Politprominenz stand Schlange


Das Nürnberger Streichquartett zog alle Register seines Könnens. Dahinter die Festversammlung mit schier unzähligen prominenten Gratulanten.


Einen Karton mit erlesenem Rotwein überreicht Landrat Albert
Löhner seinem Vorgänger zum "Eintritt in die Rüstigkeit".
Fotos: Erich Zwick
NEUMARKT. Wenn der dienstälteste Landrat auf dem ganzen Globus seinen 80. Geburtstag feiert, dann braucht es nicht zu wundern, wenn die halbe Welt zum Gratulieren erscheint:

Europa-Abgeordneter Albert Deß, Bundestagsabgeordneter Alois Karl, die Landtagsabgeordenten Hans Spitzner und Herbert Fischer, Oberbürgermeister Thomas Thumann und wie sie alle hießen, die Josef Werner Bauer an seinem Ehrentag die Hand schütteln wollten.

Jedenfalls war der Saal des Landratsamtes gesteckt voll mit lauter Prominenten und Wegbegleitern des - wie es Staatssekretär Hans Spitzner schelmisch formulierte - "vom Mittelalter zur Rüstigkeit" hinübergleitenden früheren Kreischefs.

Und was schenkt man einem Jubilar, der schon alles hat, was es an Orden und Ehrenzeichen zu vergeben gibt? Das Problem löste Amtsnachfolger Albert Löhner mit einem Gebinde wertvollen Rotweines und einen Blumenstrauß samt Küßchen für Gattin Sieglinde.


"In die Zange genommen" von zwei CSU-Repäsentanten: Neu-
markts UPW-Oberbürgermeister Thomas Thumann zwischen CSU-
Kreisvorsitzendem Albert Füracker und Landtagsabgeordnetem
Herbert Fischer.
Zuvor hatte Landrat Albert Löhner noch einmal die Verdienste seines Vorgängers aufgelistet, die neumarktonline bereits in der Laudatio auf den "80er" würdigte. Was der Redner noch ergänzte, waren Bauers Verdienste um das Rote Kreuz, dessen Kreisverband er über 20 Jahre als Vorsitzender vorstand. "Dabei hast Du unseren Kreisverband mit zu einem der schlagkräfigsten in ganz Bayern entwickelt", blickte Löhner zurück und erinnerte an die Ernennung zum Ehrenvorsitzenden des Jubilars, der 1979 die Goldene Ehrennadel des BRK und 1993 die gleiche Auszeichnung des Deutschen Roten Kreuzes erhalten hat. "Für dieses großartige Engagement darf ich Dir als amtierender Kreisvorsitzender persönlich und auch im Namen des gesamten Kreisverbandes unseren besonderen Dank aussprechen."

Mit launigen Worten würdigte auch Staatssekretär Hans Spitzner das Lebenswerk des Jubilars, der 1954 - im Jahr der Fußballweltmeisterschaft - nach Neumarkt kam und schon damals als "heimlicher Landrat" in Abwesenheit von Dr. Otto Schedl agierte. Mit einem "ostzonalen Ergebnis" von 86,6 Prozent der Stimmen wurde er Nachfolger seines früheren Chefs. Dass er neben seiner Funktion des frischgebackenen Landrats auch noch den eines Chefarztes am Kreiskrankenhaus ausfüllte, "steckte" ihm, Spitzner, der damalige Oberbürgermeister Theo Betz: "Das Krankenhaus hat nicht nur die beiden Chefärzte Koch und Hörauf, sondern obendrein Bauer und Schambeck " (Willi Schambeck war damals Verwaltungsleiter und wurde von Presseleuten als "Doktor Schambock" apostrophiert).


Sieglinde, die Gattin des Jubilars, versteckt
hinter einem riesigen Blumenstrauß und
verwöhnt mit einem hingehauchten Küß-
chen eines kecken Albert Löhner.
Neben den Verdiensten um die Gebietsreform verhehlte der CSU-Bezirksvorsitzende nicht, dass es Landrat Bauer seiner Partei "nicht leicht gemacht hätte." In Anspielung auf Bauers Kandidatur gegen einen CSU-Bewerber bei der Landratswahl 1972 meinte Spitzner: "Mal hat er uns geärgert, mal wir ihn - aber verbiegen lassen hat er sich nie."

In der Rückschau bezeichnete Spitzner dies als "bekennenden Mut", den er sich auch von anderen gewünscht hätte. Wen er damit einen Seitenhieb verpassen wollte, ließ der Staatssekretär allerdings offen.

In seiner Rückblende ließ auch Josef Werner Bauer die Gebietsreform noch einmal Revue passieren. So haftete ihm ein Ausspruch von Theo Betz in lebhafter Erinnerung: "Der Innenminister, der uns die Kreisfreiheit nimmt, gehört aufgehängt." Der Innenminister - damals Dr. Buno Merk - wurde weder aufgehängt noch zum Teufel gejagt, was andere gehört haben wollen, sondern die Stadt kam zum Landkreis, durfte sich fortan Große Kreisstadt fühlen und ihre Oberbürgermeister weiterhin so nennen.

Das Nürnberger Streichquartett, das die Feier musikalisch umrahmte, wurde nach jeder Rede volkstümlicher, so dass das ohnehin nicht steife Programm immer gelöster wurde und die Gratulationscour am Kalten Büffet ihrem nahrhaften Höhepunkt entgegenstrebte.
Erich Zwick
15.01.06
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