Gedanken zu Pfingsten

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Talk-Shows sind heute in. Da wird nahezu jeden Abend im Fernsehen geredet, debattiert und diskutiert. Natürlich lebt davon eine Demokratie, dass unterschiedliche Meinungen ausgetauscht und neue Einsichten gefunden werden. Doch besteht nicht oft der Eindruck: Hauptsache, man redet, aber ohne wirklich auf den andern zu hören und die eigene Überzeugung zu hinterfragen, geschweige denn, auch mal die Meinung des Konkurrenten gelten zu lassen? Dient das wirklich dem Fortschritt, bewegt sich so wirklich was?

Oder gleichen wir nicht manchmal den Menschen vom Turmbau zu Babel, wo jeder danach trachtete, dass sein Turm möglichst hoch wird, keiner mehr mit dem anderen redete und man sich so gegenseitig nicht mehr verstand? Die bekannte "babylonische Sprachenverwirrung" war geboren. Wo aber ist da ein Durchbruch, ein neues Denken und ein neuer Geist?

Die Antwort gibt uns Pfingsten, das Fest des heiligen Geistes. All zu sehr wird dieses Fest links liegen gelassen, werden die Feiertage nur zu Ausflügen benützt, weil man diesem dritten Hochfest der Kirche keinen Sinn mehr abgewinnen kann. Und doch hat dieses Fest eine ganz hohe Bedeutung für uns alle. Pfingsten ist der Gegenpart zur babylonischen Sprachenverwirrung. Schon beim ersten Pfingstfest in Jerusalem öffneten sich die Türen und die Herzen. Da wehte ein völlig neuer Geist, der Geist der Einheut und des Verstehens, der Geist der Gemeinschaft und der Offenheit, auch gegenüber Fremden.

Es war und ist der heilige Geist, der auch heute verschlossene Türen und Herzen öffnen kann, in der Ehe und Familie, unter verfeindeten Verwandten, Nachbarn, Freunden und Völkern. "Wieso kann jeder den andern in seiner Muttersprache verstehen?" So fragt man sich am ersten Pfingstfest verwundert.

Kann es ein solches Pfingstwunder auch heute geben? Warum nicht? Ein Pfingstwunder entsteht dort, wo es von Mensch zu Mensch oder auch in der Kirche zu einem wirklichen "Dialog der Herzen" kommt, zu dem der Katholikentag in Mannheim dieser Tage aufgerufen hat. Dialog der Herzen meint: Man begegnet sich auf gleicher Augenhöhe, man achtet und respektiert auch eine andere Überzeugung, aber so, dass man nicht nur auf das Trennende, sondern auf das Verbindende schaut. Dialog heißt, sich in den andern hineindenken und hineinfühlen, ihn nicht demütigen, sondern ihm mit liebendem Herzen begegnen. Oft wird der Dialog, die Zwiesprache und die ernsthafte Aussprache gemieden oder gar belächelt. Aber ist nicht gerade die Sprach- und Dialogfähigkeit unter Menschen ein Widerhall des ständigen Dialogs Gottes mit uns Menschen?

Der Brückenbauer dieses Dialogs ist Jesus selbst, ist der heilige Geist. Pfingsten also kein überflüssiges, sondern eher schon ein durch nichts ersetzbares Fest, ein Fest der Einheit und Gemeinschaft, das unsere oft so zerrissene Welt und Kirche dringend notwendig hat.
26.05.12
Neumarkt: Gedanken zu Pfingsten
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