Zwischenzeugnisse "drohen"

Am Freitag gibt es Zwischenzeugnisse
Foto: Techniker Krankenkasse
NEUMARKT. Am Freitag droht wieder für viele Schüler die Stunde der Wahrheit: Es gibt Zwischenzeugnisse für das Schuljahr 2010/11.
Schulamt und Regierung raten den Eltern zu einer sachlichen Analyse der Leistungen des ersten Halbjahres und zu vertrauensvollen Gesprächen mit den Kindern.
Wichtig sei es, dass Eltern schulische Minderleistungen ihres Kindes nicht als persönliche Kränkung auffassen und sich zu unangemessenen Reaktionen hinreißen lassen. Vorwürfe oder gar Strafandrohungen helfen nicht wirklich weiter, hieß es. Schon im Vorfeld der Zeugnisse sollte mit den Kindern über die zu erwartenden Resultate gesprochen werden, um unangenehme Überraschungen und Fehlreaktionen zu vermeiden.
Im Raum Neumarkt hat es glücklicherweise in den letzten Jahren hier keine schwerwiegenden Probleme gegeben, sagte Schulamtsdirektor Dieter Lang auf Anfrage von
neumarktonline. Er rief den Eltern, bei Fragen zuerst den Kontakt zu den Lehrern zu suchen.
Das Zwischenzeugnis gilt als eine vorläufige Leistungsbilanz und wichtiger pädagogischer Fingerzeig, heißt es in einer Pressemitteilung der Regierung der Oberpfalz. Die Zwischenzeugnisse gibt es am "letzten Unterrichtstag der zweiten vollen Woche im Februar". An den Grundschulen stellen die Viertklässler bereits seit 2009 eine Ausnahme dar: Statt eines Zwischenzeugnisses wurde ihnen schon im Januar eine Zwischeninformation über die Leistungen in allen Fächern ausgehändigt. Im Mai erhalten dann alle Schüler der Jahrgangsstufe 4 ein Übertrittszeugnis.
Die Zwischenbilanz über die im ersten Halbjahr erbrachten Leistungen ermöglicht einen objektiven Blick auf die Ergebnisse der zurückliegenden Arbeit, auf sich abzeichnende Stärken und Schwächen. Zwischenzeugnisse können so erfolgreiche Arbeit bestätigen und damit motivieren, den erreichten Stand zu halten oder gar zu steigern, vor allem aber auch auf Schwächen und sich anbahnende Fehlentwicklungen rechtzeitig aufmerksam machen.
Spätestens jetzt sei für Eltern das Gespräch mit ihren Kindern und mit den zuständigen Lehrkräften dringend geboten, um notwendige Schritte für das zweite Halbjahr einleiten zu können. Es gäbe übrigens eine Vielzahl von Möglichkeiten, vorhandene Wissenslücken zu schließen, dabei auf fundierte individuelle Fördermöglichkeiten zurückzugreifen und so mögliche Defizite und Schwächen zu mindern oder gar auszugleichen.
In diesem Zusammenhang rät auch Regierungspräsidentin Brigitta Brunner den Eltern zu einer sachlichen Analyse der Leistungen des ersten Halbjahres und zu vertrauensvollen Gesprächen mit den Kindern. Sie stellt besonders heraus, dass das Positive dabei nicht als Selbstverständlichkeit gesehen, sondern auch entsprechend belobigt werden sollte.
Weniger angenehm verlaufende Entwicklungen bedürfen der gezielten Unterstützung durch die Eltern, die in den Klassenlehrkräften die ersten Ansprechpartner finden, um gemeinsame Wege zu finden, um den Kindern wieder Mut zu machen und ihnen den nötigen Antrieb zu geben, ihr Leistungsbild zu verbessern.
Regierungspräsidentin Brunner lenkt den Blick in diesem Zusammenhang auch auf die "hohe Durchlässigkeit" des Bayerischen Schulsystems, das jedem Schüler unterschiedlichste Bildungswege eröffne, so dass Notenschnitte deshalb auch nicht zur seelischen Belastung für die Kinder werden sollten.
Hier werde besonders deutlich, wie wichtig es sei, schon während des gesamten Schuljahres die Zusammenarbeit mit den Lehrkräften zu pflegen. Sie kennen die Kinder und deren Begabungsstrukturen sehr gut und können so in gemeinsamer Verantwortung Problemen rechtzeitig begegnen. Unangenehme Überraschungen und ängstigende Zeugnistermine müssten dann nicht sein.
Im Freistaat ist angeblich jeder zweite Schüler von der Schule gestresst, jeder siebte steht sogar "stark unter Druck". Der Leistungsdruck sowie die Angst vor schlechten Noten belastet jeden vierten, wie eine Auswertung der Techniker Krankenkasse (TK) zeigt, für die das Forsa-Institut 1000 Eltern zum Stresslevel ihrer Kinder interviewt hat.
Junge Menschen reagieren unterschiedlich, wenn sie unter Druck geraten. Am häufigsten werden von den bayerischen Eltern Konzentrationsstörungen genannt. Das gaben 29 Prozent der Befragten an - mehr als in jedem anderen Bundesland. Unter häufige Kopfschmerzen leidet, laut den Eltern, jedes siebte Kind im Freistaat. Zwölf Prozent der bayerischen Kinder - ein Drittel mehr als im Bundesdurchschnitt - macht das besonders vor Beginn des Unterrichts zu schaffen.
16.02.11
Neumarkt: Zwischenzeugnisse "drohen"