Thumann vs. Thumann


Werner Thumann (2.v.r.) erhielt über 99 Prozent der Stimmen
NEUMARKT.Über 99 Prozent der Stimmen: eine überwältigende Mehrheit der CSU-Delegierten schickte Werner Thumann ins Rennen um den Chefsessel im Neumarkter Rathaus (wir berichteten bereits kurz).

Dort soll er gegen seinen Namensvettern und amtierenden Oberbürgermeister Thomas Thumann antreten und möglichst die Schmach tilgen, als bei der letzten Wahl der UPW-Außenseiter im ersten Wahlgang die sieggewohnte CSU demütigte.

Einen amtierenden Oberbürgermeister wieder abzulösen sei "wohl eine der schwierigsten Aufgaben, die die CSU in Neumarkt bei Wahlen jemals zu bewältigen hatte", erklärte Werner Thumann am Montagabend vor den CSU-Delegierten und bat um Unterstützung: "Alleine werde ich das nicht schaffen"

Er tue das nicht, "um eigene Karrieresehnsüchte zu befriedigen, sondern weil ich eine gute Zukunft für Neumarkt sichern möchte und weil ich es mir zutraue, Neumarkt wieder nach vorne zu bringen, in Neumarkt wieder etwas zu bewegen, so wie wir es immer gewohnt waren", sagte der neue Kandidat.

Wir veröffentlichen fast den vollständigen Wortlaut der Antrittsrede:

Wir sind heute zu einer äußerst wichtigen Stadtdelegiertenversammlung zusammengekommen, zu einer Stadtdelegiertenversammlung mit entscheidender Tragweite für die weitere Zukunft unserer geliebten Heimatstadt Neumarkt i.d.OPf.

Wir sind zusammengekommen um wieder einmal Verantwortung für Neumarkt zu übernehmen. Wir sind es gewohnt Verantwortung zu übernehmen und haben dies über Jahrzehnte mit größtem Erfolg für unsere Stadt und die Bürger dieser Stadt getan.

Die früheren CSU-Oberbürgermeister Theo Betz, Kurt Romstöck und Alois Karl waren zusammen mit den jeweiligen stellvertretenden Bürgermeistern und Generationen von weitsichtigen CSU-Stadträten aber auch anderer Parteien der Garant für das Aufblühen unserer Stadt, wie es nach den verheerenden Zerstörungen am Ende des zweiten Weltkrieges wohl niemand erwartet hatte.

Der schnelle und wunderschöne Wiederaufbau unserer Stadt unter Theo Betz, der äußere Verkehrsring um Neumarkt und der Wiederaufbau des Reitstadels als kultureller Mittelpunkt unter Kurt Romstöck und die Durchführung der unvergesslichen Landesgartenschau unter Alois Karl seien exemplarisch als herausragende und besonders schwierige Meisterleistungen genannt, die wohl niemand der derzeitigen Stadtspitze zutrauen würde.

Dennoch haben die Bürger der Stadt Neumarkt in den zurückliegenden beiden Wahlen ihrer alten Liebe, der CSU, das Vertrauen entzogen, weil der Eindruck entstanden war, dass trotz herausragender Leistungen die Bodenhaftung etwas verloren gegangen war und der Leitspruch der CSU "Näher am Menschen" nicht mehr durchgängig gelebt wurde.

Unser bayerischer Ministerpräsident Horst Seehofer meinte vor der Klausurtagung in Wildbad Kreuth mit Blick auf die damalige und derzeit noch erheblich größere Unruhe in der FDP:

"Es sind stets dieselben Stufen: Erst kommt der Erfolg, dann schleichen sich Fehler ein, dann beginnt die Suche nach den Sündenböcken und am Ende kommt die Selbstfindungsphase."

Nun müssen wir als CSU selbstkritisch anmerken, dass dieser Zyklus auch auf uns, auch auf die CSU auf allen Ebenen und eben auch in Neumarkt zutrifft.
Nach zwei Wahlniederlagen stelle ich jedoch fest, dass wir nach einigen Jahren, zugegebenermaßen mit etwas gedrückter Stimmung wieder Tritt fassen, dass sich unsere Selbstfindungsphase dem Ende zuneigt, hatte ich beim Neujahrsempfang noch gesagt. Heute sage ich: "Sie ist beendet und wir blicken mit Zuversicht und großer Tatkraft nach vorne.

Ich habe in den letzten Wochen alle 14 CSU-Ortsverbände bei den Ortsneuwahlen besucht, mit unseren Mitgliedern gesprochen und eine große Geschlossenheit in unserer Partei verspürt. Ich durfte eine sehr große Motivation aus diesen Versammlungen mitnehmen und bedanke mich bei unseren treuen Mitgliedern aufrichtig dafür.

Aber auch als CSU-Fraktion waren wir in der zurückliegenden Zeit wieder, wie stets gewohnt, die konstruktive Kraft im Neumarkter Stadtrat.
Wir haben die allermeisten Projekte uneingeschränkt unterstützt und häufig sogar noch etwas weiterentwickelt.

Wir haben über die Unterstützung vorgelegter Projekte hinaus, sogar häufig eigene Vorschläge eingebracht und versucht Entwicklungen beschleunigt voranzutreiben.

Hierbei darf ich nur exemplarisch an unsere Initiativen zur Stärkung der Altstadt und in Verbindung damit der Wiederansiedelung eines Lebensmittelvollsortimenters, der Wiedereinführung der ersten kostenfreien Parkstunde in den Parkhäusern und der Tiefgarage, der Lösung des Sportplatzproblems des TSV Wolfstein, der Umsetzung des von uns angeregten und seit zwei Jahren beschlossenen Schlossparks für Woffenbach und das entschiedene Vorantreiben eines Ganzjahresbades erinnern.

In all den geschilderten Fällen gab es keine Blockade von Projekten, die man uns ohne jegliche Grundlage manchmal vorwirft, sondern mangelnden Umsetzungswillen und zögerliche Unterstützung durch die Stadtspitze.

Ich habe mich bei der Vorbereitung dieser Rede nochmals gefragt:
Woran liegt das eigentlich, dass uns in den letzten fünf Jahren Entscheidungen so schwer fallen, dass Entscheidungen teilweise gar nicht mehr stattfinden und eine Projektumsetzung häufig auf der Stelle tritt.

Meine Damen und Herren, liebe Stadtdelegierte,

Wir müssen ein Bild von der Zukunft unserer Stadt entwickeln. Wir brauchen ein Bild vor Augen, wie Neumarkt in fünf, zehn oder fünfzehn Jahren aussehen soll. Wir brachen dies als übergeordneten Orientierungsrahmen, in den sich unsere momentanen Detailentscheidungen einfügen können.
Wenn wir dieses Bild nicht entwickeln – und auch kontrovers ausdiskutieren – werden wir aus dem Durchwursteln, wie ich es in den letzten drei Jahren erlebt habe, nicht herauskommen.

Wir diskutieren dann immer nur Details;
Beginnen beispielsweise im Januar mit dem Einkaufszentrum,
reden im Februar über den Tunnel,
im März über die Trinkwasserversorgung,
im April über das Biomassekraftwerk,
im Mai über das Kino und das Turnerheim,
im Juni über die Jurahallen oder eine Stadthalle,
im Juli über die Attraktivierung der Altstadt
um im August wieder von vorne mit dem Einkaufszentrum zu beginnen.
Wir drehen uns im Kreis!

Hätte man ein Bild von der Zukunft unserer Stadt, diesen übergeordneten Orientierungsrahmen würden wir uns auch leichter tun mit einer Priorisierung unserer Projekte, wie ich sie für die CSU- Fraktion seit einem Jahr immer wieder einfordere.

Wir müssen uns entscheiden, welche Projekte wir zuerst umsetzen wollen und in welcher Reihenfolge. Wir müssen uns entscheiden, welche Projekte wir zunächst zurückstellen, auch vor einem finanziellen Hintergrund, auch in Neumarkt, denn Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit und eine solide Finanzplanung bleiben für die CSU- Stadtratsfraktion handlungsorientierende Grundprinzipien.

Denn alleine die immer wieder diskutierten Großprojekte Einkaufszentrum mit verkehrsmäßiger Anbindung beispielweise über einen sehr teueren Tunnelbau, ein sehr teueres Biomasseheizkraftwerk, Ganzjahresbad, Stadthalle und Sanierung der Jurahallen stellen unter dem Summenstrich tatsächlich ein unerfüllbares Wunschkonzert dar.

Deshalb ist es die zentrale Forderung der CSU-Fraktion zu einer Politik der Prioritäten zu kommen. Es ist wenig hilfreich über Projekte zu reden, dann diese wieder monate- und teilweise jahrelang ruhen zu lassen, um andere Projekte anzudiskutieren und dann zu einer teilweise chaotischen und hektischen Diskussion der lange ruhenden Projekte zurückzukehren.

Hier ist die ordnende und führende Hand eines Oberbürgermeisters dringend erforderlich, aber derzeit immer weniger spürbar, wie ganz aktuell die überraschende Absetzung der, für morgen geplanten Stadtratssondersitzung zum Biomasseheizkraftwerk zeigt. (Eine exakte Wiederholung übrigens der Vorgänge im letzten Jahr)

Für die nächsten Jahre sind nun sogar noch weitere kostenintensive Projekte, wie das Turnerheim, die Beteiligung an Windkraftanlagen oder an Wasserkraftwerken am Inn hinzugekommen.

Wir haben es mit einem Ankündigungskarussell zu tun, dass sich immer schneller dreht, in der Realität ist jedoch nicht eines dieser Projekte umgesetzt, ja noch nicht einmal genehmigungsreif geplant.

Nach äußerst konservativen und vorsichtigen Schätzungen komme ich zu einem diskutierten Investitionsvolumen von 150 bis 170 Millionen Euro, einen Betrag über den auch die Stadt Neumarkt nicht verfügt.
Deshalb ist es nicht verwunderlich, dass selbst der Kämmerer der Stadt Neumarkt bei tatsächlich kalkulierten 136 Millionen Ausgaben bis 2014 darauf hinweist, das sich dann Rücklagen und Schulden jeweils in Höhe von 12 Millionen die Waage halten werden, d.h. die derzeitigen Rücklagen vollständig aufgezehrt sein werden.

Wir haben es also mit einem unüberschaubaren Entscheidungsstau und im Gefolge mit einem erheblichen Investitionsstau zu tun.

Zu deutsch: Wir diskutieren in schwindelerregender Millionenhöhe immer führungsloser immer mehr Projekte und setzen abgesehen von Routinemaßnahmen im Schul-, Straßen- und Kanalbau nichts um.

Dabei dürfen wir auch unsere Verwaltung nicht überstrapazieren und angesichts zahlloser Parallelplanungen der unterschiedlichsten Projekte auch nicht demotivieren durch die jahrelange Ergebnislosigkeit ihrer Arbeit.

Nun, meine sehr geehrten, liebe Stadtdelegierte meine ich, wir waren immer stolz auf unsere Heimatstadt Neumarkt und wir sollten an der geschilderten misslichen Lage etwas ändern, weil wir uns mit Leidenschaft, Tatkraft und der uns eigenen Entscheidungsfreude den anstehenden Aufgaben zuwenden möchten.

Wenn Sie dies wünschen, wäre ich nach reiflicher Überlegung dazu bereit für die CSU und die Bürger Neumarkts als Oberbürgermeister zu kandidieren.

Ich tue das nicht um eigene Karrieresehnsüchte zu befriedigen, sondern weil ich eine gute Zukunft für Neumarkt sichern möchte und weil ich es mir zutraue Neumarkt wieder nach vorne zu bringen, in Neumarkt wieder etwas zu bewegen, so wie wir es immer gewohnt waren.

Man könnte meine Kernmotivation auch mit einem Zitat von Albert Einstein umschreiben, der gesagt hat:

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben."

Nun möchte ich es nicht mit Albert Einstein aufnehmen, aber ich halte seine Aussage für etwas egoistisch und ändere Sie deshalb für mich ein wenig ab:

"Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr werden unsere Kinder und auch meine beiden Söhne leben."

Um diese schwierige Aufgabe anzugehen brauche ich aber dringend Euere Unterstützung und Hilfe. Es ist wohl eine der schwierigsten Aufgaben, die die CSU in Neumarkt bei Wahlen jemals zu bewältigen hatte:
Einen amtierenden Oberbürgermeister wieder abzulösen.
Alleine werde ich das nicht schaffen.

Unser Dekan Monsignore Richard Distler hat in meiner Pfarrei Hl. Kreuz vor einer Woche zur dort in Kürze anstehenden Primiz von Armin Heß wörtlich gepredigt:

"Das bringt doch nichts, wenn wir nur den Primizianten auf den Schild heben und dann sagen: Der macht das schon, das ist ein netter, fähiger Mann, dem trauen wir das zu – und keine Aufbruchstimmung, keine echte innere Bewegung bei uns selbst entsteht."

Ein Fraktionsmitglied hat mir kürzlich eine E-Mail geschickt in der zu lesen war:
"Lieber Werner, wir müssen uns in Kürze mal unterhalten wegen Deiner Mission."
Ich habe dann im Gespräch erwidert: " Das ist nicht meine Mission, das ist unsere Mission!"

Liebe Freunde,
es ist unsere Mission für eine gute Zukunft unserer Heimatstadt Neumarkt zu sorgen.

Ich gehe sogar soweit zu sagen, dass es die wichtigste und vornehmste Aufgabe eines Oberbürgermeisters sein muss, die Bürgerschaft immer wieder – auch durch eigenes Vorbild - zu motivieren zur Mitmach-Stadt Neumarkt i.d.OPf.

Denn nur wenn wir alle in den Familien, in den Unternehmen am Arbeitsplatz und im reichhaltigen gesellschaftlichen und Vereinsleben unserer Stadt engagiert bleiben, wenn wir keine passive Beobachter-Rolle einnehmen, werden wir eine gemeinsame, gute Zukunft vor uns haben.

Zumindest eine Tatsache dürfen wir dem derzeitigen Oberbürgermeister in diesem Zusammenhang an demotivierendem, wenig vorbildlichem Verhalten nicht durchgehen lassen:

Dass er sich für Ankündigungen feiern lässt, für kleine Erfolge, sofern überhaupt vorhanden, mit Vokabeln wie "historischer Meilenstein" bejubeln lässt, für zahlreiche Misserfolge und den erkennbaren Stillstand jedoch andere, wie die Verwaltung oder den Stadtrat, verantwortlich macht ist für uns nicht hinnehmbar.

Er gibt sich dann als unbeteiligter Dritter, als reiner Moderator, als einer, der sozusagen nur zufällig dabei ist.

Die Spitze dieser Entwicklung war seine Haushaltsrede als UPW-Fraktionsvorsitzender im Kreistag, als wir am 1. April – es war allerdings kein Aprilscherz - in der Tageszeitung lesen durften:

"Ich möchte nicht verhehlen, dass ich mir als Oberbürgermeister ein ebensolches entscheidungsfreudiges und zielorientiertes Gremium wie den Kreistag wünschen würde."

Es dürfte nun wirklich historisch gewesen sein, dass sich ein Oberbürgermeister der Stadt Neumarkt pauschal über den eigenen Stadtrat im Kreistag beklagt, um über die eigene Führungsschwäche hinwegzutäuschen und die Dinge derart auf den Kopf zu stellen.

Es ist uns in unserer beratenden Funktion als Stadtrat bisher nicht gelungen, dem Oberbürgermeister seine Rolle als die zentrale Führungskraft an der Spitze des Stadtrates und der Verwaltung zu vermitteln.

In der Wirtschaft wäre er der Vorstandvorsitzende, der Top-Manager eines Unternehmens, der auch bei Misserfolgen zu seiner Verantwortung stehen müsste und sich nicht über die eigene Belegschaft beklagen könnte.

Im Sport wäre er der Trainer, der die Mannschaft von Spiel zu Spiel wieder erneut motivieren müsste. Ich habe es noch nicht erlebt, dass ein Trainer in einem anderen Stadion sich vor einer anderen Mannschaft über die Schwäche der eigenen Mannschaft auslässt.

Im Sport wird dann ja auch oft die Frage gestellt: "Liegt es an den Spielern oder am Trainer?" oder "Erreicht der Trainer die Mannschaft noch?"

Neue Spieler, d.h. neue Stadträte bekommt der Oberbürgermeister erst bei der nächsten Kommunalwahl 2014 wieder. Er muss zumindest noch eine gewisse Zeit mit diesem Kader leben.

Einen Trainerwechsel könnte es allerdings bereits in diesem Herbst geben.

Ich danke Euch für Eure Aufmerksamkeit und bitte Euch nochmals um Eure aktive Unterstützung.

12.04.11
Neumarkt: Thumann vs. Thumann
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