Optimismus bei Pfleiderer


Die Pfleiderer-Zentrale in Neumarkt
Fotos: Pfleiderer AG
NEUMARKT. Trotz weiter tiefroter Zahlen sieht Pfleiderer-Vorstands-Chef Overdiek das Unternehmen "auf dem Weg der Gesundung".

Er durfte positive Zahlen im operativen Geschäft verkünden (neumarktonline berichtete bereits am Morgen) und zeigte Optimismus - obwohl vorerst einmal Gerichte über die Chance der Sanierung zu entscheiden haben.

Über 85 Millionen Euro Nettoverlust schleppt der Neumarkter Konzern im ersten Halbjahr mit sich herum - Folgen der Zinsen für die Milliarden-Schulden und die teuren Sanierungsversuche.

Aktuell konnte Overdiek jedoch durchaus erfreuliche Zahlen vorlegen: der Umsatz stieg im ersten Halbjahr um 9,4 Prozent auf 595 Millionen Euro, der operative Gewinn um 15 Prozent auf über 44 Millionen Euro.

Wenn die Sanierung gelingt, könne das Unternhemen auch wieder schwarze Zahlen schreiben, erklärte Overdiek. Doch da haben vorerst die Gerichte das Wort: Wie berichtet hatte ein Gericht in Frankfurt vorerst einer Minderheit der Gläubiger einer sogenannten Hybrid-Anleihe Recht gegeben, die sich mit dem bei einer Gläubiger-Versammlung mit 88 Prozent der Stimmen beschlossenen Schuldenschnitt nicht abfinden wollten.

Die Gläubiger hätten auf 275 Millionen Euro verzichten und mit dem Anrecht auf einen kleinen Pfleiderer-Kapitalanteil zufrieden sein müssen, dessen Wert ungewiss ist.

Vorstands-Chef Overdiek sagte bei einer Telefon-Pressekonferenz am Mittwoch, man habe "die entscheidenden Weichen gestellt" und Pfleiderer befinde sich "auf dem Weg der Gesundung". Overdiek sei allerdings in der Vergangenheit "oft mit zu optimistischen Prognosen aufgefallen", merkte am Mittwoch das Handelsblatt an.

Die Mitarbeiter-Zahl im Konzern (inklusive Nordamerika) sank im Vergleich zum 30. Juni 2010 von 5.579 auf 5.177, ein Rückgang um 402 Personen oder 7,2 Prozent. In Westeuropa nahm die Belegschaft im Zuge der Werksschließungen um 9,2 Prozent auf 2.393 ab, in Osteuropa legte sie leicht um 0,6 Prozent auf 1.587 zu. Gegenüber dem Jahresendstand 2010 (5.373) sank die Zahl der Konzernbelegschaft um 196 Beschäftigte.

Wir veröffentlichen die Pfleiderer-Pressemitteilung (leicht gekürzt) im Wortlaut:


Der Pfleiderer-Konzern hat im zweiten Quartal 2011 von den umgesetzten operativen Restrukturierungsmaßnahmen profitiert und in Europa sowohl Umsatz als auch operativen Gewinn deutlich gesteigert.

Wichtige Vorbemerkungen
In dem heute veröffentlichten Bericht über das erste Halbjahr 2011 wird erstmalig das zum Verkauf gestellte Nordamerikageschäft den IFRS-Bestimmungen entsprechend als nicht fortgeführte Aktivität separat ausgewiesen; die entsprechenden Vergleichswerte des Vorjahres sind angepasst und damit vergleichbar.

Zudem ist zu berücksichtigen, dass das Zahlenwerk des Halbjahresberichts die Effekte aus der finanziellen Restrukturierung des Pfleiderer-Konzerns, die einen massiven Schuldenschnitt und umfangreiche Kapitalmaßnahmen vorsieht, noch nicht abbildet, da die Maßnahmen noch nicht vollzogen worden sind.

Der Konzernumsatz der fortgeführten Aktivitäten betrug im zweiten Quartal 293,0 Millionen Euro und lag damit um 6,0 Prozent über dem Vorjahreswert von 276,5 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr 2011 betrug der Umsatz 595,3 Millionen Euro, ein Anstieg von 9,4 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahreszeitraum (543,9 Millionen Euro). Wachstumsträger war vor allem das wieder deutlich anziehende Osteuropageschäft.

Das bereinigte Konzernergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA), in dem die außerordentlichen operativen Restrukturierungskosten eliminiert wurden, stieg im zweiten Quartal um 44,0 Prozent von 20,0 Millionen Euro auf 28,8 Millionen Euro. Das EBITDA inklusive operativer Restrukturierungskosten konnte im zweiten Quartal um 5,5 Prozent von 19,8 Millionen Euro auf 20,9 Millionen Euro gesteigert werden.

Im Halbjahresvergleich erhöhte sich das bereinigte EBITDA um 38,3 Prozent von 39,1 Millionen Euro auf 54,1 Millionen Euro. Inklusive Restrukturierungskosten wird ein um 14,8 Prozent auf 44,2 Millionen Euro verbessertes EBITDA ausgewiesen (H1 2010: 38,5 Millionen Euro).

Das Periodenergebnis ist weiterhin negativ und beträgt im Halbjahr -74,9 Millionen Euro nach -18,9 Millionen Euro im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Es ist wesentlich durch ein negatives Finanzergebnis in Höhe von -65,6 Millionen Euro geprägt, das die im Verlauf dieses Jahres vereinbarte, aber noch nicht umgesetzte Schuldenreduzierung von mehr als 700 Millionen Euro und die damit verbundene niedrigere Zinsbelastung noch nicht abbilden kann.

Unter der Annahme, dass die Maßnahmen zur finanziellen Restrukturierung bereits umgesetzt worden wären, würde der Konzern aus den fortgeführten Aktivitäten für das erste Halbjahr 2011 ein ausgeglichenes Vorsteuerergebnis ausweisen.

Westeuropa profitiert von Kapazitätsanpassung

Die Region Westeuropa verzeichnete im zweiten Quartal 2011 trotz der planmäßig umgesetzten Schließungen von drei Werken in Deutschland einen Umsatzrückgang um lediglich 2,0 Prozent von 202,1 Millionen Euro auf 198,1 Millionen Euro. Die EBIT-Marge wurde jedoch von 1,7 Prozent auf 3,3 Prozent des Umsatzes fast verdoppelt. Als Folge der Werksschließungen in Ebersdorf, Gschwend und Nidda konnte der Kapazitätsüberhang in Deutschland weitestgehend beseitigt werden; dies bildete die Grundlage für die im Vergleich zum Vorjahr deutliche Anhebung der Preise. Ohne Berücksichtigung von Einmaleffekten lag die EBIT-Marge sogar bei 6,4 Prozent.

Im Produktvergleich beobachtete Pfleiderer einen Nachfragerückgang bei unbeschichteten Produkten mit Ausnahme der Baumärkte. Bei beschichteten Produkten wiederum konnte der Absatz insbesondere mit der Möbelindustrie gesteigert werden. Die erfolgreiche Umsetzung einer neuen Vertriebsstrategie mit Schwerpunkt auf der Ausweitung des Produktangebots in das mittlere Preissegment lieferte in Europa bei den Laminatfußböden Mengenzuwächse von rund 4 Prozent.

Osteuropa als Wachstumstreiber

In der Region Osteuropa wuchs der Umsatz im zweiten Quartal um 28,6 Prozent auf 99,8 Millionen Euro nach 77,6 Millionen Euro im gleichen Vorjahresquartal. Auch die EBIT-Marge wurde weiter von 4,4 Prozent auf 5,5 Prozent gesteigert. Dabei konnten die Erhöhungen der Rohstoffkosten durch Volumenzuwächse und Preisanhebungen überkompensiert werden, obwohl sie teilweise erheblich waren. So stiegen beispielsweise die Holzpreise um nahezu ein Drittel.

Osteuropa hat damit als Wachstumsregion im zweiten Quartal einen Umsatzanteil von 33,5 Prozent der fortgeführten Konzernaktivitäten erreicht und seine Bedeutung für Pfleiderer weiter erhöht.

Das zum Verkauf vorgesehene und unter nicht fortzuführende Aktivitäten ausgewiesene Nordamerikageschäft verzeichnete im zweiten Quartal einen Umsatzrückgang gegenüber dem Vorjahresquartal von 13,4 Prozent von 104,9 Millionen Euro auf 90,8 Millionen Euro. Für den Rückgang waren im Wesentlichen Wechselkurseffekte verantwortlich, die den Umsatz mit 22,8 Millionen Euro belasteten. Insgesamt lag die Nachfrage im nordamerikanischen Markt zwar über dem Niveau von 2009, hat sich jedoch gegenüber 2010 erneut abgeschwächt, nachdem die Subventionen im Immobilienbereich wieder ausgelaufen waren. Ferner wurde das Wettbewerbsumfeld durch Billigimporte im Bereich Laminatfußböden aus Asien verschärft, wobei sich Pfleiderer bewusst aus diesem Niedrigpreissegment zurückzieht. Das EBIT sank im zweiten Quartal von -0,2 Millionen Euro auf -1,6 Millionen Euro.

Mitarbeiterentwicklung

Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern (inklusive Nordamerika) sank im Vergleich zum 30. Juni 2010 von 5.579 auf 5.177, ein Rückgang um 402 Personen oder 7,2 Prozent. In Westeuropa nahm die Belegschaft im Zuge der Werksschließungen um 9,2 Prozent auf 2.393 ab, in Osteuropa legte sie leicht um 0,6 Prozent auf 1.587 zu. In Nordamerika nahm die Zahl der Beschäftigten um 13,0 Prozent auf 1.094 ab. Gegenüber dem Jahresendstand 2010 (5.373) sank die Konzernbelegschaft um 196 Beschäftigte.

Ausblick

Die weitere Entwicklung des Pfleiderer-Konzerns hängt entscheidend von der Umsetzung des beschlossenen operativen und finanziellen Restrukturierungskonzepts ab. Die Zustimmungen der Gläubigerversammlung im Juni sowie der außerordentlichen Hauptversammlung im Juli zu weitreichenden Kapitalmaßnahmen waren dabei wichtige Meilensteine.

Mehrere Aktionäre und Gläubiger haben gegen die Beschlüsse Klage eingereicht. Das Landgericht Frankfurt/Main hat in erster Instanz den Freigabeantrag der Pfleiderer AG hinsichtlich der Beschlüsse der Gläubigerversammlung abgelehnt. Dagegen wird die Gesellschaft Beschwerde einlegen. Der Vorstand ist nach eingehender juristischer Prüfung der Klagen unverändert zuversichtlich, die entsprechenden gerichtlichen Freigaben zu erhalten. Die Planung von Pfleiderer hat von vornherein eine mögliche Auseinandersetzung über mehrere Instanzen vorgesehen, so dass sich die Restrukturierung weiterhin im Zeitplan befindet.

Operativ geht der Vorstand - auf Basis des bisherigen Geschäftsverlaufs im zweiten Halbjahr 2011 - von der Fortsetzung des verzeichneten Aufwärtstrends der ersten sechs Monate aus. Der Konzernumsatz der fortgeführten Aktivitäten dürfte im Gesamtjahr 2011 aufgrund der Markterholung und trotz der vollzogenen Werksschließungen im mittleren bis höheren einstelligen Prozentbereich wachsen. Dabei wird die Region Osteuropa voraussichtlich zweistellige Wachstumsraten aufweisen, während Westeuropa aufgrund der Kapazitätsanpassungen in etwa stagnieren sollte.

Das auszuweisende Periodenergebnis für das Gesamtjahr 2011 wird davon abhängen, ob und in welchem Umfang die finanzielle Restrukturierung bereits bilanziell wirksam werden wird. Unter der Annahme, dass die finanzielle Restrukturierung bereits vollständig umgesetzt wird, wird für die fortgeführten Aktivitäten bereits für dieses Jahr mit einem positiven Konzernergebnis gerechnet.

Im Jahr 2012 rechnet Pfleiderer für die fortgeführten Aktivitäten mit einem weiteren Umsatzwachstum, sofern sich die derzeitigen gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen, beispielsweise aufgrund der sich verschärfenden Staatsschuldenkrise, nicht substanziell verschlechtern.
09.11.11
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