"Strukturen erhalten"

NEUMARKT. Die "Gesundheitswirtschaft" ist nach Einschätzung des Berger Bürgermeisters Helmut Himmler eine der herausragenden Zukunftsbranchen im 128.000 Einwohner zählenden Landkreis Neumark.

Daher gelte es, sich zukunfts- und wettbewerbsfähig zu machen, zumal in der Nachbarschaft im Großraum Nürnberg-Erlangen sowie Regensburg Kliniken der höchsten Versorgungsstufe als Wettbewerber vorhanden seien.

Die sogenannte Bruttowertschöpfung der Gesundheitswirtschaft mit allen vorhandenen Dienstleistern sei im Zeitraum von 1996 bis 2006 von 160 Millionen Euro auf 280 Millionen Euro gestiegen und dürfte aktuell bei über 300 Millionen Euro liegen. Der Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung mache knapp neun Prozent aus und im Bereich der Gesundheitswirtschaft im Landkreis Neumarkt arbeiten inzwischen rund 6000 Menschen. Daher sei die Gesundheitsbranche mit der Bauwirtschaft der bedeutsamste Wirtschaftsbereich im Landkreis Neumarkt und ein "Jobmotor" in Gegenwart und Zukunft.

Die zahlreichen Teilnehmer an der "Gesundheitskonferenz Berg" - Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Apotheker, medizinische Dienstleister, Betreiber des Senioren- und Pflegeheims Doktorshof, Gemeinderäte und interessierte Bürger - waren sich einig, dass die wohnortnahe Versorgung der Bevölkerung in der Gemeinde Berg gut organisiert ist und die derzeitige Versorgung der Bürger mit medizinischen Dienstleistungen "passt".

Bürgermeister Helmut Himmler hatte nach der Gesundheitskonferenz auf Landkreisebene in Berg zu einer lokalen Gesprächsrunde geladen, um mit den Fachleuten die wohnortnahen Dienstleistungen im Gesundheitsbereich als wichtige Aufnahme der sogenannten Daseinsvorsorge zu erörtern. Diskutiert wurden die derzeitige Versorgungssituation, absehbare Entwicklungen und gegebenenfalls erforderliche Weichenstellungen im lokalen Bereich der Gemeinde.

Dr. Marie-Luise Vogel, Vorsitzende der Hausärzte auf Oberpfalz-Ebene, sprach von einem bevorstehenden "eklatanten Mangel an Hausärzten", der noch immer völlig unterschätzt werde und gerade im ländlichen Bereich die Versorgungsstrukturen bedrohe. Rund 90 Prozent aller Krankheiten würden schließlich von Hausärzten diagnostiziert und geheilt.

Sämtliche anwesende Mediziner waren sich einig in der Zielsetzung, die bestehenden Strukturen in Berg erhalten zu wollen. Die derzeitige Gesundheitspolitik führe aber zwangsläufig zu einer Zerstörung und Auflösung der dezentralen, kleinteiligen Versorgungsstrukturen mit dem gegebenen Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient.

Es müssten mehr Mediziner ausgebildet werden und mehr junge Leute für die Tätigkeit des Hausarztes motiviert werden, hieß es. Die medizinische Versorgung – so Dr. Karl Lehmeyer – werde in Zukunft auf jeden Fall "weiblicher" werden. Der Frauenanteil an Ärzten steige beständig und es sei daher eine wichtige kommunale Aufgabe, Berufstätigkeit und Familie mit Kinderbetreuung für junge Frauen zu ermöglichen.

Einig waren sich Mediziner und Kommunalpolitiker, dass die Versorgung der Bevölkerung durch sogenannte medizinische Versorgungszentren (MVZ), die in der Regel von den großen Gesundheitskonzernen mit "maximalem Profitinteresse" betrieben werden – kontraproduktiv für die örtliche Gesundheitsversorgung der Bevölkerung wären.

Sehr deutlich wurde von allen Ärzten und medizinischen Dienstleistern Kritik an der bestehenden Gesundheitspolitik geübt. Diese schaffe keine berechenbare Planungssituation, ändere ständig die Voraussetzungen mit der Folge einer überbordenden Bürokratie und zerstöre Vertrauen.

Bürgermeister Helmut Himmler dankte am Ende der Veranstaltung allen Teilnehmern für die engagierte Diskussion sowie die tägliche Arbeit im Sinne der Bürger, die alle "zeitweise auch Patienten und Hilfesuchende" seien.

Die Gesundheitskonferenz Berg soll – so der Bürgermeister – keine einmalige Veranstaltung bleiben, sondern in regelmäßigen Abständen wiederholt werden.
06.10.10
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