Gedanken zum Weihnachtsfest

Von Monsignore Richard Distler, Dekan

In diesen Tagen zwischen Weihnachten und Neujahr geben wir uns gegenseitig gute Wünsche mit auf den Weg. Schon die Kinder fragen wir nach ihren Wünschen oder auch mal Angehörige oder Freunde, ob wir ihnen einen bestimmten Wunsch erfüllen dürfen. Der Inhalt unserer Wünsche ist sehr unterschiedlich. Er reicht von materiellen Dingen bis hin zu guter Gesundheit, zu Glück und Zufriedenheit oder auch bis dahin, dass wir selber uns wünschen, andere zu lieben oder von ihnen geliebt zu werden.

Diesen letzteren Herzenswunsch hat uns Gott an Weihnachten erfüllt. Er hat uns zur Weihnacht ein einmaliges und ganz kostbares Geschenk aus dem Fundus seiner göttlichen Liebe gemacht. Aber was ist dieses Gottesgeschenk? Sein Geschenk an uns und die ganze Menschheit ist das Christkind, das göttliche Kind in der Krippe. Aber warum beschenkt uns Gott ausgerechnet mit einem Kind? Wenn jungen Eltern heutzutage, wo es zu wenige Kinder gibt, ein Kind geschenkt wird, dann freuen sie sich oft sehr darüber und viele freuen sich mit ihnen. Ein Kind verändert eine Familie. Wenn ein Neugeborenes da ist, dann verlangt das viel Aufmerksamkeit, auch mal durchwachte Nächte, Fürsorge und Rücksichtnahme. Oder kurz: Ein Kind verlangt viel Zeit, Geduld und Liebe.

Aber was will uns nun Gott mit dem Christkind als seinem Gottesgeschenk eigentlich sagen? Er will uns damit sagen, dass er ganz viel Geduld und Zeit für uns übrig hat und dass er vor allem unsere Sehnsucht nach Liebe und Geliebtwerden erfüllen möchte. Ein Kind zu lieben, fällt eigentlich nicht schwer. Kinder öffnen sehr schnell unser Herz. Kinder sind unbefangen und lockern auch versteinerte Mienen. War es vielleicht deshalb die Idee Gottes, uns in einem Kind zu begegnen? War es seine Idee, alles in uns aufzubrechen, was versteinert, verkrustet und verhärtet ist und so unsere Herzen liebenswerter zu machen?

Der große Theologe Karl Rahner sagt einmal: "Weihnachten haben nicht wir gemacht, Weihnachten hat Gott gemacht!" Oder man könnte auch sagen: Gott hat Weihnachten deshalb gemacht, um unseren Urwunsch, unsere Ursehnsucht nach Liebe und Geliebtwerden zu stillen. Wie aber erfüllt Gott diese Sehnsucht? Er erfüllt sie dadurch, dass er hinabsteigt in all unsere menschlichen Abgründe und Untiefen, in unsere Einsamkeit und Verlorenheit, in unsere Ohnmacht und Hilflosigkeit. Ist das nicht Liebe in reinster Form? An Weihnachten sagt Gott zu uns: Mensch, fürchte dich nicht, ich bin in deiner Not, ich habe sie selbst erlitten, ich bin in deinen Abstürzen, denn ich bin sogar hinabgestiegen in die Hölle und "ich bin sogar in deinem Tod", wie Karl Rahner schreibt, "denn heute begann ich mit dir zu sterben, da ich geboren wurde". Das würde ja dann bedeuten: Wer das Christkind annimmt, wer sich auf das Gottesgeschenk in der Krippe einlässt, der wird selbst trotz aller Todverfallenheit wie neu geboren, weil die Weihnacht, diese heilige Nacht Gottes, all unsere Tage und Nächte, ja sogar unseren Tod umschließt.

Aber klingt das alles nicht schon ein wenig nach Ostern? In der Tat: Weihnachten gibt es nicht ohne Ostern. Die Lichter der Weihnacht stammen vom Licht der Osterkerze. Denn das Kind in der Krippe und das Fest seiner Geburt ist deshalb so bedeutsam, weil der Glaube in ihm schon den Auferstandenen und den Welterlöser sieht, also den, der uns sogar durch die Nacht des Todes begleitet und uns hineinführt in die Auferstehung und ins ewige Leben.

Auf diesen Welterlöser weist schon die Weihnachtsbotschaft der Engel an die Hirten hin: "Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, der ist Christus, der Herr!" Weihnachten ist dann nichts anderes als die Ankunft dieses Retters in unserer Welt. Von diesem Retter strömt Leben aus, ewiges Leben, Licht, Liebe und ewiges Geliebtwerden. Weihnachten besagt also: es ist zu wenig, unsere Wünsche und unsere Sehnsucht nur auf das Materielle oder nur auf Geschenke oder aufs Essen und Trinken zu richten. Wir müssten dabei nur verdursten und verhungern. Dieses großartige Fest sagt uns: Mensch, deine Wünsche und deine Sehnsüchte sind doch viel größer: Weite sie auf den hin, der uns in Christus das große Geschenk einer ewig-unendlichen Liebe gemacht hat.
24.12.10
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