"Kooperation möglich"

NEUMARKT. Umweltschützer und Sand-Abbau-Firmen gelten nicht als natürliche Freunde - doch in Neumarkt zeichnet sich eine Kooperation ab.

Auf Einladung der Kreisgruppe Neumarkt des Landesbundes für Vogelschutz in Bayern (LBV) sprach Marc Sitkewitz vom LBV-Unterfranken im Neumarkter Johanneszentrum über die erfolgreiche Kooperation zwischen dem LBV und den Kies-, Sand- und Gesteinsabbauunternehmen in der Region Mainfranken. Kreisgruppenvorsitzender Söhnlein konnte bei dem gut besuchten Vortrag auch mehrere Vertreter örtlicher Abbaufirmen begrüßen.

Der Vertreter einer Firma bezeichnete das Projekt des LBV sogar als vorbildlich und bot der Neumarkter Kreisgruppe an, eine ähnliche Kooperation im Raum Neumarkt zu unterstützen. Die Kreisgruppe wird diesen Vorschlag gerne aufgreifen, hieß es.

Sitkewitz schilderte den ökologischen Wert von Steinbrüchen, Kiesgruben und Sandgruben als "Lebensräume aus zweiter Hand". Für viele Tier- und Pflanzenarten sind die Abbauflächen unentbehrliche Ersatzlebensräume, weil die ursprünglichen Habitate wie natürliche Flussauen extrem selten geworden sind. Als Beispiele nannte Sitkewitz den Uhu, die Uferschwalbe und den Flussregenpfeifer, aber auch Amphibien wie die Gelbbauchunke.

Schon mit einfachen Maßnahmen könnten bereits während des Abbaus Lebensräume für bedrohte Arten geschaffen oder geschützt werden. Oftmals fehle es den Unternehmen an den entsprechenden Kenntnissen über Vorkommen und Lebensweise dieser Arten.

Gemeinsam mit dem "Industrieverband Steine Erden" und mehreren Firmen geht der LBV in Unterfranken seit einigen Jahren neue Wege: Zwischen dem LBV und den jeweiligen Firmen werden Kooperationsverträge abgeschlossen, durch die der LBV einerseits seine Erfahrung und sein Wissen über das Vorkommen bedrohter Arten einbringt, das Unternehmen andererseits den aktiven Mitgliedern des LBV den Zutritt zu den Abbauflächen ermöglicht und biotopverbessernde Maßnahmen auf seinen Flächen zulässt und mit eigenen Maschinen und Personal unterstützt.

Die Firmen in Mainfranken haben sich darüber hinaus in einem Arbeitskreis zusammengeschlossen. Dieser Arbeitskreis finanziert die Bezahlung einer hauptamtlichen Fachkraft, die im Auftrag des LBV Führungen für Schulklassen und Gruppen in geeigneten Abbauflächen durchführt. Ein Unternehmer will sogar ein "grünes Klassenzimmer" auf seinem Gelände einrichten. Die Firmen würden von dieser Kooperation auch dadurch profitieren, dass sie vom LBV bei der Erweiterung ihrer Abbauflächen frühzeitig Kartierungsdaten und fachlichen Rat erhielten, hieß es.

Die Teilnehmer an der Veranstaltung waren sich einig, dass durch eine Kooperation zwischen Naturschutz und Rohstoffabbau gefährdeten Tier- und Pflanzenarten wirksam geholfen werden kann, auch wenn Konflikte zwischen den unternehmerischen Interessen und naturschutzfachlichen Zielen "natürlich im Einzelfall nicht ausgeschlossen werden können".
02.03.10
Neumarkt: "Kooperation möglich"
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