Stadtpatron von Neumarkt

Von Dekan Monsignore Richard Distler

Das Wahrzeichen von Neumarkt, die St. Johanneskirche, mit dem eindrucksvollen Sandsteinturm von 72 Metern Höhe, ist schon aus weiter Ferne zu sehen. Das Patrozinium dieser Kirche und warum sie dem Vorläufer Jesu und Bußprediger Johannes geweiht wurde, liegt eher verborgen im Dunkel der Geschichte.

Zweifellos aber ist St.Johannes die erste und älteste Taufkirche von Neumarkt. Darauf verweist schon der eindrucksvolle romanische Taufstein, an dem heute noch Kindern und Erwachsenen das Sakrament der Wiedergeburt aus Wasser und Heiligem gespendet wird. Auch der neugotische Hochaltar verweist auf die Taufe, dort aber auf die Taufe Jesu durch Johannes.

Auf ein anderes Charakteristikum des Kirchen- und Stadtpatrons verweist die Figur auf dem Pfeiler beim Eingangsportal an der Südseite dieser mächtigen Kirche: Es ist Johannes als "Rufer in der Wüste", die Körperhaltung etwas gebückt, wie unter einer unsichtbaren Last, und der Mund weit geöffnet. Diese moderne Johannesdarstellung korrespondiert mit der großen Johannesglocke auf dem Turm der Hofkirche. Dort steht über der eingegossenen Figur des Täufers der markante Satz aus dem Markusevangelium: "Eine Stimme ruft in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn!"

Warum aber wird in beiden Stadtkirchen das Motiv: "Johannes, der Rufer in der Wüste" aufgegriffen? Die Wüste gibt es doch nicht bei uns, nur anderswo, in Nordafrika, in der Sahara. Johannes selbst predigte zwar unten am Jordan, am Rande der Wüste, aber mit Wüste meint der Evangelist noch etwas anderes. Er meint die Herzen und Seelen der Menschen, innere Nöte und Ängste, die Vereinsamung und Herzensleere, seelische Haltlosigkeit und Verwahrlosung, zerstörte Beziehungen, die Unfähigkeit zur Liebe und zur Versöhnung, die Gier nach Leben und etwas vom Leben zu haben und nicht zuletzt, die Gottesferne und die Gottlosigkeit.

All das ist die Wüste heute wie damals zur Zeit des Johannes. Im Sinne des Johannes geht es nun darum, mitten in dieser geistigen Wüste unserer Städte und Dörfer, Gott einzulassen, das Heilige und Göttliche wahrzunehmen und dem Herrn in den Herzen der Menschen die Wege zu bereiten. Diesem Ziel dient z.B. eine ganz moderne "Monatische Gemeinschaft von Jerusalem", die sich erst heuer mitten in der Großstadt Köln bei der Kirche Groß St. Martin angesiedelt hat. Dort leben sieben Schwestern und fünf Brüder in getrennten Gemeinschaften. Sie beten aber gemeinsam fünf mal am Tag das Stunden- und Chorgebet in sehr schönen Melodien und oft mit 4o- 5o Leuten, die sich dort einfinden. Vormittags aber arbeiten alle in verschiedenen Berufen in der Stadt. Ihr Motto lautet: "Ganz im Herzen Gottes und ganz im Herzen der Stadt". Eine faszinierende geistliche Gemeinschaft mitten in der "Wüste" einer modernen Großstadt.

Eine junge Schwester, die aus Frankreich stammte, aber sehr gut Deutsch sprach, sagte mir: "Wir sehen unser Dasein hier als einen prophetischen Dienst, wir möchten den Menschen zeigen, wie nahe ihnen Gott ist in der Wüste des Alltags." Prophetischer Dienst heute, um heute dem Herrn die Wege zu bereiten, so wie einst Johannes der Täufer unten am Jordan. An diesen prophetischen Dienst möchte die eindrucksvolle Figur des Täufers und des Stadtpatrons St. Johannes jeden Christen erinnern.
23.06.09
Neumarkt: Stadtpatron von Neumarkt
Übrigens: Sie können jetzt alle Themen aus neumarktonline auch im NEUMARKTER FORUM diskutieren


Telefon Redaktion

Burgis

Stadt Neumarkt

Link zum Landkreis Neumarkt

MdEP Albert Deß

neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
15. Jahrgang
neumarktonline - die Internet-Tageszeitung. Aktuelle Berichte, Meldungen und News aus Neumarkt in der Oberpfalz im Internet
ISSN 1614-2853
15. Jahrgang