Klima und Konjunktur


Das Neumarkter "Umweltinstitut" wird von der Stadt mit einem erheblichen finanziellen Aufwand unterstützt: Landrat Albert Löhner, Prof. Dr. Eberhard Aust, Oberbürgermeister Thomas Thumann und der Rektor der Georg-Simon-Ohm-Hochschule, Prof. Dr. Michael Braun (v.l.)


Die derzeit größte Solaranlage Neumarkts auf dem Dach des
Bauhofs.


Die Stadtwerke bauen ihr neues Verwaltungsgebäude als
"Netto-Plus-Haus".


Abwärme und gereinigtes Wasser der Kläranlage werden für die
Stadtgärnterei genutzt.
NEUMARKT. Im Rathaus erhofft man sich vom neuen Energie-Förderprogramm Erfolge beim Klimaschutz und bei der Ankurbelung der Konjunktur.

Ziel des vom Stadtrat beschlossenen millionenschweren Programms (wir berichteten) sei es, Bürger und juristische Personen in der Stadt bei der Gebäudesanierung oder beim Gebäudeneubau im Hinblick auf die energetische Ausrichtung zu fördern. Mit rund zwei bis drei Millionen Euro jährlich will die Stadt in den nächsten Jahren hier einen erheblichen Anstoß geben, um einen deutlichen Beitrag zum Klimaschutz zu erreichen.

"Dies ist für mich ein enormes Förderprogramm im doppelten Sinne", faste Oberbürgermeister Thomas Thumann am Freitag zusammen. "Es ist auf der einen Seite ein Klimaschutzprogramm erster Güte, und es ist zum anderen ein Riesenkonjunkturprogramm für die Wirtschaft."

Mit dem Programm will die Stadt den Bereich energetische Sanierung und energetisches Bauen in der Stadt maßgeblich ausbauen. Zugleich wurden im Stadtrat der Energienutzungsplan und der Klimaschutzfahrplan vorgestellt.

Je nachdem wie stark die Bürger das Förderprogramm abrufen, wird die Stadt dabei in den nächsten Jahren jährlich einen Millionenbetrag in die Hand nehmen. Zusammen mit den durch die Förderung angestoßenen privaten Investitionen, die nach allgemeiner Ansicht in etwa das zehnfache der Fördersumme ausmachen, entsteht so ein Zigmillionen umfassendes Klimaschutz- und Konjunkturprogramm in der 40.000-Einwohner-Stadt. Dass der Start des Förderprogramms in das Jahr 2010 fällt, in dem Neumarkt sein 850jähriges Stadtjubiläum begeht, passe da bestens ins Bild.

2007 mit dem Beitritt zum Klimabündnis, 2008 mit der Einrichtung des Klimaforums und mit der Unterzeichnung des Konvents der Bürgermeister in Brüssel durch Oberbürgermeister Thumann habe die Stadt "mutig den Schritt nach vorne getan, mehr als nur die von der EU vorgesehenen Einsparungen beim CO2 zu erreichen", erklärte Thumann.

Seither wurden viele Maßnahmen unternommen, so etwa Solaranlagen auf städtischen Gebäuden, die intelligente Gebäudeleittechnik für städtische Gebäude oder Energieeinsparmaßnahmen im Bauhof. Zahlreiche Maßnahmen sind in Bau, wie zum Beispiel ein Netto-Plus-Verwaltungsgebäude für die Stadtwerke oder weitere Photovoltaikanlagen auf den Dächern städtischer Gebäude.

Und in der Planung befinden sich weitere große Vorhaben, so zum Beispiel ein Biomasseheizkraftwerk und die Einrichtung eines Fernwärmenetzes mit einem Investitionsvolumen von rund 30 Millionen Euro. Auch die Errichtung mehrerer kleiner Blockheizkraftwerke im Stadtgebiet ist vorgesehen; alleine sechs sollen nächstes Jahr entstehen.

Zu den Bemühungen in Neumarkt gehöre aber auch die jährlich stattfindende Nachhaltigkeitskonferenz mit hochrangigen Referenten wie in diesem Jahr Prof. Dr. Klaus Töpfer oder Prof. Dr. Ing. Martin Faulstich, bei der Nachhaltigkeit und Klimaschutz im Hinblick auf Kommunen und Unternehmen beleuchtet werden.

Große Erwartungen würden auch in die Kooperation mit dem Landkreis Neumarkt und der Georg-Simon-Ohm Hochschule Nürnberg gesetzt, die vor kurzem zur Einrichtung des Umweltinstituts Neumarkt geführt hat. Hier sollen auch Kooperationen zwischen Umweltinstitut und Unternehmen entstehen, bei denen es um technische Fortschritte im Bereich Klima und Umwelt geht. Ziel sei es auch, die bereits in der Region vorhandene Kompetenz in diesem Bereich zu stärken, zu bündeln und auszuweiten.

Schließlich sei Neumarkt die wohl einzige Region Deutschlands, in der gleich zwei Deutsche Umweltpreisträger und ihre Firmen beheimatet sind. Zahlreiche weitere Firmen, Verbände, Vereine und Kirchen setzten ebenfalls bereits auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz.

Dass die Stadt Neumarkt als erste und einzige Stadt Deutschlands bereits zum zweiten Mal von der UNESCO zur Stadt der Weltdekade ernannt wurde, sei laut Oberbürgermeister Thumann zum einen Ausdruck dieser Bemühungen, zum anderen aber auch Ansporn, diese Bemühungen weiter fortzuführen. Für ihn gehören Klimaschutz und Nachhaltigkeit zu den wichtigen Daseinsaufgaben in einer Kommune dazu. "Dabei geht es für mich um unsere Heimat und unsere Lebensbedingungen. Dass wir hierbei mit viel Einsatz auf einem sehr guten Weg unterwegs sind, ja dass wir modellhaftes Beispiel und Vorreiter für andere sind, wird uns von vielen Seiten immer wieder bestätigt".

Das Voranschreiten beim Thema Klimaschutz und Nachhaltigkeit sei einer von mehreren Punkten, mit denen Neumarkt immer wieder für Beachtung sorge. Hierher gehöre auch, dass die Stadt erst vor wenigen Wochen als erste Fairtrade-Stadt Bayerns gewürdigt wurde. Aber auch auf anderen Feldern punkte Neumarkt immer wieder. Die niedrigsten Hebesätze für Gewerbe- und Grundsteuern unter allen Großen Kreisstädten in Bayern, die zudem seit 35 Jahren nicht mehr erhöht wurden, sowie ein solider Haushalt auf einer äußerst gesunden finanziellen Basis seien weitere Pluspunkte Neumarkts.

Ein weiteres weithin sichtbares Ausrufezeichen werde das nun aufgelegte Förderprogramm darstellen. Es soll am 1.April 2010 in Kraft treten. Bis dahin wird die Verwaltung die entsprechende personelle Voraussetzung schaffen und die Abwicklungsmodalitäten ausarbeiten.

Bei dem Förderprogramm können die Gebäudebesitzer von einer Vielzahl von möglichen Förderbereichen profitieren. Wichtig war es den Verantwortlichen dabei, dass die finanzielle Unterstützung durch die Stadt nicht zu Einschränkungen bei anderen Fördermöglichkeiten führt. Zugleich sollten möglichst viele Bereiche gefördert werden. Zusammen mit Dr. Burkhard Schulze-Darup und in einem mit Stadträten besetzten Arbeitskreis wurden von der Stadtverwaltung daher umfangreiche Richtlinien zu diesem Förderprogramm ausgearbeitet.

Die Unterstützung der Stadt reicht dabei von der Energieberatung über den Zuschuss bei Gebäudetechnikkomponenten im Bereich der Heizung wie etwa Solarthermie, Biomasseheizkessel, Wärmepumpen oder Anschluss an das Nah- bzw. Fernwärmenetz bis hin zur Lüftung und zu Verbesserungen der Gebäudehülle.
27.11.09
Neumarkt: Klima und Konjunktur
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