielt Akkordeon, Querflöte, Whistles und Mundharmonika. Er studierte in Saarbrücken Musik (Kontrabass, Tuba, Tonsatz). Seither kann er auf vielfältige musikalische Aktivitäten als Musiker und Komponist in unzähligen Gruppierungen und als Session-Musiker zurückblicken wie die Conny Wagner Band, Pretty Heroes, Van Morrison Project, Are U Experienced und das Christoph Nauke Trio. Ralf Trautner schließlich spielt sechssaitige und zwölfsaitige Gitarre, Mandoline und singt. Er ist Mitbegründer und langjähriges Mitglied der legendären Band "Texas Radio". Seit 2002 arbeitet er als Studio-Musiker sowie Singer-Songwriter mit der Schweizer Künstlerin Doris Ackermann. Janet und Ralf stecken hinter der CD "This Land, Here", die Ende 2005 erschienen ist.

Die renommierten und auch sonst viel gefragten Musiker verstehen es mitzureißen, die Stücke einfühlsam und lebendig zu spielen, können aber auch sehnsuchtsvoll leisere Töne anstimmen, was ein ganz besonderes Hörvergnügen verspricht. Janet M. Christel verführt ihre Zuhörer, in Begleitung ihrer talentierten Musiker, zu einem literarisch-musikalischen Abend der ganz besonderen Art. Beste Unterhaltung, interessant, kurzweilig, amüsant und locker, ist garantiert.
05.12.08

Der "echte klimpa"


Der "echte" klimpa und gosch

NEUMARKT. Zwar stand Florian Schwartz nicht auf dem Programm der Veranstaltung am Samstag in der Kneipenbühne: angekündigt war Susanna Klovsky an der Seite der Chansonette und Kabarettistin Michaila Kühnemann, aber die sympathische Ex-Les-Derhosn-Sängerin konnte glaubhaft versichern, dass "Herr Schwartz" der eigentlich echte "klimpa" im Duo "gosch&klimpa" ist, ein souveräner Pianist, der in dramatischen Szenen witzig und in komischen Liedern ernst wirkte: gleichzeitig – und der einst das Konzept des Abends mit "gosch" ausarbeitete.

So konnte das Duo in seinem Programm "Am Strand der Dinge" zwischen der Anfangsnummer "1000 Dinge" von Funny van Dannen und der zweiten Zugabe von Bernd Begemann "Wenn wir Glück haben endet es am Strand" die zahlreichen Zuhörer ununterbrochen in seinen Bann ziehen und zum Kringeln burleske oder zum Weinen tieftraurige Themen über "Dinge und ihre Menschen" zum Besten geben. Die Anfangs- und die Schlussnummer waren zwar nicht die Höhepunkte des vielseitigen Abends, setzten aber immerhin eine hübsche, intime Themenklammer um das Ganze.

gosch" – Michaila Kühnemann – ist phänomenal. Ob als Seeräuber-Jenny aus der Dreigroschenoper, ob als Interpretin des Kreislerschen Bluntschli oder bei hinreißend vertonten Kurzgedichten von Joachim Ringelnatz: immer blieb sie in Mimik und Gestik in ihrer Rolle, und sie sang und erzählte ebenso präzise wie gefühlvoll – klar: mit einem derart zuverlässigen Piano-Partner an der Seite!

So manche Augen wurden feucht bei dem Jaques Brel-Chanson "Ne me quitte pas" (Bitte geh nicht fort, Übersetzung: Klaus Hoffmann und André Schneider) oder bei "Send in the Clowns" von Stephen Sondheim: oh nein, da war nichts Rührseliges in goschs Stimme, "nur" intensiv Anrührendes; köstlich die Musik zur Multikultur der Imbissbude: Hymnen und Klassik zu Frittenfett und blubbernden Schaschliksaucenblasen, herrlich die musikalisch/textliche Zusammenfassung des Konzertabends, mit dem Happy End für einen männlichen Briefmark, der zu seiner Prinzessin zurückkehren darf, weil der Empfänger des Briefes unbekannt verzogen ist.

"Ikea" (Maria) aus der Westside-Story und die "2nd Hand Rose" setzten weitere Glanzpunkte in einem nach allen Seiten hin funkelnden Chansonabend, in dem jeder (!) Zuhörer das für die Seele verordnete Wechselbad der Gefühle in vollen Zügen genoss.
30.11.08


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ISSN 1614-2853
18. Jahrgang