Gedanken zu Mariä Himmelfahrt

Von Dekan Richard Distler

Mitten im Sommer feiert die katholische Kirche ein eigenartiges Fest: Es ist die Aufnahme Mariens in den Himmel mit Leib und Seele. Aber hat nicht der eine oder andere so seine Schwierigkeiten mit diesem Fest. „Mariä Himmelfahrt“ ist immerhin schon ein sehr altes Fest. Bereits seit dem 5. Jahrhundert wird es in der Ostkirche gefeiert und seit dem Mittelalter tragen unzählige Kirchen diesen Namen. Auch unsere Neumarkter Hofkirche, der Dom in Eichstätt und viele andere Kirchen in ganz Deutschland sind der „Aufnahme Mariens in den Himmel“ geweiht.


Es ist auch ein sehr junges Fest. Denn erst im Jahr 1950 hat Papst Pius XII. den Glaubenssatz erlassen, dass „Maria nach Vollendung ihres irdischen Lebenslaufes mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde“. Zuvor hatten ihm dazu 1.181 Bischöfe der ganzen Welt ihre Zustimmung gegegeben, nur 22 waren dagegen. Der weltbekannte Psychologe C.G.Jung nannte dieses Dogma einen „Paukenschlag“. Aber wieso? Wenn Papst Franzikus erst vor kurzem am 29. Juli in Polen das ehemalige KZ Auschwitz besuchte, wenn er dort kein Wort, sondern nur stille Gebete sprach, dann erinnert uns dies wiederum an die Ungeheuerlichkeit der Judenvernichtung in der Nazi-Zeit. Da wurden Millionen geschändet, gequält und vergast. Da galt weder die Würde des Menschen noch etwas, auch nicht sein Leib und seine Seele. Nimmt man dazu noch die weiteren Millionen von Toten des zweiten und des ersten Weltkriegs, dann war 1950 eine Zeit vergangen, die absolut leibfeindlich war und dies trotz der massenhaften Leibesertüchtigung, zu der die Deutschen angehalten wurden.

Genau 5 Jahre danach macht der Papst unmissverständlich klar: Die Jüdin Maria, die für Christen die Muttergottes ist, wurde endgültig mit Leib und Seele in die Gemeinschaft mit Gott angenommen. Aber was ist da unter dem Wort „Leib“ zu verstehen? Der Leib stirbt und verwest doch im Grab oder er wird im Krematorium zu Asche, die dann in einer Urne beigesetzt wird. Gewiss ist das so. Und die Seele? Die Seele sei für den Himmel bestimmt, der Leib aber könne verderben. Doch dann nennt C.G. Jung dieses Dogma vom 15.August zurecht einen Paukenschlag und das heißt: Der Leib ist genauso kostbar wie die Seele. Leib und Seele gehören auf der Erde genauso zusammen wie im Himmel.

Oder um es noch klarer auszudrücken: Alles, was mit Leib und Seele, mit Liebe und Hingabe, mit Herz und Verstand, mit Freude und Einsatz in dieser Welt getan wird, ist nicht für den Untergang oder für die Vernichtung bestimmt, sondern für die Ewigkeit und für den Himmel. All das wird dort aufgehoben, denn nichts davon ist sinnlos und umsonst.

Aber gilt das nur für Maria oder auch für uns? Ja, es gilt auch für uns. Papst Pius nennt deshalb im Glaubenssatz Maria sogar das große Zeichen der Hoffnung und des Trostes für die ganze Menschheit. Zeichen der Hoffnung und des Trostes! Braucht das nicht gerade jetzt unsere Zeit? In Zeiten von Angst und Bedrohung, in denen der Terror des Islamismus nun auch zu uns nach Bayern gekommen ist, wo nicht wenige „Furcht vor der Furcht“ haben, vermittelt uns gerade dieses Hochfest Freude, Hoffnung und Zuversicht.

Gerade Maria, die selber den ganzen Terror um die Kreuzigung ihres Sohnes Jesus miterlebt und miterlitten hat, ist für uns ein glaubwürdiges Zeichen. Mag dieses Fest auch eigenartig sein, aber es gibt uns Antwort auch auf gegenwärtige Ängste und auf unsere existenziellen Sorgen um Leib und Leben und auf unser Sterben.
14.08.16
Neumarkt: Gedanken zu Mariä Himmelfahrt
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