Immer weniger Kinder


"Ich bin ein Neumarkter" - doch es werden immer weniger Neu-
markter Babies
NEUMARKT. Die Politik sorgt sich um den dramatischen Geburtenrückgang in der Stadt. OB Thumann spricht von "ernst zu nehmenden Entwicklungen". Im Vergleich zu 1994 wurden 40 Prozent weniger Neumarkter Babies geboren.

Die Entwicklung ist nicht neu: Schon im Januar hat der Leiter des Neumarkter Gesundheitsamtes, Dr. Heinz Sperber, in einem Gastbeitrag für neumarktonline auf die dramatisch zurückgehenden Zahlen hingewiesen (wir berichteten).

Jetzt stellte Oberbürgermeister Thomas Thumann die aktuellen Zahlen aus dem Neumarkter Standesamt vor. Hier zeigt sich die gleiche Tendenz, obwohl bei diesen Zahlen auch die Babies registriert sind, die zwar in Neumarkt geboren sind, die aber mit ihren Eltern außerhalb der Stadtgrenzen leben.

Laut Angaben des Standesamtes ist auch die Gesamt-Zahl der in Neumarkt Geborenen im letzten Jahr deutlich zurückgegangen. Waren es im Jahr 2006 noch 795 Neugeborene, bei denen in der Geburtsurkunde Neumarkt als Geburtsort eingetragen wurde, so wurden letztes Jahr 706 Geburten vermerkt.

Dabei wurden im letzten Jahr 371 Jungen und 335 Mädchen in Neumarkt geboren. Bei den 706 Geburten des Jahres 2007 handelt es sich um 246 Geburten aus dem Stadtgebiet, während bei 377 Kindern die Eltern im Landkreis und bei 83 Kindern außerhalb des Landkreises wohnen.


Die Auswertung der Geburtenzahlen ergibt, dass 565 der Geburten des Jahres 2007 ehelich erfolgten, 141 waren nichteheliche. Diese Zahl ist leicht gesunken, nach 146 nichtehelichen Geburten im Jahr 2006. Aber insgesamt zeigt sich doch über einen längeren Zeitraum eine Zunahme bei den nichtehelichen Geburten, die im Jahr 2000 noch bei 92 gelegen waren.

Auch die Zahl der Geburten, bei denen ein oder beide Elternteile Ausländer sind, ist rückläufig. 97 Kinder mit ausländischem Familienhintergrund wurden 2007 geboren; zum Vergleich: 2006 waren es 126 gewesen.

2007 sind auch keine Zwillinge in Neumarkt geboren worden. Im Jahr 2000 zum Beispiel gab es 11 Zwillingsgeburten und ein Jahr danach immerhin noch 7 Zwillingsgeburten in Neumarkt. 2006 dagegen lag deren Zahl bei 3.

Interessant ist auch die Zahl der Geschwister in den Familien, in denen ein Neugeborenes zu vermelden war. Kamen im Jahr 2000 noch 194 Neugeborene aus Familien mit mehr als drei Kindern, so waren es 2007 lediglich 91. In 375 Fällen und damit bei der Mehrzahl der 2007 Geborenen handelt es sich um das bisher einzige Kind in der Familie.

Für Oberbürgermeister Thomas Thumann sind dies durchaus ernst zu nehmende Entwicklungen. Gerade wenn man die Zahl der Geburten in den letzten zehn Jahren betrachtet, so sei die Entwicklung schon besorgniserregend. Nimmt man nur die Zahl der in Neumarkt Neugeborenen, bei denen die Eltern auch in Neumarkt leben, so sank diese Zahl von 368 im Jahr 1998 auf 246 im Jahr 2007, ein Rückgang um rund ein Drittel.

"Wir als Stadt haben hier seit Jahren deutliche Zeichen mit unseren Maßnahmen gesetzt und unsere Absicht dokumentiert, für Familien mit Kindern gute Bedingungen bieten zu wollen", erklärte der OB. Alleine für den Baukostenzuschuss an Familien von 10.000 Euro pro Kind für städtische Grundstücke habe man bisher bereits mehr als eine halbe Million Euro an Familien weiter gereicht. Auch für den Betreuungszuschuss für Familien mit zwei und mehr Kindern in einer Betreuungseinrichtung der Stadt bringe man jedes Jahr rund 30.000 Euro auf.

Dies und das große finanzielle Engagement der Stadt bei der Kleinkinderbetreuung, bei den Spielplätzen, Kindergärten, Schulen und in der Mittags- und Nachmittagsbetreuung seien aber nur "das eine".

Aber finanzielle und materielle Anreize seien, wie auch Untersuchungen belegten, zwar wichtig, aber sie seien nicht ursächlich für den Kinderwunsch der Eltern. Hier gelte es gesamtgesellschaftlich ein Klima zu erreichen, in dem Kinder nicht als Karrierehemmer, finanzielles Risiko oder Belastung angesehen werden, sondern als Bereicherung des Lebens, hieß es.

Zugleich müssten die Verantwortlichen aber auch zur Kenntnis nehmen, dass der Rückgang Auswirkungen auf die Kommunen haben werde. Daher gelte es, sich auf den Bevölkerungsrückgang einzustellen und zugleich zu versuchen, ihn zu kompensieren. "Ein Aspekt ist die Frage des Zuzugs von Neubürgern. Und da wird es zusehends wichtiger werden, wie wir uns als Stadt Neumarkt möglichen interessierten Zuzugswilligen präsentieren. Hier denke ich, sollten wir die positiven Seiten unsere Stadt als Marke Neumarkt ausbauen und dafür unsere Stärken bündeln und sie nach außen tragen", sagte Thumann.

Diese Einschätzung werde durch Aussagen bei den von der Stadt seit etwa zwei Jahren durchgeführten Empfängen für Neubürger belegt. Im Durchschnitt würden dazu pro Quartal jeweils etwa 400 neu Zugezogene ins Rathaus eingeladen. Die dabei auf Initiative von Oberbürgermeister Thumann durchgeführte Fragebogenaktion gäbe einen Einblick in die Gründe des Umzugs nach Neumarkt und für die Kriterien der Entscheidung zugunsten Neumarkts.

"Interessant ist dabei, dass der Grund für einen Umzug nach Neumarkt bei vielen vor allem im familiären Bereich liegt; dann erst folgen berufliche Ursachen. Aus den Befragungen wissen wir auch, dass bei der Entscheidung der Neubürger die Attraktivität der Stadt Neumarkt im Hinblick auf die Grünanlagen, die Natur und den Freizeitwert die entscheidenden Argumente pro Neumarkt sind. Daneben spielen Wohn- und Lebensqualität sowie die guten Arbeitsbedingungen eine Rolle", erklärte Thumann.

Und noch etwas kann eine wichtige Kennzahl sein: Unter den befragten Neubürgern stammten 87 Prozent nicht aus dem Landkreis, sondern aus der Metropolregion, dem übrigen Bayern oder anderen Bundesländern. Lediglich fünf Prozent kamen aus dem Ausland.
06.02.08
Neumarkt: Immer weniger Kinder
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