"Staunen, schweigen..."

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Warum ist das so? Weihnachten, der heilige Abend und die heilige Nacht sind in Deutschland etwas ganz Besonderes. Da rückt die Familie zusammen, man besucht und beschenkt sich. Keiner soll vergessen werden, allen voran die Kinder. Die Wohnzimmer sind auf Hochglanz. Oft ist sogar ein Christbaum oder eine Krippe zu sehen, dazu Lichter in Hülle und Fülle. Alles ist festlich gestimmt und in der Küche wird das Lieblingsessen vorbereitet. Viele gehen auch in die zahlreichen Christmetten.

Warum ist das so? Was ist da an Weihnachten so attraktiv? Warum ist dieses Fest so hervorgehoben? Was ist das Besondere daran? Sind es nur Glitzer, Glanz und Gloria, ein bisschen Stimmung, vielleicht nur ein schönes Familien- und Friedensfest? Was steckt eigentlich hinter all dem Äußeren? Was verbirgt sich hinter der Festlichkeit? Ist es die vielleicht doch eine noch größere Sehnsucht, als sie durch Kommerz, Geschenke und schönes Feiern gestillt werden kann? Ist da vielleicht im Untergrund des Herzens ein ganz verborgenes Suchen, Sehnen und Fragen da, das da lautet: Vielleicht ist es doch wahr, das Göttliche und das Heilige, vielleicht hat sich da doch Gott bemerkbar gemacht.

Wäre nicht genau das die Chance von Weihnachten? Dieses Suchen, Sehnen und Fragen nicht abzuwürgen oder zuzudecken durch die vielen Äußerlichkeiten, die gewiss nicht zu verachten sind. Wäre nicht genau das die Chance, in den tieferen Sinn der Weihnacht einzutauchen? Aber wird uns das wieder gelingen? Worum geht es eigentlich? Es geht um Gott und den Menschen, es geht darum, dass Gott sich diesen Leichtsinn und dieses Risiko erlaubt, Mensch zu werden. Risiko deshalb, weil der Mensch zwar auch ein sehr friedliches und liebevolles Wesen sein kann, manchmal aber auch ein sehr unberechenbares und gefährliches. Ausgerechnet in diese Gesellschaft begibt sich Gott. Mehr noch: Gott begibt sich in die Heimatlosigkeit des Menschseins, er begibt sich ins Leiden und sogar in die Todverfallenheit.

Gott also so ganz nah am Menschen. Genau das ist das typisch christliche Gottesbild. Gott im Schoß einer Mutter, Gott als hilfloses Neugeborenes, Gott als Kind, ein Gott, der sich politischen Machenschaften aussetzt, Gott ein Leidensmann und mitten in der Todesangst. Dieses Gottesbild gibt es in keiner anderen Religion. Aber darf das Gott? Darf er sich so weit herunterlassen, darf er so hilflos und so wehrlos sein wie ein Kind? Da nimmt er sich doch was. Ist er da wirklich noch Gott bei soviel Nähe zu den Menschen? Kritiker und ganz Fromme wollten das oft nicht wahrhaben. Sie meinten: Jesus habe nur einen Scheinleib gehabt und habe nur zum Schein gelitten, weil eine wirkliche Geburt und ein wirkliches Sterben für Gott unzumutbar ist.

Aber dagegen steht die Weihnacht und der Karfreitag. Und was ist die Antwort? Die Antwort finde ich in dem zentralen Satz des Johannesevangeliums: "Und das Wort (Gott) ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt und wir haben seine Herrlichkeit gesehen, die Herrlichkeit des einzigen Sohnes vom Vater voll Gnade und Wahrheit!" Seine Herrlichkeit also wollte Gott uns mit der Weihnacht zeigen, seinen Glanz, seine Schönheit und seine unendliche Liebe zu uns Menschen. Was ist denn das für ein Gott, der seine Herrlichkeit in einem Stall und an einem Kreuz zeigt! Und die Antwort darauf ist für mich nur: Staunen, schweigen , danken und anbeten. Hier wäre also der tiefste Kern der Weihnacht, sein Urgrund. Wer es wagt, da hinabzusteigen, wird mehr verstehen und er wird über die Maßen beschenkt werden.
24.12.09
Neumarkt: "Staunen, schweigen..."
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